Text: 1. Petrus 1,13-21
Liebe Gemeinde!
Aller Anfang ist leicht! Na gut, vielleicht nicht aller An-fang. Aber ich glaube, es stimmt nicht, wenn man einfach so immer wieder sagt: „Aller Anfang ist schwer!“ Es gibt jede Menge Anfänge, die leicht sind. Da ist am Anfang ganz viel Schwung, ganz viel Lust, Neues zu sehen und zu entdecken. Für mich ist die Schule so ein Beispiel. Ganz, ganz viele Kinder freuen sich auf die Schule. Wenn ich in der Kita bei der Verabschiedung der Großen, in unserer Kita Berliner Str. sind das die „Wackelzähne“, dabei bin oder wenn ich den Gottesdienst für die Schulanfänger halte, dann ist bei den allermeisten Kindern ganz klar: Wir freuen uns auf die Schule und Lernen macht ganz viel Spaß. Im 8. Schuljahr sieht das ein bisschen anders aus. Lernen macht auch Mühe, nachdem es am Anfang oft ziemlich schnell vorwärts geht, stellen sich auch Misserfolge ein, Anderes wird auch wichtig. Der Anfang war leicht, aber das Durch-halten ist gar nicht so einfach. In einer Liebesbeziehung ist das manchmal so ähnlich. Wenn erstmal die erste Verliebtheit verflogen ist, wenn die Macken nach und nach rauskommen, wenn man sich auch öfter mal unausgeschlafen, gereizt und ungeschminkt begegnet ist, dann braucht man Stehvermögen, das manchmal auch Kraft kostet. Und ich denke, dass es im Glauben an Jesus so ähnlich ist. Und auch früher schon so ähnlich war. Der Anfang ist oft gar nicht so schwer. Da begegnet man Menschen, die einen faszinieren, die einem ganz toll von Jesus erzählen und die das auch ganz überzeugend vorleben. da hat man Power und Lust, es selbst mal zu probieren, man merkt, dass es ganz gut klappt. Aber dann kommt der Alltag. Nicht alles, was man sich vom Glauben erhofft hat, trifft sofort ein. Es gibt Rückschläge und man merkt mehr oder weniger schnell, dass auch guten Menschen Böses passiert.
Für so eine ähnliche Situation vor fast 2000 Jahren ist auch der Brief geschrieben, aus dem der Predigttext für heute ist. Es ist der erste Petrusbrief. Ziemlich schnell hat der Glauben an Jesus damals neue Anhänger gefunden. Kein Wunder. Er hat frei gemacht. Zum Beispiel frei davon, die Menschen in Kästchen je nach ihrem Besitz oder ihrer Stellung einzuteilen. Damals gab es viele Sklaven. Die waren in der christlichen Gemeinde genauso viel wert wie Kaufleute oder Landbesitzer. Die Sklaven waren zwar immer noch nicht unbedingt frei, aber sie konnten wissen: die Leute bilden sich was ein, wenn sie glauben, andere Menschen besitzen zu können. Man kann zwar Menschen durch Macht oder Gewalt zu etwas zwingen, aber für Gott sind die Sklaven mindestens so viel wert wie jeder reiche Mensch. Gott sieht nicht auf das, was ein Mensch äußerlich darstellt, sondern was in ihm steckt. Und auch manche reichen Menschen haben gespürt, dass der Glauben an Jesus sie wirklich frei machen will. „Ich muss nicht mehr mit meinem Nachbarn konkurrieren,
Predigten und Gedanken aus der Thomaskirche auf dem Richtsberg in Marburg
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Samstag, 10. März 2012
Samstag, 3. März 2012
Ich hab keine Lust mehr! - Reminiszere, 04.03.2012, Reihe IV
Text: Jesaja 5,1-7
Liebe Gemeinde!
Ich hab keine Lust mehr! In jedem Spätwinter werden mühsam Blumen vorgezogen. Die ersten Salatpflänzchen werden aufs Frühbeet vorbereitet und der Garten wird frühjahrsfit gemacht. Und noch ein bisschen mehr als unbedingt nötig. Gepflanzt wird, gegossen, Unkraut und Schädlinge werden bekämpft. Viel Liebe und Mühe wird reingesteckt. Und was kommt dabei raus? Nichts!!! Die blöden Blumen blühen nicht richtig, das Gemüse bleibt mickrig. Es lohnt sich nicht. Soll alles doch verwildern, mir egal. Ich hab keine Lust mehr! Wer ein bisschen Garten hatte oder Garten hat, kennt vielleicht genau diesen Frust. Er ist da, aber relativ harmlos, solange es um Pflanzen und Ernte geht.
Ich hab keine Lust mehr. Jeden Tag neu der Versuch, als Lehrer freundlich zu den Schülern zu sein. Geduld und Verständnis zu haben, wenn sie mal mies drauf sind. Ihnen zu helfen, wenn sie was nicht verstehen. Immer wieder und wieder. Telefonate mit Eltern, Besprechungen mit allen möglichen Leuten, Kontakte aufbauen, um Hilfen für die besonders Schwachen anbieten zu können. Und der Dank: Jeden Tag das gleiche Chaos in der Klasse, Respekt ist ein Fremdwort, Hausaufgaben werden nicht gemacht, Vorstellungsgespräche, die organisiert wurden, gar nicht besucht, jeder macht, was er will. Es reicht. Sollen die doch sehen, wo sie bleiben. Was interessiert mich ihr späterer Arbeitsplatz, was interessiert mich ihre Zukunft. Sollen die doch machen, was sie wollen, ich will meine Ruhe.
Ich hab keine Lust mehr. Immer wieder decke ich meine Freundin, wenn sie keine Hausaufgaben hat, Schule schwänzt, Liebeskummer hat. Ich helfe ihr immer wieder. Und der Dank? So bald Leute auftauchen, die scheinbar cooler als ich sind, lässt sie mich links liegen, kennt mich nicht mehr, bis sie wieder heulend ankommt. Soll sie doch sehen, wo sie bleibt! Soll sie doch verrecken. Ich hab keine Lust mehr.
Ich hab keine Lust mehr. Immer wieder habe ich es hin-genommen, dass mein Mann es mit der Treue nicht so genau nimmt. Ja, er liebt mich, er braucht mich, er ver-lässt mich nicht. Sagt er immer wieder. Aber er tut mir weh. Jedes Mal. Und erst recht, wenn er trinkt und sich nicht unter Kontrolle hat. Wenn er mich lächerlich macht und sich lächerlich benimmt. Tausendmal hat er Besse-rung versprochen. Und nichts hat‘s genützt. Ich habe kei-ne Lust mehr!
