Text: Mt 7,24-29
Liebe Gemeinde!
Bist du ein Christ? Wer von euch und ihnen beantwortet die Frage mit einem ganz klaren „Ja“? Wer mit einem „Nein“? Und wer sagt „Vielleicht, ich bin mir da nicht so ganz sicher?“ Vielleicht, das ist die menschlichste Antwort. Vielleicht legt einen nicht fest und lässt alles offen. Und außerdem sind wir Menschen ja von unserem Wesen her nicht allwissend, wir können uns irren, warum also nicht auch in Bezug darauf, ob wir Christen sind oder nicht. Spannend sind die Ja- und die Neinsager. Jeder, der sich festlegt, der hat doch zumindest eine Ahnung, wenn nicht gar eine feste Überzeugung davon, was einen Christen ausmacht und was nicht. Bis Freitag hätte ich für mich die Frage, ob ich ein Christ bin, ganz klar mit einem Ja beantwortet. Ja, ich bin ein Christ. Ich bin getauft. Natürlich ist die Taufe nicht das einzige Merkmal. Aber schon ein wichtiges. Die Taufe stellt uns sichtbar in eine Verbindung zu Gott. Aber die Taufe, das ist etwas, was meine Eltern entschieden haben. Ich hätte ja auch einen ganz anderen Lebensweg einschlagen können. Hitler und Stalin, die schlimmsten Menschenvernichter des letzten Jahrhunderts, die Millionen Menschen auf ihrem Gewissen haben, waren schließlich auch getauft.
Predigten und Gedanken aus der Thomaskirche auf dem Richtsberg in Marburg
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Sonntag, 21. August 2011
Sonntag, 14. August 2011
Frieden? - "Ich hau der Schlampe eine rein" - Frieden!, 8. n. Trinitatis, 14.08.11, Reihe III
Text: Jesaja 2,1-5
Liebe Gemeinde!
Eine Welt ohne Krieg – wahrscheinlich hat es die nie ge-geben. Hier in Deutschland und in den meisten Ländern der EU kennen nur Rentner den Krieg aus eigenem Erle-ben, aber schon in Kroatien, Serbien, Bosnien und dem Kosovo vor unserer Haustür und erst recht in vielen Ländern in Asien und Afrika ist das ganz anders. Krieg und Gewalt gehörten oder gehören zum Alltag. Eine Welt ohne Gewalt, eine Welt in der sich Menschen aus allen Ländern, egal welche Religion sie haben und egal welchen Gott sie angebetet haben, von dem einen Gott zurechtweisen lassen und aus der Spirale der Gewalt – wie du mir, so ich dir, wenn du mich anmachst, dann kriegst du es doppelt zurück – ausbrechen und keiner mehr lernt, Krieg zu führen, eine Welt, in der keine Waffen mehr hergestellt werden und es nur noch darum geht, den Menschen angenehme Lebensbedingungen zu schaffen und die Menschen satt zu bekommen, eine solche Welt war ein Traum, ist ein Traum und wird es, solange ich lebe, vermutlich bleiben.
Ist es dann nicht völlig sinnlos
Liebe Gemeinde!
Eine Welt ohne Krieg – wahrscheinlich hat es die nie ge-geben. Hier in Deutschland und in den meisten Ländern der EU kennen nur Rentner den Krieg aus eigenem Erle-ben, aber schon in Kroatien, Serbien, Bosnien und dem Kosovo vor unserer Haustür und erst recht in vielen Ländern in Asien und Afrika ist das ganz anders. Krieg und Gewalt gehörten oder gehören zum Alltag. Eine Welt ohne Gewalt, eine Welt in der sich Menschen aus allen Ländern, egal welche Religion sie haben und egal welchen Gott sie angebetet haben, von dem einen Gott zurechtweisen lassen und aus der Spirale der Gewalt – wie du mir, so ich dir, wenn du mich anmachst, dann kriegst du es doppelt zurück – ausbrechen und keiner mehr lernt, Krieg zu führen, eine Welt, in der keine Waffen mehr hergestellt werden und es nur noch darum geht, den Menschen angenehme Lebensbedingungen zu schaffen und die Menschen satt zu bekommen, eine solche Welt war ein Traum, ist ein Traum und wird es, solange ich lebe, vermutlich bleiben.
Ist es dann nicht völlig sinnlos
Sonntag, 7. August 2011
SATT! - 7. Sonntag n. Trinitatis, Reihe III, 07.08.2011
Text: Joh 6,30-35
Liebe Gemeinde!
Wie es ist, Hunger und Durst zu haben, habe ich noch nie wirklich erleben müssen. Ich bin ein begeisterter Bergwanderer und auch schon in großer Hitze unterwegs gewesen. Natürlich hatte ich dann irgendwann auch Durst, aber ich wusste: spätestens dann, wenn ich wieder bei meiner Unterkunft bin, kann ich auch genügend trinken. Und wirklich Hunger musste ich noch nie haben. Gott sei Dank geht es hier bei uns fast allen Menschen, die so alt wie ich oder jünger sind ganz ähnlich. Die älteren Menschen, die den zweiten Weltkrieg miterlebt haben, die in Russland als Deutsche in der Trudarmee Zwangsarbeit leisten mussten, die können andere Geschichten erzählen. Aber hier und heute bei uns, da sind Brot und sauberes Wasser reichlich da. Dass es auch ganz, ganz anders sein kann, zeigen im Moment die schrecklichen Bilder aus Somalia und Kenia, wo eine unvorstellbare Dürrekatastrophe täglich hunderten von Menschen, vor allem Kindern und alten Menschen, das Leben raubt. Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Wie würden wohl die Menschen, die von dieser Hungersnot betroffen sind, die Worte von Jesus hören? Wie haben die Menschen auf der Flucht, in Zwangsarbeiterlagern, als Kriegsgefangene oder in wirklich armen Familien, in Russland, in Deutschland, in den USA diese Worte gehört? Ja, ich bin satt und schnell dabei, diese Worte als geistige Nahrung zu verstehen. Der Glauben an Jesus, der hilft dabei, geistig nicht zu verhungern. Und darüber kann und werde ich noch was erzählen.
Aber mir gehen bei diesen Worten gerade heute die Bil-der aus Afrika genauso wenig aus dem Kopf wie viele Erzählungen von alten Menschen, die für ihre Kinder und sich ums Überleben in schweren Zeiten kämpfen mussten, weil Hunger und Durst auch mitten in unseren Ländern da waren. Und leider immer mal wieder, oft sehr versteckt, auch noch sind. Was würde Jesus tun? Würde er diesen Menschen einfach so sagen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hun-gern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Also: glaubt an mich und dann geht es euch gut? Wenn ihr Hunger habt und Durst, dann glaubt ihr nicht genug? Nein, das würde er, denke ich, nicht tun. Er würde, so denke, glaube und hoffe ich, genau das tun, was auch in der Bibel, im Johannesevangelium, erzählt wird.
Liebe Gemeinde!
Wie es ist, Hunger und Durst zu haben, habe ich noch nie wirklich erleben müssen. Ich bin ein begeisterter Bergwanderer und auch schon in großer Hitze unterwegs gewesen. Natürlich hatte ich dann irgendwann auch Durst, aber ich wusste: spätestens dann, wenn ich wieder bei meiner Unterkunft bin, kann ich auch genügend trinken. Und wirklich Hunger musste ich noch nie haben. Gott sei Dank geht es hier bei uns fast allen Menschen, die so alt wie ich oder jünger sind ganz ähnlich. Die älteren Menschen, die den zweiten Weltkrieg miterlebt haben, die in Russland als Deutsche in der Trudarmee Zwangsarbeit leisten mussten, die können andere Geschichten erzählen. Aber hier und heute bei uns, da sind Brot und sauberes Wasser reichlich da. Dass es auch ganz, ganz anders sein kann, zeigen im Moment die schrecklichen Bilder aus Somalia und Kenia, wo eine unvorstellbare Dürrekatastrophe täglich hunderten von Menschen, vor allem Kindern und alten Menschen, das Leben raubt. Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Wie würden wohl die Menschen, die von dieser Hungersnot betroffen sind, die Worte von Jesus hören? Wie haben die Menschen auf der Flucht, in Zwangsarbeiterlagern, als Kriegsgefangene oder in wirklich armen Familien, in Russland, in Deutschland, in den USA diese Worte gehört? Ja, ich bin satt und schnell dabei, diese Worte als geistige Nahrung zu verstehen. Der Glauben an Jesus, der hilft dabei, geistig nicht zu verhungern. Und darüber kann und werde ich noch was erzählen.