Wenn’s um MEHR als Pflanzen geht, wenn’s um Men-schen geht, um Liebe, um Zeit und Kraft, die in Bezie-hungen investiert wird, um Enttäuschungen, um Schuld, dann ist dieser Frust alles andere als harmlos.
Ich glaube, dass ganz viele diese Gefühle kennen. Zum Teil als diejenigen, die frustriert und enttäuscht wurden. „Ja, hör auf, du hast genug getan, überlass das alles mal sich selbst, wenn der oder die oder das es nicht anders kann und will, dann ist eben Ende der Fahnenstange! Sollen die doch sehen, wo sie bleiben und kaputtgehen.“ Ein Urteil, dem sich viele, ich oft genug auch, anschließen können. Und wie ist das auf der anderen Seite? Wenn man nicht enttäuscht wurde, sondern enttäuscht hat?
Liebe Gemeinde!
Ich hab keine Lust mehr! In jedem Spätwinter werden mühsam Blumen vorgezogen. Die ersten Salatpflänzchen werden aufs Frühbeet vorbereitet und der Garten wird frühjahrsfit gemacht. Und noch ein bisschen mehr als unbedingt nötig. Gepflanzt wird, gegossen, Unkraut und Schädlinge werden bekämpft. Viel Liebe und Mühe wird reingesteckt. Und was kommt dabei raus? Nichts!!! Die blöden Blumen blühen nicht richtig, das Gemüse bleibt mickrig. Es lohnt sich nicht. Soll alles doch verwildern, mir egal. Ich hab keine Lust mehr! Wer ein bisschen Garten hatte oder Garten hat, kennt vielleicht genau diesen Frust. Er ist da, aber relativ harmlos, solange es um Pflanzen und Ernte geht.
Ich hab keine Lust mehr. Jeden Tag neu der Versuch, als Lehrer freundlich zu den Schülern zu sein. Geduld und Verständnis zu haben, wenn sie mal mies drauf sind. Ihnen zu helfen, wenn sie was nicht verstehen. Immer wieder und wieder. Telefonate mit Eltern, Besprechungen mit allen möglichen Leuten, Kontakte aufbauen, um Hilfen für die besonders Schwachen anbieten zu können. Und der Dank: Jeden Tag das gleiche Chaos in der Klasse, Respekt ist ein Fremdwort, Hausaufgaben werden nicht gemacht, Vorstellungsgespräche, die organisiert wurden, gar nicht besucht, jeder macht, was er will. Es reicht. Sollen die doch sehen, wo sie bleiben. Was interessiert mich ihr späterer Arbeitsplatz, was interessiert mich ihre Zukunft. Sollen die doch machen, was sie wollen, ich will meine Ruhe.
Ich hab keine Lust mehr. Immer wieder decke ich meine Freundin, wenn sie keine Hausaufgaben hat, Schule schwänzt, Liebeskummer hat. Ich helfe ihr immer wieder. Und der Dank? So bald Leute auftauchen, die scheinbar cooler als ich sind, lässt sie mich links liegen, kennt mich nicht mehr, bis sie wieder heulend ankommt. Soll sie doch sehen, wo sie bleibt! Soll sie doch verrecken. Ich hab keine Lust mehr.
Ich hab keine Lust mehr. Immer wieder habe ich es hin-genommen, dass mein Mann es mit der Treue nicht so genau nimmt. Ja, er liebt mich, er braucht mich, er ver-lässt mich nicht. Sagt er immer wieder. Aber er tut mir weh. Jedes Mal. Und erst recht, wenn er trinkt und sich nicht unter Kontrolle hat. Wenn er mich lächerlich macht und sich lächerlich benimmt. Tausendmal hat er Besse-rung versprochen. Und nichts hat‘s genützt. Ich habe kei-ne Lust mehr!
Wenn’s um MEHR als Pflanzen geht, wenn’s um Men-schen geht, um Liebe, um Zeit und Kraft, die in Bezie-hungen investiert wird, um Enttäuschungen, um Schuld, dann ist dieser Frust alles andere als harmlos.
Ich glaube, dass ganz viele diese Gefühle kennen. Zum Teil als diejenigen, die frustriert und enttäuscht wurden. „Ja, hör auf, du hast genug getan, überlass das alles mal sich selbst, wenn der oder die oder das es nicht anders kann und will, dann ist eben Ende der Fahnenstange! Sollen die doch sehen, wo sie bleiben und kaputtgehen.“ Ein Urteil, dem sich viele, ich oft genug auch, anschließen können. Und wie ist das auf der anderen Seite? Wenn man nicht enttäuscht wurde, sondern enttäuscht hat?
Samstag, 25. Februar 2012
Wie geht's? - Gut! - Wirklich? - Invokavit, 25.02.12, Reihe IV
Liebe Gemeinde!
Du hast es gut, Paulus! Du hast es so richtig gut! Du lässt dich nicht unterkriegen. Egal, was dir an traurigen Dingen passiert: Du hältst den Kopf oben! Immer voller Freude, auch im Gefängnis, auch wenn dir andere mit dem Tod drohen. Arm, ohne Besitz, angefeindet – na und? Du kommst mit allem klar! Du Superheld, du! Nichts haut dich um!
Mir macht Paulus Angst. Wenn er wenigstens sagen würde: „Mir geht’s gut. Ich hab einen tollen Job, ich muss mir finanziell keine Sorgen machen, ich habe viele Freunde, mir will niemand was Böses, ich bin gesund – ich hab keinen Grund, dass es mir schlecht geht. Und dazu glaube ich so fest an Gott, dass ich weiß, er ist für mich da! Meinen glauben hat nichts erschüttert!“ Wenn er wenigstens so was sagen würde, dann könnte ich sagen: „Ja, Mann, das kann ich verstehen! Du hast echt das große Los gezogen. Super, dass es dir gut geht!“ Aber so macht er mir Angst. Paulus macht mir Angst, weil ich mich frage: „Was würde ich eigentlich sagen, wenn es mir so wie ihm gehen würde? Wenn hinter meinem Rücken geredet und gelästert wird, wenn ich wegen meines Glaubens ins Gefängnis müsste, wenn ich Folter, Schläge, Drohungen aushalten müsste, wenn die, in die ich großes Vertrauen hatte, beginnen, sich von mir abzuwenden?“
Das alles ist Paulus passiert. Ihm geht’s gut. Ich glaube nicht, dass es mir gut gehen würde, wenn ich das alles hätte erleben müssen. Vielleicht würde ich, wenn ich das eine oder andere davon erlebt hätte, schon sagen: „Ganz gut!“ wenn mich jemand fragt, wie’s mir so geht. „Ganz gut“, „Normal“, „Passt schon“ – die üblichen Antworten halt auf die Frage, wie’s einem so geht.