Aber mir gehen bei diesen Worten gerade heute die Bil-der aus Afrika genauso wenig aus dem Kopf wie viele Erzählungen von alten Menschen, die für ihre Kinder und sich ums Überleben in schweren Zeiten kämpfen mussten, weil Hunger und Durst auch mitten in unseren Ländern da waren. Und leider immer mal wieder, oft sehr versteckt, auch noch sind. Was würde Jesus tun? Würde er diesen Menschen einfach so sagen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hun-gern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Also: glaubt an mich und dann geht es euch gut? Wenn ihr Hunger habt und Durst, dann glaubt ihr nicht genug? Nein, das würde er, denke ich, nicht tun. Er würde, so denke, glaube und hoffe ich, genau das tun, was auch in der Bibel, im Johannesevangelium, erzählt wird.
Montag, 11. Juli 2011
Wie verloren bin ich eigentlich? - 3. nach Trinitatis, 10.07.11, Reihe III
Text: Lukas 15,1-7
Interview von Hit-Radio Israel mit dem verlorenen Schaf, Teil 1
Hallo Schaf, schön, dass du wieder da bist!
Schön? Was ist denn daran schön?
Na, freust du dich nicht, dass dich dein Hirte, der Schäfer, aus dem gefährlichen Gebirge gerettet und zurück zur Herde gebracht hat?
Freuen? Ich bin doch extra weggelaufen! Ich wollte doch gar nicht mehr zur Herde gehören! Eins von Hundert, da geht man doch unter! Nein, sollen die neunundneunzig doch blöd dastehen und fressen. Ich wollte das Leben sehen! Ich wollte ich sein. Machen was ich wollte. Frei sein! Und dann kommt dieser Hirte einfach hinter mir her!
Ja, das ist doch das Gute!
Gut? Was war denn mit den neunundneunzig? Auf die hätte er aufpassen sollen! Was wäre denn, wenn ein Wolfsrudel gekommen wäre? Mich hätte er doch gehen lassen können! Als ich ihn bemerkte, bin ich immer weiter. Ich habe gedacht, ich kann ihn in dem unwegsamen Gelände abschütteln. Aber er hat sich nicht abschütteln lassen. Am Ende hat er mich heimgeholt und sogar noch gefeiert! Dabei wollte ich doch bloß meine Freiheit!
Oh, das wird unsere Hörer aber überrasche! Danke, Schaf – und jetzt zurück ins Studio
Und dann…
Ich glaube, unsere Sendezeit ist um, die Hörer wissen jetzt Bescheid!
Liebe Gemeinde!
So ein undankbares Schaf! Da setzt sich der Hirte allen möglichen Gefahren aus, er kraxelt hinterher, droht, sel-ber abzustürzen, überlässt wegen diesem einen neugieri-gen Schaf die anderen den Gefahren der Wüste – und dann will dieses Schaf nicht einmal gerettet werden! Undank ist der Welten Lohn! Mal sehen, was dieses undankbare Schaf gesagt hat, nachdem die Sendezeit um war. In den Archiven von Hit-Radio Israel hat sich noch ein weiterer Teil des Interviews gefunden.
Interview von Hit-Radio Israel mit dem verlorenen Schaf, Teil 1
Hallo Schaf, schön, dass du wieder da bist!
Schön? Was ist denn daran schön?
Na, freust du dich nicht, dass dich dein Hirte, der Schäfer, aus dem gefährlichen Gebirge gerettet und zurück zur Herde gebracht hat?
Freuen? Ich bin doch extra weggelaufen! Ich wollte doch gar nicht mehr zur Herde gehören! Eins von Hundert, da geht man doch unter! Nein, sollen die neunundneunzig doch blöd dastehen und fressen. Ich wollte das Leben sehen! Ich wollte ich sein. Machen was ich wollte. Frei sein! Und dann kommt dieser Hirte einfach hinter mir her!
Ja, das ist doch das Gute!
Gut? Was war denn mit den neunundneunzig? Auf die hätte er aufpassen sollen! Was wäre denn, wenn ein Wolfsrudel gekommen wäre? Mich hätte er doch gehen lassen können! Als ich ihn bemerkte, bin ich immer weiter. Ich habe gedacht, ich kann ihn in dem unwegsamen Gelände abschütteln. Aber er hat sich nicht abschütteln lassen. Am Ende hat er mich heimgeholt und sogar noch gefeiert! Dabei wollte ich doch bloß meine Freiheit!