Viele sagen, dass diese Antworten gegeben werden, weil’s den anderen ja sowieso nicht interessiert und man nur aus Höflichkeit und weil es üblich ist, so fragt beziehungsweise gefragt wird. Aber ich glaube, dass die Antworten hin und wieder auch Selbstschutz sind. Ich glaube, manchmal ist es die Angst, nicht aufhören zu können, wenn man von seinen Niederlagen und seinen Sorgen erzählt, die einen dazu bringt, oberflächlich zu antworten. Oder die Angst davor, schwach zu wirken. Klar, wenn man wie Paulus sagen kann: „Das macht mir alles nichts aus“, dann kann man das schon offen sagen. Aber was ist, wenn’s einem doch was ausmacht?
Mir machen Leute Angst, denen nichts etwas ausmacht. Mir machen sie Angst, weil ich mich dann noch kleiner, dümmer, schwächer fühle und denke, ich darf noch weniger zeigen, dass nicht alles einfach so an mir vorbeigeht und dass es mir immer wieder auch mal schwer fällt, das Gute zu sehen.
Mir machen aber auch Leute Mut, die mich von dem Wahn befreien, dass ich perfekt sein müsste oder mein Leben perfekt sein müsste, damit es gut ist. Mit machen Leute Mut, die mich auch mal freundlich in den Hintern treten, damit ich ihn hochkriege und nicht im Selbstmitleid hocken bleibe. Mir machen Leute Mut, die mir helfen, die Augen aufzukriegen und zu sehen, dass nicht alles super und perfekt sein muss, damit ich leben kann.
Und da finde ich gerade den Anfang von dem, was ich eben vorgelesen habe, ganz hilfreich. „Als Gottes Mitarbeiter wenden wir uns auch an euch; wir bitten euch: Lasst die Gnade, die Gott euch schenkt, in eurem Leben nicht ohne Auswirkungen bleiben“, schreibt Paulus da. Klar, das kann man als einen Anspruch verstehen, der da wieder mal gestellt wird. Schon wieder muss man was tun. Schon wieder soll man funktionieren.
Heute ist der erste Tag deiner Zukunft - Sonntagsgedanken für die Oberhessische Presse, 25.02.12
Zukunft ist was Wunderbares. Wenn man mit 16, 19 oder 20 Jahren die Schule abgeschlossen hat, einen Studienplatz oder Ausbildungsvertrag in der Tasche hat und einem die ganze Welt offenzustehen scheint. Zukunft ist was Wunderbares. Wenn man gerade glücklich geheiratet hat und sich Träume vom gemeinsamen Leben machen kann. Zukunft ist was Wunderbares. Wenn man gerade Vater oder Mutter eines gesunden Kindes geworden ist, das man sich auch gewünscht hat und finanziell einigermaßen abgesichert ist. Zukunft ist was Wunderbares, wenn… - und wenn nicht? Heute ist der erste Tag deiner Zukunft – wenig verlockende Aussicht, wenn es der erste Tag ohne Job ist. Oder wenn ich eine niederschmetternde medizinische Diagnose bekommen habe. Oder gerade verlassen worden bin. Oder die Abiprüfung, Examen oder anderes sich wie eine unüberwindliche Hürde vor mir auftürmt. Oder wenn Krankheit und Alter das Verlassen der geliebten und gewohnten Umgebung unausweichlich gemacht haben.
Es ist ein Märchen, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt, „der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“, wie Hermann Hesse es in seinem Gedicht „Stufen“ beschreibt. Es gibt Anfänge, die in eine Zukunft weisen, die nicht gerade zauberhaft zu werden verspricht. Ich selber finde es manchmal unerträglich, wenn dauergrinsende Zombies, die sich manchmal auch Motivationstrainer nennen, mir einhämmern wollen: „Denke positiv!“ Nur mit positiven Gedanken allein lässt sich die eigene Zukunft nicht zum Guten lenken. Ich finde es anmaßend, Menschen weis machen zu wollen: „Alles wird gut!“ Es wird nicht alles gut. Aber manchmal finde ich es sehr hilfreich, sich nicht in einer tatsächlichen oder auch nur gefühlten Leidensspirale nach unten ziehen zu lassen.
Da gibt es einen Menschen, dem droht sein Lebenswerk völlig zu entgleiten. Er hat Beziehungen geknüpft, Netzwerke aufgebaut – und plötzlich lassen die, die ihn eben noch gut fanden, ihn fallen. Ideen, die gestern noch gut waren, scheinen heute nichts mehr zu gelten. Andere haben sich in den Vordergrund gespielt. Der Mensch ist unten angekommen. Gefängnis, üble Nachrede, böse Gerüchte – das kennt er nicht nur aus fremden Erzählungen, das war oder ist Teil seines Lebens. Nein, nicht des Lebens von Anton Schlecker oder Christian Wulff. Teil des Lebens von Paulus. Seines Zeichens Christ, Missionar, Apostel, Gemeindegründer. Vor fast 2000 Jahren. Viele halten ihn für gescheitert. Mit seiner wichtigsten Gründung, der Gemeinde in Korinth, lebt er in heftigem Streit. Und genau in dieser Situation schreibt er: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ (2. Korinther 6,2). Die Gegenwart ist nicht deshalb gut und heilsam, weil sie so schön ist, sondern weil es eine Zeit ist, in der Gott sich nicht aus der Welt verabschiedet. Gott selber hat sich schwach gezeigt. Jesus am Kreuz – für viele Menschen, nicht nur zu Zeiten des Paulus, eine lächerliche Niederlage. Was Paulus, und mit ihm und nach ihm und vor ihm viele, die Gott vertrauen, stark gemacht hat, ist nicht das Leugnen oder Ausblenden von Leid und Schwäche. Es ist die Hoffnung und das Vertrauen, dass das Leid nicht das letzte Wort behält und dass aus der Schwachheit neues Leben entsteht. Die Zukunft wird nicht leicht und rosig und manches wird auch in Zukunft danebengehen. Aber auch da wird Gott sich nicht verabschieden, sondern Kraft zum Leben geben.