Oh, das wird unsere Hörer aber überrasche! Danke, Schaf – und jetzt zurück ins Studio
Und dann…
Ich glaube, unsere Sendezeit ist um, die Hörer wissen jetzt Bescheid!
Liebe Gemeinde!
So ein undankbares Schaf! Da setzt sich der Hirte allen möglichen Gefahren aus, er kraxelt hinterher, droht, sel-ber abzustürzen, überlässt wegen diesem einen neugieri-gen Schaf die anderen den Gefahren der Wüste – und dann will dieses Schaf nicht einmal gerettet werden! Undank ist der Welten Lohn! Mal sehen, was dieses undankbare Schaf gesagt hat, nachdem die Sendezeit um war. In den Archiven von Hit-Radio Israel hat sich noch ein weiterer Teil des Interviews gefunden.
Sonntag, 3. Juli 2011
Rauswurf erster Klasse - 2. nach Trinitatis, 03.07.2011, Reihe III
Text: Matthäus 22,1-14
Liebe Gemeinde!
Wer sollte heute Morgen aus dem Gottesdienst rausgeworfen werden, weil er oder sie nicht richtig angezogen ist? Als Pfarrer habe ich es da gut, ich muss mir keine Gedanken über meine Kleidung machen. Talar – und das war’s. Aber sonst? Als ich Konfirmand war, vor gut dreißig Jahren, da war es bei uns auf dem Dorf noch üblich, sich sonntags anders anzuziehen als werktags. Und erst recht dann, wenn man in die Kirche ging. Heute ist der Unterschied, nicht nur bei Konfirmanden, sondern auch bei Erwachsenen, oft gar nicht so genau zu erkennen. Grundsätzlich finde ich das gut. Nicht auf die Kleidung kommt es an, sondern auf den Menschen, der drin steckt. Gut, dass dieses Denken mittlerweile fast überall und gerade in evangelischen Gottesdiensten da ist. Aber ein bisschen was ist durchaus im Laufe der Zeit verlorengegangen. Mit meiner Kleidung kann ich ja auch eine innere Haltung ausdrücken. Indem ich nicht gerade meine ältesten Sachen anziehe, sondern mich etwas schicker mache, von Aufbrezeln will ich ja gar nicht reden, kann ich auch zeigen, dass mir etwas wichtig ist. Keine Frage, ich will nicht zurück in eine Zeit, in der die dunkle Stoffhose für den Jungen und den Mann und das schlichte, hochgeschlossene Kleid für das Mädchen und die Frau so eine Art Gottesdienstuniform waren. Ich finde es gut, dass jeder willkommen und eingeladen ist. Aber ich finde es schade, wenn mit der Gleichgültigkeit in Fragen der Kleidung auch eine Gleichgültigkeit gegenüber dem, was da passiert und was gefeiert wird, einhergeht. Und vielleicht ist diese Gleichgültigkeit auch so ein Schlüssel, das sehr merkwürdige Gleichnis von der königlichen Hochzeit, das so nur im Matthäusevangelium erzählt wird, etwas besser zu verstehen.
Dass Gott durch Jesus Gute und Böse an seinen Tisch einlädt, das ist im ganzen Neuen Testament so überliefert. Aber dass einer, der gerade hereingekommen ist, gleich wieder rausgeworfen wird,
Liebe Gemeinde!