Heute ist der erste Tag deiner Zukunft! So richtig wie banal. Mir bleibt nichts anderes, als diesen Tag zu leben. Und jeden anderen Tag meiner Zukunft auch. Mir bleibt die Hoffnung, dass dieser erste Tag, wie alle anderen Tage auch, nicht gottverlassen ist, auch wenn manche Tage so wirken. Und mir bleibt Vertrauen. Vertrauen in Gnade und Heil, die nicht künstlich beschönigen, aber aktiv helfen, das Leben anzunehmen. Ich habe kein anderes. Heute ist der erste Tag meiner Zukunft. So ist es.
Samstag, 11. Februar 2012
Ich will mich (nicht) ändern (und die Welt bleibt sowieso, wie sie ist) - Sexagesimae, 12.02.2012, Marginaltext
Text: Matthäus 13,33
Liebe Gemeinde!
In Reli ist es viel zu laut, Herr Kling-Böhm, da kann ich mich gar nicht konzentrieren und mitmachen! Stimmt, wenn du mal aufhören würdest, mit deinen Nachbarinnen zu schwätzen, wäre es ruhiger und du würdest besser werden. Aber der Luca und der Leon und der Nico stören doch viel mehr. Und da ist es dann so laut, da reden wir halt auch, wir kommen ja sowieso nicht weiter im Unterricht! Wir kommen nicht weiter, weil jeder glaubt, der andere sollte zuerst aufhören mit dem Schwätzen! Ist doch so, sonst hat es ja keinen Sinn! Wenn du denkst, dass es besser ist, wenn alle einigermaßen ruhig sind, dann fang du doch an. Die anderen werden schon nach und nach mitmachen. Nö, das ist mir zu anstrengend. Wenn alle ruhig sind, mach ich mit! Sie müssen uns halt bestrafen und strenger sein, mit Nachsitzen oder so. Oder es so machen wie der Herr XXXX. Da müssen wir nur 20 Minuten arbeiten und dann können wir machen, was wir wollen.
Ein nicht gerade untypisches Gespräch mit Menschen aus meiner 8. Klasse, die ich übrigens wirklich gern unterrichte, nicht nur, weil sie mir immer wieder Stoff für Predigten liefert. Ganz ehrlich und offen wird hier ausgesprochen, was bei uns Erwachsenen genauso oft üblich ist. Die Haltung zum Beispiel: „Wenn alle das Richtige tun, dann mach ich auch mit. Aber ich bin doch nicht so blöd und fange an! Da sollen die anderen mal anfangen, damit nicht jemand mein richtiges Handeln ausnutzt. Schließlich ist der Ehrliche ja oft genug der Dumme!“ ein Beispiel ist für mich das ganze Hin und Her und die Diskussion über unseren Bundespräsidenten, die mich mittlerweile nicht nur anödet, sondern richtig anwidert.
Klar, vieles ist da sehr falsch gelaufen von ihm. Wie einfach wäre es gewesen, ganz früh zu sagen: „Also hört mal, ich weiß, dass ich einiges gemacht habe, das zwar nicht ungesetzlich war, dass aber trotzdem falsch ist, weil es Menschen dazu bringt, zu denken, dass Politik käuflich ist. Ich will es besser machen, gebt mir die Chance und messt mich daran, ob ich aus den Fehlern wirklich gelernt habe!“ Ehrlichkeit, Vergebung, die Chance, neu anfangen zu dürfen – davon rede ich gern in Predigten. Und wenn Gott uns Menschen nicht auf unsere Fehler festlegt, dann dürfen wir das in unserem Umgang miteinander ruhig mal probieren.
Aber stattdessen wird auf der einen Seite gar nicht aufge-räumt und auf der anderen Seite – und das widert mich so richtig an - so getan, als ob die Journalisten der Bild-Zeitung und des Spiegel, und der sogenannte kleine Mann oder die sogenannte einfache Frau so viel besser wären. „Die da oben, die gucken doch nur auf ihren Vorteil, denen kann man doch nicht trauen!“ Das höre ich immer wieder. Ich frage mich, wie viele von denen, die so reden, tatsächlich bereit sind,
Liebe Gemeinde!
In Reli ist es viel zu laut, Herr Kling-Böhm, da kann ich mich gar nicht konzentrieren und mitmachen! Stimmt, wenn du mal aufhören würdest, mit deinen Nachbarinnen zu schwätzen, wäre es ruhiger und du würdest besser werden. Aber der Luca und der Leon und der Nico stören doch viel mehr. Und da ist es dann so laut, da reden wir halt auch, wir kommen ja sowieso nicht weiter im Unterricht! Wir kommen nicht weiter, weil jeder glaubt, der andere sollte zuerst aufhören mit dem Schwätzen! Ist doch so, sonst hat es ja keinen Sinn! Wenn du denkst, dass es besser ist, wenn alle einigermaßen ruhig sind, dann fang du doch an. Die anderen werden schon nach und nach mitmachen. Nö, das ist mir zu anstrengend. Wenn alle ruhig sind, mach ich mit! Sie müssen uns halt bestrafen und strenger sein, mit Nachsitzen oder so. Oder es so machen wie der Herr XXXX. Da müssen wir nur 20 Minuten arbeiten und dann können wir machen, was wir wollen.
Ein nicht gerade untypisches Gespräch mit Menschen aus meiner 8. Klasse, die ich übrigens wirklich gern unterrichte, nicht nur, weil sie mir immer wieder Stoff für Predigten liefert. Ganz ehrlich und offen wird hier ausgesprochen, was bei uns Erwachsenen genauso oft üblich ist. Die Haltung zum Beispiel: „Wenn alle das Richtige tun, dann mach ich auch mit. Aber ich bin doch nicht so blöd und fange an! Da sollen die anderen mal anfangen, damit nicht jemand mein richtiges Handeln ausnutzt. Schließlich ist der Ehrliche ja oft genug der Dumme!“ ein Beispiel ist für mich das ganze Hin und Her und die Diskussion über unseren Bundespräsidenten, die mich mittlerweile nicht nur anödet, sondern richtig anwidert.
Klar, vieles ist da sehr falsch gelaufen von ihm. Wie einfach wäre es gewesen, ganz früh zu sagen: „Also hört mal, ich weiß, dass ich einiges gemacht habe, das zwar nicht ungesetzlich war, dass aber trotzdem falsch ist, weil es Menschen dazu bringt, zu denken, dass Politik käuflich ist. Ich will es besser machen, gebt mir die Chance und messt mich daran, ob ich aus den Fehlern wirklich gelernt habe!“ Ehrlichkeit, Vergebung, die Chance, neu anfangen zu dürfen – davon rede ich gern in Predigten. Und wenn Gott uns Menschen nicht auf unsere Fehler festlegt, dann dürfen wir das in unserem Umgang miteinander ruhig mal probieren.