Wer sollte heute Morgen aus dem Gottesdienst rausgeworfen werden, weil er oder sie nicht richtig angezogen ist? Als Pfarrer habe ich es da gut, ich muss mir keine Gedanken über meine Kleidung machen. Talar – und das war’s. Aber sonst? Als ich Konfirmand war, vor gut dreißig Jahren, da war es bei uns auf dem Dorf noch üblich, sich sonntags anders anzuziehen als werktags. Und erst recht dann, wenn man in die Kirche ging. Heute ist der Unterschied, nicht nur bei Konfirmanden, sondern auch bei Erwachsenen, oft gar nicht so genau zu erkennen. Grundsätzlich finde ich das gut. Nicht auf die Kleidung kommt es an, sondern auf den Menschen, der drin steckt. Gut, dass dieses Denken mittlerweile fast überall und gerade in evangelischen Gottesdiensten da ist. Aber ein bisschen was ist durchaus im Laufe der Zeit verlorengegangen. Mit meiner Kleidung kann ich ja auch eine innere Haltung ausdrücken. Indem ich nicht gerade meine ältesten Sachen anziehe, sondern mich etwas schicker mache, von Aufbrezeln will ich ja gar nicht reden, kann ich auch zeigen, dass mir etwas wichtig ist. Keine Frage, ich will nicht zurück in eine Zeit, in der die dunkle Stoffhose für den Jungen und den Mann und das schlichte, hochgeschlossene Kleid für das Mädchen und die Frau so eine Art Gottesdienstuniform waren. Ich finde es gut, dass jeder willkommen und eingeladen ist. Aber ich finde es schade, wenn mit der Gleichgültigkeit in Fragen der Kleidung auch eine Gleichgültigkeit gegenüber dem, was da passiert und was gefeiert wird, einhergeht. Und vielleicht ist diese Gleichgültigkeit auch so ein Schlüssel, das sehr merkwürdige Gleichnis von der königlichen Hochzeit, das so nur im Matthäusevangelium erzählt wird, etwas besser zu verstehen.
Dass Gott durch Jesus Gute und Böse an seinen Tisch einlädt, das ist im ganzen Neuen Testament so überliefert. Aber dass einer, der gerade hereingekommen ist, gleich wieder rausgeworfen wird,
Montag, 27. Juni 2011
Es ist besser, für das was man ist gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden - oder? - 1. nach Trinitatis, Reihe III, 26.06.2011
Text: Johannes 5,39-47 (Neue Genfer Übersetzung)
Liebe Gemeinde!
Was ist eigentlich wichtiger? Die Wahrheit zu sehen und zu sagen oder vor anderen gut da zu stehen und dabei die Wahrheit ein bisschen, sagen wir mal, anzupassen? Ich gehe mal davon aus, dass alle, die jetzt zuhören, egal ob Konfi oder Rentner, Studentin oder mitten im Berufsleben, mit Abi oder mit Hauptschulabschluss spontan sagen: „Die Wahrheit ist wichtiger!“ Würde ich natürlich auch so sagen. Aber ist die spontane Antwort wirklich die ehrliche Antwort? Wenn ich zu mir selber ehrlich bin, dann muss ich schon zugeben, dass es mir zumindest nicht egal ist, was andere denken. Ich versuche, zum Beispiel, meine Predigten so zu halten, dass ich denke, auch Konfis oder Rentner können sie verstehen. Und da lasse ich sicher auch mal schwierige Gedanken aus. Und ich freue mich doch, wenn ich höre: „Ich komme gern zu ihnen in den Gottesdienst, weil ihre Predigten nicht so langweilig sind!“ Zum Beispiel. Ich glaube, den allermeisten Menschen ist es nicht egal, wie sie vor anderen dastehen. Und wem das egal ist, wer wirklich so lebt, dass er um jeden Preis seine Meinung sagt und das, was er für die Wahrheit hält zu 100% raushaut, der tut das oft sehr verletzend und lebt auch sonst eher wenig sozial. Wir Menschen sind auf Be-ziehungen angewiesen. Und deshalb ist praktisch niemand frei davon, auch nach dem Bild zu fragen, das andere von einem haben. Natürlich darf und soll das nicht so enden, dass mein Bild vor anderen künstlich aufgeblasen wird, große Klappe und nichts dahinter. Eines meiner nichtbiblischen Lieblingszitate lautet: „Es ist besser, für das, was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden!“ Es stammt von dem französischen Dichter André Gide. Aber mal ehrlich: Wer von uns strebt danach, gehasst zu werden? Ansehen, Liebe, das ist, wenn wir ehrlich sind, alles andere als unwichtig. Warum ich das jetzt so ausführlich sage und was das mit dem Stück aus dem Jo-hannesevangelium, das ich eben vorgelesen habe, zu tun hat, werden vielleicht manche fragen und mir „Komm endlich zur Sache!“ zurufen wollen.
Liebe Gemeinde!