Aber stattdessen wird auf der einen Seite gar nicht aufge-räumt und auf der anderen Seite – und das widert mich so richtig an - so getan, als ob die Journalisten der Bild-Zeitung und des Spiegel, und der sogenannte kleine Mann oder die sogenannte einfache Frau so viel besser wären. „Die da oben, die gucken doch nur auf ihren Vorteil, denen kann man doch nicht trauen!“ Das höre ich immer wieder. Ich frage mich, wie viele von denen, die so reden, tatsächlich bereit sind,
Samstag, 4. Februar 2012
Ich weiß, was Gott will??? - Septuagesimae, 05.02.12, Reihe IV
Text: Jeremia 9,22-23
Liebe Gemeinde!
Woher weiß ich eigentlich, was Gott mir sagen will? Woher weiß ich, was wirklich von Gott kommt, was Gottes Wort für mich ist, und was sich Menschen ausgedacht haben? woher weiß ich, dass ich mir nichts einbilde, wenn ich glaube, dass Gott etwas will, mit mir, für mich, für die Welt? Nicht nur in der Schule oder im Konfirmandenunterricht, nicht nur im Gespräch mit Jugendlichen, mit jungen Erwachsenen tauchen solche Fragen auf. Auch ältere und alte Menschen stellen solche Fragen. Es ist ein Märchen, wenn man denkt, dass im Alter der Glauben an Gott fester und sicherer wird. Bei gar nicht mal wenigen ist es auch so, dass sie im Alter kritischer und zweifelnder werden, weil sie sehr viel erleben mussten, dass ihren Glauben an Gott, der behü-tet, beschützt, der greifbar ist, in Frage stellt. Es sind für mich keine rhetorischen Fragen, wenn junge oder alte Menschen so fragen: „Woher weiß ich, was Gott will? Woher weiß ich, dass ich mir nichts einbilde, nichts vormache, wenn ich glaube? Woher weiß ich, dass mir andere, Pfarrer, kirchliche Mitarbeiter, Lehrer, Eltern, Großeltern nicht irgendeinen selbst ausgedachten Unsinn erzählen?“
Ich könnte es mir leicht machen. Ich könnte sagen: „Werde still, öffne dein Herz, bete, und dann redet Gott zu dir!“ Ich könnte sagen: „Lies in der Bibel! Da begegnet dir Gottes Wort, da kannst du lesen, was Gott will!“ Ich könnte sagen: „Nimm dir das zu Herzen, was Vorbilder im Glauben getan und gesagt haben oder tun und sagen!“ Ich könnte es mir leicht machen. Nichts von dem ist falsch. Aber wirklich richtig ist auch nichts von dem. Ich weiß nämlich selber nicht, wie es funktioniert. Und ich glaube, dass niemand auf der Welt, auch nicht der frömmste und beste Christ, das wirklich wissen kann. Der erste Schritt, zu erfahren, was Gott mir für mein Leben, was Gott für die Welt, für das Leben überhaupt zu sagen hat, ist es , dass ich mich traue, unsicher zu sein.
Sonntag, 29. Januar 2012
Zeig, was du hast! - Anspiel der Konfirmanden, Taufgedächtnis 2012, 29.1.
Im Brief an die Gemeinde in Kolossä schreibt Paulus über das Leben als Christ (Kolosser 3,12-14):
Geschwister, ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld. Geht nachsichtig miteinander um und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Genauso, wie der Herr euch vergeben hat, sollt auch ihr einander vergeben. Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.
Musik, Auftritt der Moderatorinnen
(Musik: Adele, Rolling in the deep / Casper: So perfekt / Freispruch: Wenn es nur darum geht)
Herzlich willkommen zur Vorstellung der neuen Kollektion des Trendlabels SSG – Schöpfer, Sohn, Geist! Zeitloses Styling, Alltagstauglichkeit, Haltbarkeit, Qualität und beispiellose Passform zeichnen diese einmalige Kollektion aus. Und das Beste an dieser Kollektion: sie kostet nichts! Jeder kann sie sich leisten! Neugierig? Aber dazu später mehr.
Inspiriert wurde diese Kollektion von dem immer frischen Klassiker Paulus. Fast 2000 und immer noch stylish! „Zieht den neuen Menschen an, der von Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!“ Sein Motto, nach dem er schon die Menschen in Ephesus um das Jahr 50 ausgestattet hat. Und die Leute in Kolossä haben ihn dann zu seinen klassischen Modellen, die immer wieder frisch sind, inspiriert. „Ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld.“
SSG – Schöpfer, Sohn, Geist. Das internationale Trendlabel freut sich, ihnen heute die Spitzenklasse angesagter Topmodels mit der neuen Kollektion vorstellen zu können.
Musik lauter, Auftritt Flo, Musik wieder abregeln wenn Flo vorne ist
Hier sehen wir zuerst Flo Er präsentiert uns das Modell „Tiefes Mitgefühl“. „Tiefes Mitgefühl“ zeichnet sich aus durch einen weiten, bequemen Schnitt. Dieses Modell lädt geradezu ein, es nicht nur für sich zu behalten. Sankt Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, trug schon ein Vorgängermodell. Wärme, Nähe Geborgenheit, SSG scheut nichts, um diese Bedürfnisse mit zu verarbeiten. Mit lebendiger Weite und Platz für die Menschen. Beachten sie auch die vom barmherzigen Samariter inspirierten Accessoires. Ein offenes Ohr und Herz für Menschen in Not, Weite, Wärme. Hier noch einmal Flo mit unserem Modell „Herzliches Erbarmen“
Musik lauter, Auftritt Alina, Musik wieder abregeln wenn Alina vorne ist
Viki Und da kommt auch schon Alina. Alina präsentiert uns das beliebteste Modell dieser Saison. „Freundlichkeit“. Voller Farben, bunt, leuchtend. Nicht grau in grau oder schwarz weiß. Aus dem Leben für das Leben. Einladen, andere zum Lächeln bringen, sich wohl fühlen. Dazu lädt dieses Modell geradezu ein. Spaß und Freude am Leben. So wie im Glauben. SSG – Schöpfer, Sohn Geist, dieses Top-Designerteam ist stolz auf Alina, die dieses Modell so überzeugend präsentiert.
Musik lauter, Auftritt Marcel, Musik wieder abregeln wenn Marcel vorne ist
Carina Und heute geht es wieder Schlag auf Schlag. Als nächstes präsentieren uns die Macher von SSG ein Modell, das oft verkannt wurde. Aber wer was wirklich Exklusives möchte, der wird mit „Bescheidenheit“, vorgestellt von Marcel, wirklich aufs Beste bedient. Kein üblicher Sack und Asche Look, keine runtergezogenen Schultern oder auf den Knien rumrutschen.
Geschwister, ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld. Geht nachsichtig miteinander um und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Genauso, wie der Herr euch vergeben hat, sollt auch ihr einander vergeben. Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.
Musik, Auftritt der Moderatorinnen
(Musik: Adele, Rolling in the deep / Casper: So perfekt / Freispruch: Wenn es nur darum geht)
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Inspiriert wurde diese Kollektion von dem immer frischen Klassiker Paulus. Fast 2000 und immer noch stylish! „Zieht den neuen Menschen an, der von Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!“ Sein Motto, nach dem er schon die Menschen in Ephesus um das Jahr 50 ausgestattet hat. Und die Leute in Kolossä haben ihn dann zu seinen klassischen Modellen, die immer wieder frisch sind, inspiriert. „Ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld.“
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Carina Und heute geht es wieder Schlag auf Schlag. Als nächstes präsentieren uns die Macher von SSG ein Modell, das oft verkannt wurde. Aber wer was wirklich Exklusives möchte, der wird mit „Bescheidenheit“, vorgestellt von Marcel, wirklich aufs Beste bedient. Kein üblicher Sack und Asche Look, keine runtergezogenen Schultern oder auf den Knien rumrutschen.
Samstag, 21. Januar 2012
Respekt! Heilung! Geh in Frieden! - 3. nach Epiphanias, 22.01.2012, Reihe IV
Text: 2. Könige 5,1-19
Liebe Gemeinde!
Was für eine Geschichte! Nicht gerade eine der bekanntesten Geschichten der Bibel und vor allem für einen Predigttext viel zu lang. Fast so lang wie sonst eine Predigt. eine Geschichte, die, glaube ich, erstmal ganz fremd ist. die Leute heißen komisch, die Länder sind unbekannt und weit weg und sie ist ja sowieso uralt. Was soll man dazu nur sagen? Ich wollte mir schon was andres, kürzeres für die Predigt suchen. Und dann sind mir gerade in der Geschichte ganz viele Sachen aufgefallen, die so nicht nur für die Zeit vor knapp 3000 Jahren n einer ganz anderen Gegend der Welt interessant waren, sondern durch die Gott uns, so glaube ich es wenigstens, gerade heute ganz viel für unser Leben im Jahr 2012 sagen will.
Da ist einmal die Frage: wie gehe ich mit Menschen um, die mir was getan haben, denen es aber schlecht geht und die Hilfe brauchen? Am Anfang erzählt die Geschichte von einem Mädchen aus Israel, das von einer Art General, Naaman, nach einem Krieg, den Israel gegen Aram, das ist so ungefähr das heutige Land Syrien, verloren hat, aus seiner Heimat verschleppt wurde und bei dem Sieger Zwangsarbeit im Haushalt leisten musste. Das Mädchen bekommt mit, dass Naaman, der sie von ihrer Familie, aus ihrer Heimat mit Zwang weggeschleppt hat, der eine andere Religion hat und ein Fremder ist, schwer krank ist. Aussatz, Lepra, ist eine ziemlich eklige Krankheit, die Menschen entstellt, die ansteckend ist und die dazu führt, dass die Menschen, die das haben, von der Familie und von Freunden getrennt leben müssen. Mit denen will keiner was zu tun haben. Bis heute ist das oft so, in Indien und anderen Ländern gibt es die Krankheit immer noch. Das Mädchen könnte sich freuen. Sie könnte denken: „Geschieht ihm recht, jetzt wird er für das, was er mir, meiner Familie, meinem Volk angetan hat von Gott bestraft. Der soll doch verrecken, der ist mein Feind und der Feind meines Volkes.“ Aber so denkt sie nicht. Sie sorgt sich um den, der krank ist. Und sie möchte, dass Gott ihm hilft, sozusagen durch Vermittlung eines Propheten, eines Mannes, der eine besondere Beziehung zu Gott hat. Das ist alles andere als normal. Leider bis heute nicht. Wie gehen wir denn mit Menschen um, die uns was getan haben? Wie wird denn über Hilfsbedürftige aus anderen Ländern hier geredet? Wie wird auch in Kirchen und Gemeinden Menschen mit anderer Religion begegnet, Muslimen zum Beispiel? Ich glaube, dass Gott mir, vielleicht uns allen, durch dieses Mädchen aus Israel in der Geschichte sagen will:
Liebe Gemeinde!
Was für eine Geschichte! Nicht gerade eine der bekanntesten Geschichten der Bibel und vor allem für einen Predigttext viel zu lang. Fast so lang wie sonst eine Predigt. eine Geschichte, die, glaube ich, erstmal ganz fremd ist. die Leute heißen komisch, die Länder sind unbekannt und weit weg und sie ist ja sowieso uralt. Was soll man dazu nur sagen? Ich wollte mir schon was andres, kürzeres für die Predigt suchen. Und dann sind mir gerade in der Geschichte ganz viele Sachen aufgefallen, die so nicht nur für die Zeit vor knapp 3000 Jahren n einer ganz anderen Gegend der Welt interessant waren, sondern durch die Gott uns, so glaube ich es wenigstens, gerade heute ganz viel für unser Leben im Jahr 2012 sagen will.
Da ist einmal die Frage: wie gehe ich mit Menschen um, die mir was getan haben, denen es aber schlecht geht und die Hilfe brauchen? Am Anfang erzählt die Geschichte von einem Mädchen aus Israel, das von einer Art General, Naaman, nach einem Krieg, den Israel gegen Aram, das ist so ungefähr das heutige Land Syrien, verloren hat, aus seiner Heimat verschleppt wurde und bei dem Sieger Zwangsarbeit im Haushalt leisten musste. Das Mädchen bekommt mit, dass Naaman, der sie von ihrer Familie, aus ihrer Heimat mit Zwang weggeschleppt hat, der eine andere Religion hat und ein Fremder ist, schwer krank ist. Aussatz, Lepra, ist eine ziemlich eklige Krankheit, die Menschen entstellt, die ansteckend ist und die dazu führt, dass die Menschen, die das haben, von der Familie und von Freunden getrennt leben müssen. Mit denen will keiner was zu tun haben. Bis heute ist das oft so, in Indien und anderen Ländern gibt es die Krankheit immer noch. Das Mädchen könnte sich freuen. Sie könnte denken: „Geschieht ihm recht, jetzt wird er für das, was er mir, meiner Familie, meinem Volk angetan hat von Gott bestraft. Der soll doch verrecken, der ist mein Feind und der Feind meines Volkes.“ Aber so denkt sie nicht. Sie sorgt sich um den, der krank ist. Und sie möchte, dass Gott ihm hilft, sozusagen durch Vermittlung eines Propheten, eines Mannes, der eine besondere Beziehung zu Gott hat. Das ist alles andere als normal. Leider bis heute nicht. Wie gehen wir denn mit Menschen um, die uns was getan haben? Wie wird denn über Hilfsbedürftige aus anderen Ländern hier geredet? Wie wird auch in Kirchen und Gemeinden Menschen mit anderer Religion begegnet, Muslimen zum Beispiel? Ich glaube, dass Gott mir, vielleicht uns allen, durch dieses Mädchen aus Israel in der Geschichte sagen will:
Mittwoch, 18. Januar 2012
Das braucht man zum Glauben - 2. nach Epiphanias, 15.01.2012, Reihe IV
Text: 1. Korinther 2,1-10 (Neue Genfer Übersetzung)
Liebe Gemeinde!