Was ist eigentlich wichtiger? Die Wahrheit zu sehen und zu sagen oder vor anderen gut da zu stehen und dabei die Wahrheit ein bisschen, sagen wir mal, anzupassen? Ich gehe mal davon aus, dass alle, die jetzt zuhören, egal ob Konfi oder Rentner, Studentin oder mitten im Berufsleben, mit Abi oder mit Hauptschulabschluss spontan sagen: „Die Wahrheit ist wichtiger!“ Würde ich natürlich auch so sagen. Aber ist die spontane Antwort wirklich die ehrliche Antwort? Wenn ich zu mir selber ehrlich bin, dann muss ich schon zugeben, dass es mir zumindest nicht egal ist, was andere denken. Ich versuche, zum Beispiel, meine Predigten so zu halten, dass ich denke, auch Konfis oder Rentner können sie verstehen. Und da lasse ich sicher auch mal schwierige Gedanken aus. Und ich freue mich doch, wenn ich höre: „Ich komme gern zu ihnen in den Gottesdienst, weil ihre Predigten nicht so langweilig sind!“ Zum Beispiel. Ich glaube, den allermeisten Menschen ist es nicht egal, wie sie vor anderen dastehen. Und wem das egal ist, wer wirklich so lebt, dass er um jeden Preis seine Meinung sagt und das, was er für die Wahrheit hält zu 100% raushaut, der tut das oft sehr verletzend und lebt auch sonst eher wenig sozial. Wir Menschen sind auf Be-ziehungen angewiesen. Und deshalb ist praktisch niemand frei davon, auch nach dem Bild zu fragen, das andere von einem haben. Natürlich darf und soll das nicht so enden, dass mein Bild vor anderen künstlich aufgeblasen wird, große Klappe und nichts dahinter. Eines meiner nichtbiblischen Lieblingszitate lautet: „Es ist besser, für das, was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden!“ Es stammt von dem französischen Dichter André Gide. Aber mal ehrlich: Wer von uns strebt danach, gehasst zu werden? Ansehen, Liebe, das ist, wenn wir ehrlich sind, alles andere als unwichtig. Warum ich das jetzt so ausführlich sage und was das mit dem Stück aus dem Jo-hannesevangelium, das ich eben vorgelesen habe, zu tun hat, werden vielleicht manche fragen und mir „Komm endlich zur Sache!“ zurufen wollen.
Samstag, 18. Juni 2011
Wenn Konfirmierte predigen... - Trinitatis, 19.06.11, Reihe III, English version available
Während ihrer Konfirmandenzeit fragte mich eine Konfirmandin, ob sie denn auch mal predigen könne. Ich fand das nicht nur mutig, sondern wollte das in die praxis umsetzen. Trinitatis 2011 war der erste Termin, an dem es klappte. Den Predigttext durfte sich ide Konfirmandin selbst aussuchen, ich habe ihr alle Texte, die Trinitatis "dran" sind, und noch ein paar mehr Vorschläge gegeben. In zwei Sitzungen haben wir gemeinsam die Predigt vorbereitet und uns für eine Dialogpredigt entschieden. Es gibt eine englische Fassung, weil eine Partnerdelegation aus Südafrika zu Gast ist. Wir wechseln abschnittweise, ich beginne, dann kommt Lisa-Marie Kellermann. Und hier das Ergebnis:
Predigttext: Jesaja 6 (Gute Nachricht)
Liebe Gemeinde!
Es ist sicher sehr ungewöhnlich, dass nicht einer alleine, normalerweise der Pfarrer, hier vorne steht und eine Pre-digt hält, sondern dass eine Konfirmierte aus dem letzten Jahr mit da steht. Ich freue mich, dass Lisa so schnell „Ja“ gesagt hat, als ich sie gefragt habe, ob sie nicht mal mit mir zusammen predigen will.
Und ich frage mich mittlerweile, ob das wirklich eine gute Idee von mir war. Ich bin nervös. Heute sind fast alle neuen Konfis da, manche mit ihren Eltern. Und dann auch noch die Gäste aus Südafrika. Und die normale Gemeinde. Und dann auch noch der Predigttext von Jesaja. Ich habe ihn ausgesucht, weil ich fand, dass er ein schöner Dialog war. Aber als wir beide uns zusammengesetzt haben, da fiel mir erst mal gar nicht so viel ein, was man heute dazu sagen kann. Aber einen Rückzieher wollte ich dann doch nicht machen.
Warum denn nicht?
Ich hab’s schließlich versprochen.
Das stimmt, du bist wirklich zuverlässig. Als du noch jünger warst, konnte man sich beim Krippenspiel und im Kinderclub auf dich verlassen und als du selbst Konfi warst, da war das nicht anders. Bis auf die allererste Stunde, die du verpasst hast!