Was braucht man eigentlich, um an Gott glauben zu kön-nen? Einen guten Konfirmandenunterricht mit einem überzeugenden Pfarrer und tollen Mitarbeitern? Einen Prediger, der amüsant und geschliffen redet, so dass man ihm gern zuhört? Einen Religionslehrer, der einen begeistern kann? Eltern, die einem aus der Kinderbibel vorlesen und abends am Bett beten? Gottesdienste oder Missionsveranstaltungen mit toller Technik und abwechslungsreicher Gestaltung, so dass einem nie langweilig wird? Nachbarn und Freunde, die auch in schweren Zeiten und Krisen zu einem stehen, damit man seinen Glauben, falls schon einer da ist, nicht ganz ver-liert? Eine tolle Jugendgruppe oder einen guten Bibelkreis oder erfüllende Seniorennachmittage?
Alles schön, alles hilfreich. Und doch kann das alles völlig nutzlos sein. Um an Gott glauben zu können, braucht es vor allem ein Geschenk, über das kein Mensch, nicht der klügste Theologieprofessor, nicht der begabteste Pfarrer, nicht der glaubwürdigste Mitarbeiter und nicht der bekehrteste Christ Verfügungsgewalt hat: es braucht das, was in der Sprache der Bibel Gottes Geist heißt. Es braucht die Kraft, die einen im Inneren aufschließt, wachmacht, bereit macht. Es braucht die Kraft, die es schafft,
Predigten, Unterricht, Gespräche und Begegnungen, das Lesen in der Bibel nicht nur als intellektuelles Gedankenspiel, nicht nur als netten Zeitvertreib oder kluge Anregung zu verstehen, sondern als eine Botschaft, die Leben stark macht, bereichert und vor allem zum Guten verändert. Als eine Botschaft, die nicht nur intellektuell bedenkenswert ist, sondern die mich wirklich meint. Mich. Heute. 2012.
Glauben ist ein Geschenk. Manchmal ist das schwer aus-zuhalten. Vielleicht als Konfi oder auch als älterer Mensch. Vielleicht sagt man dann: Ich will das eigentlich. Ich will an Gott glauben. Und man sucht nach Techniken, wie das klappen könnte. Und man merkt: so, wie ich mir das wünsche, funktioniert es nicht. Ich höre Gott nicht, wenn ich das will und wenn ich versuche, zu beten. We-der dann, wenn ich mit geschlossenen Augen und gefalte-ten Hände still da stehe, sitze oder liege noch dann wenn ich mit erhobenen Armen laut meine Anliegen vorbringe. Es funktioniert nicht, regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen. Da finde ich Gott nicht, weil ich mich doch lang-weile. Es gibt keine Technik, damit Glauben funktioniert und wächst. Leider. Auch nicht für Pfarrer oder Prediger. Ob Predigten etwas bewirken, ob sich das Leben auch von nur einem einzigen, der eine Predigt hört, verändert, das hat kein Pfarrer, keine Pfarrerin im Griff. Weder ein tolles Examen noch zig Rhetorikkurse, die einem beibrin-gen, überzeugend und technisch gut zu predigen noch ei-ne mit Beamer, Band und modernster Technik ausgestat-tete rappelvolle Kirche bringen letztlich Menschen dazu, Gott zu vertrauen und ihr Leben aus seiner Kraft zu ge-stalten.
Ich merke gerade, wie blöd sich das jetzt anhört.
Liebe Gemeinde!
Was braucht man eigentlich, um an Gott glauben zu kön-nen? Einen guten Konfirmandenunterricht mit einem überzeugenden Pfarrer und tollen Mitarbeitern? Einen Prediger, der amüsant und geschliffen redet, so dass man ihm gern zuhört? Einen Religionslehrer, der einen begeistern kann? Eltern, die einem aus der Kinderbibel vorlesen und abends am Bett beten? Gottesdienste oder Missionsveranstaltungen mit toller Technik und abwechslungsreicher Gestaltung, so dass einem nie langweilig wird? Nachbarn und Freunde, die auch in schweren Zeiten und Krisen zu einem stehen, damit man seinen Glauben, falls schon einer da ist, nicht ganz ver-liert? Eine tolle Jugendgruppe oder einen guten Bibelkreis oder erfüllende Seniorennachmittage?
Alles schön, alles hilfreich. Und doch kann das alles völlig nutzlos sein. Um an Gott glauben zu können, braucht es vor allem ein Geschenk, über das kein Mensch, nicht der klügste Theologieprofessor, nicht der begabteste Pfarrer, nicht der glaubwürdigste Mitarbeiter und nicht der bekehrteste Christ Verfügungsgewalt hat: es braucht das, was in der Sprache der Bibel Gottes Geist heißt. Es braucht die Kraft, die einen im Inneren aufschließt, wachmacht, bereit macht. Es braucht die Kraft, die es schafft,
Predigten, Unterricht, Gespräche und Begegnungen, das Lesen in der Bibel nicht nur als intellektuelles Gedankenspiel, nicht nur als netten Zeitvertreib oder kluge Anregung zu verstehen, sondern als eine Botschaft, die Leben stark macht, bereichert und vor allem zum Guten verändert. Als eine Botschaft, die nicht nur intellektuell bedenkenswert ist, sondern die mich wirklich meint. Mich. Heute. 2012.
Glauben ist ein Geschenk. Manchmal ist das schwer aus-zuhalten. Vielleicht als Konfi oder auch als älterer Mensch. Vielleicht sagt man dann: Ich will das eigentlich. Ich will an Gott glauben. Und man sucht nach Techniken, wie das klappen könnte. Und man merkt: so, wie ich mir das wünsche, funktioniert es nicht. Ich höre Gott nicht, wenn ich das will und wenn ich versuche, zu beten. We-der dann, wenn ich mit geschlossenen Augen und gefalte-ten Hände still da stehe, sitze oder liege noch dann wenn ich mit erhobenen Armen laut meine Anliegen vorbringe. Es funktioniert nicht, regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen. Da finde ich Gott nicht, weil ich mich doch lang-weile. Es gibt keine Technik, damit Glauben funktioniert und wächst. Leider. Auch nicht für Pfarrer oder Prediger. Ob Predigten etwas bewirken, ob sich das Leben auch von nur einem einzigen, der eine Predigt hört, verändert, das hat kein Pfarrer, keine Pfarrerin im Griff. Weder ein tolles Examen noch zig Rhetorikkurse, die einem beibrin-gen, überzeugend und technisch gut zu predigen noch ei-ne mit Beamer, Band und modernster Technik ausgestat-tete rappelvolle Kirche bringen letztlich Menschen dazu, Gott zu vertrauen und ihr Leben aus seiner Kraft zu ge-stalten.
Ich merke gerade, wie blöd sich das jetzt anhört.
Sonntag, 8. Januar 2012
Dumm glaubt gut? - 1. n. Epiphanias, 8.1.2012, Reihe IV
Text: 1. Kor 1,26-31 (Übersetzung: Basisbibel)
Liebe Gemeinde!
Wenn wir uns mal umschauen, so, wie Paulus es von der Gemeinde in Korinth vor langer Zeit gefordert hat, wen sehen wir da bei uns hier heute Morgen im Gottesdienst? Ist das so wie vor fast 2000 Jahren in Korinth? Nach menschlichem Maßstab gibt es, so schreibt Paulus, nicht viele Weise, also kluge Menschen. Das kann ich nicht wirklich beurteilen, die Maßstäbe sind sicher unterschiedlich. Aber wenn man mal die Anzahl der Gymnasiasten unter den Konfis als Maßstab nimmt, sind es weniger als der Durchschnitt und Professoren findet man bei uns auch nicht so viele. Beides gibt es, aber anderswo findet man sicher mehr. Dann schreibt Paulus noch: nicht viele Einflussreiche sind dabei. Das ist sicher richtig. Außer aus dem Ortsbeirat gehören keine Politiker zu unserer Gemeinde, keine Inhaber größerer Firmen oder wichtige Berater von Institutionen. Und Paulus schreibt auch, dass nicht viele aus vornehmen Familien zur Gemeinde in Korinth gehörten. Das ist, glaube ich, bei uns gar nicht anders. Also: wenn wir die Aufforderung von Paulus ernst nehmen und uns umschauen, entdecken wir zuerst einmal etwas ganz Ähnliches. Aber wie ist es denn mit dem, was Paulus dann als positive Beschreibung nachschiebt, wer alles von Gott auserwählt wurde? Paulus schreibt, dass Gott die auserwählt hat, die von der Welt für dumm gehalten werden. Genauso wie die, die als schwach gelten und die, die nach den Maßstäben der Welt völlig bedeutungslos sind. Nehmen wir das gern als positive Beschreibung unserer Gemeinde oder von Christen überhaupt an? Dumm, schwach und bedeutungslos – ich jedenfalls tu mich schwer damit, mich so beschreiben zu lassen. Wer Christ ist, der gehört zu den Losern, zu den Opfern, zu den Schwächlingen? Ich glaube, selbst wenn man tatsächlich dazu gehört, zu den Armen, zu den Schwachen und Opfern, hört man das alles andere als gern. Viel lieber möchte man anders sein. Geachtet. Klug. Reich. Vielleicht auch einflussreich. Vielleicht widersprechen mir auch manche. Bei einer Predigt sagt man das ja nicht laut dazwischen. Aber vielleicht denken manche jetzt: Pfarrer, das kannst du aber nicht so allgemein sagen! Gerade als entschiedener und bewusster Christ
Liebe Gemeinde!
Wenn wir uns mal umschauen, so, wie Paulus es von der Gemeinde in Korinth vor langer Zeit gefordert hat, wen sehen wir da bei uns hier heute Morgen im Gottesdienst? Ist das so wie vor fast 2000 Jahren in Korinth? Nach menschlichem Maßstab gibt es, so schreibt Paulus, nicht viele Weise, also kluge Menschen. Das kann ich nicht wirklich beurteilen, die Maßstäbe sind sicher unterschiedlich. Aber wenn man mal die Anzahl der Gymnasiasten unter den Konfis als Maßstab nimmt, sind es weniger als der Durchschnitt und Professoren findet man bei uns auch nicht so viele. Beides gibt es, aber anderswo findet man sicher mehr. Dann schreibt Paulus noch: nicht viele Einflussreiche sind dabei. Das ist sicher richtig. Außer aus dem Ortsbeirat gehören keine Politiker zu unserer Gemeinde, keine Inhaber größerer Firmen oder wichtige Berater von Institutionen. Und Paulus schreibt auch, dass nicht viele aus vornehmen Familien zur Gemeinde in Korinth gehörten. Das ist, glaube ich, bei uns gar nicht anders. Also: wenn wir die Aufforderung von Paulus ernst nehmen und uns umschauen, entdecken wir zuerst einmal etwas ganz Ähnliches. Aber wie ist es denn mit dem, was Paulus dann als positive Beschreibung nachschiebt, wer alles von Gott auserwählt wurde? Paulus schreibt, dass Gott die auserwählt hat, die von der Welt für dumm gehalten werden. Genauso wie die, die als schwach gelten und die, die nach den Maßstäben der Welt völlig bedeutungslos sind. Nehmen wir das gern als positive Beschreibung unserer Gemeinde oder von Christen überhaupt an? Dumm, schwach und bedeutungslos – ich jedenfalls tu mich schwer damit, mich so beschreiben zu lassen. Wer Christ ist, der gehört zu den Losern, zu den Opfern, zu den Schwächlingen? Ich glaube, selbst wenn man tatsächlich dazu gehört, zu den Armen, zu den Schwachen und Opfern, hört man das alles andere als gern. Viel lieber möchte man anders sein. Geachtet. Klug. Reich. Vielleicht auch einflussreich. Vielleicht widersprechen mir auch manche. Bei einer Predigt sagt man das ja nicht laut dazwischen. Aber vielleicht denken manche jetzt: Pfarrer, das kannst du aber nicht so allgemein sagen! Gerade als entschiedener und bewusster Christ
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