Aber danach war ich doch immer da! Und außerdem glaube ich an Gott. Und mir ist das wichtig. Und deshalb möchte ich auch gern anderen etwas davon erzählen. Obwohl ich mir überhaupt nicht sicher bin, ob ich das kann. Ich hab’s ja schließlich nicht studiert. Und ein perfekter Mensch mit einem perfekten Glauben bin ich ja auch nicht.
Und da sind wir schon mitten in diesem etwas komplizierten Bibeltext, der ausgerechnet für heute als Predigttext vorgeschrieben ist.
Predigttext: Jesaja 6 (Gute Nachricht)
Liebe Gemeinde!
Es ist sicher sehr ungewöhnlich, dass nicht einer alleine, normalerweise der Pfarrer, hier vorne steht und eine Pre-digt hält, sondern dass eine Konfirmierte aus dem letzten Jahr mit da steht. Ich freue mich, dass Lisa so schnell „Ja“ gesagt hat, als ich sie gefragt habe, ob sie nicht mal mit mir zusammen predigen will.
Und ich frage mich mittlerweile, ob das wirklich eine gute Idee von mir war. Ich bin nervös. Heute sind fast alle neuen Konfis da, manche mit ihren Eltern. Und dann auch noch die Gäste aus Südafrika. Und die normale Gemeinde. Und dann auch noch der Predigttext von Jesaja. Ich habe ihn ausgesucht, weil ich fand, dass er ein schöner Dialog war. Aber als wir beide uns zusammengesetzt haben, da fiel mir erst mal gar nicht so viel ein, was man heute dazu sagen kann. Aber einen Rückzieher wollte ich dann doch nicht machen.
Warum denn nicht?
Ich hab’s schließlich versprochen.
Das stimmt, du bist wirklich zuverlässig. Als du noch jünger warst, konnte man sich beim Krippenspiel und im Kinderclub auf dich verlassen und als du selbst Konfi warst, da war das nicht anders. Bis auf die allererste Stunde, die du verpasst hast!
Aber danach war ich doch immer da! Und außerdem glaube ich an Gott. Und mir ist das wichtig. Und deshalb möchte ich auch gern anderen etwas davon erzählen. Obwohl ich mir überhaupt nicht sicher bin, ob ich das kann. Ich hab’s ja schließlich nicht studiert. Und ein perfekter Mensch mit einem perfekten Glauben bin ich ja auch nicht.
Und da sind wir schon mitten in diesem etwas komplizierten Bibeltext, der ausgerechnet für heute als Predigttext vorgeschrieben ist.
Sonntag, 12. Juni 2011
Tschüss, Pfüati, Adieu - Pfingsten 2011, 12.06.2011, Reihe III
Text: Johannes 16,5-15 (diesmal aus der BASISBIBEL gelesen)
Liebe Gemeinde!
Tschüss – oder eher geflötet: Tschühüss! Auf Wiederse-hen! Ciao! Bis bald! Wir sehen uns! Hau rein! Mach’s gut! Adieu! Servus! Pfüati! Bye! Bleib sauber!
Es gibt unglaublich viele Arten, sich zu verabschieden. Ich weiß nicht, welche sie bevorzugen, welche eure liebste ist. Sicher hängt es oft davon ab, von wem man sich verabschiedet. Von den Eltern verabschiedet man sich anders als von der Freundin, von der Nachbarin anders als vom Enkelkind. Wenn man denkt, dass man sich bald wiedersieht anders, als wenn das Wiedersehen ungewiss ist. Wenn ich zu einem Schwerstkranken oder einem Menschen, der im Sterben liegt, gerufen werde, finde ich ein „Auf Wiedersehen“ eher unpassend. Und mit „Hau rein! Wir sehen uns! oder: Bye!“ verabschiede ich mich auch nicht von meiner Frau. Gibt es so etwas wie die richtige, immer passende Form der Verabschiedung? Vielleicht hat sich das ursprünglich eigentlich ja rein auf Norddeutschland beschränkte „Tschüss“ dazu entwickelt. Manchen, vor allem älteren, ist das vielleicht zu locker, manchen jüngeren nicht cool genug. Aber benutzt wird es von fast allen. Ich finde das schön. Mir würde auch „Pfüati“ gefallen, aber für einen Nichtbayern ist das doch etwas schwer auszusprechen. „Pfüati“ meint nichts anderes als: „Gott führe dich auf deinem weiteren Weg“. Und „Tschüss“ ist nichts anderes als die norddeutsche Form des französischen und etwas aus der Mode gekommenen „Adieu“ – „Mit Gott“. Tschüss heißt nichts anderes als „Gehe deinen Weg mit Gott“ – kann’s einen schöneren Wunsch bei einer Verabschiedung geben? Tschüss – geh deinen Weg mit Gott, er geht ihn auch mit dir. Egal, ob wir uns bald wiedersehen oder lange Zeit getrennt sein werden. Egal, ob ich den Abschied voller Vorfreude auf das, was kommt, kaum erwarten kann, oder ob es ein Abschied für immer sein wird und nur noch die Hoffnung und der Glauben bleiben, dass der Tod nicht das Allerletzte ist, sondern dass Gott mehr für uns bereit hält. Tschüss, Adieu, Pfüati!
Genau das sagt Jesus eigentlich auch seinen Freunden, den Jüngern, den Menschen, mit denen er den Abend vor seiner Verhaftung und Kreuzigung verbringt. Ich habe es eben als Predigttext vorgelesen. Ich habe jetzt nicht die Jahreszeit verwechselt. Ich weiß, dass wir Pfingsten haben und nicht die Passionszeit, kurz vor Os-tern. Aber in diesem Jahr ist nun einmal dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium als Predigttext vorgesehen. Jesus sagt: „Tschüss!“ Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird dieses „Tschüss“ für mich tatsächlich zu einer fröhlichen oder wenigstens froh machenden Botschaft für Pfingsten. „Tschüss!“ – „Geht mit Gott!“ Nehmt Abschied, ihr müsst es tun. Haltet euch nicht am Vergehenden und Gewohnten fest. Geht ins Leben, aber seid gewiss: auf eurem Weg ist Gott mit euch. „Tschüss“ eben, nicht „Macht’s gut!“. Nicht ihr müsst irgendwas gut machen,
Liebe Gemeinde!
Tschüss – oder eher geflötet: Tschühüss! Auf Wiederse-hen! Ciao! Bis bald! Wir sehen uns! Hau rein! Mach’s gut! Adieu! Servus! Pfüati! Bye! Bleib sauber!
Es gibt unglaublich viele Arten, sich zu verabschieden. Ich weiß nicht, welche sie bevorzugen, welche eure liebste ist. Sicher hängt es oft davon ab, von wem man sich verabschiedet. Von den Eltern verabschiedet man sich anders als von der Freundin, von der Nachbarin anders als vom Enkelkind. Wenn man denkt, dass man sich bald wiedersieht anders, als wenn das Wiedersehen ungewiss ist. Wenn ich zu einem Schwerstkranken oder einem Menschen, der im Sterben liegt, gerufen werde, finde ich ein „Auf Wiedersehen“ eher unpassend. Und mit „Hau rein! Wir sehen uns! oder: Bye!“ verabschiede ich mich auch nicht von meiner Frau. Gibt es so etwas wie die richtige, immer passende Form der Verabschiedung? Vielleicht hat sich das ursprünglich eigentlich ja rein auf Norddeutschland beschränkte „Tschüss“ dazu entwickelt. Manchen, vor allem älteren, ist das vielleicht zu locker, manchen jüngeren nicht cool genug. Aber benutzt wird es von fast allen. Ich finde das schön. Mir würde auch „Pfüati“ gefallen, aber für einen Nichtbayern ist das doch etwas schwer auszusprechen. „Pfüati“ meint nichts anderes als: „Gott führe dich auf deinem weiteren Weg“. Und „Tschüss“ ist nichts anderes als die norddeutsche Form des französischen und etwas aus der Mode gekommenen „Adieu“ – „Mit Gott“. Tschüss heißt nichts anderes als „Gehe deinen Weg mit Gott“ – kann’s einen schöneren Wunsch bei einer Verabschiedung geben? Tschüss – geh deinen Weg mit Gott, er geht ihn auch mit dir. Egal, ob wir uns bald wiedersehen oder lange Zeit getrennt sein werden. Egal, ob ich den Abschied voller Vorfreude auf das, was kommt, kaum erwarten kann, oder ob es ein Abschied für immer sein wird und nur noch die Hoffnung und der Glauben bleiben, dass der Tod nicht das Allerletzte ist, sondern dass Gott mehr für uns bereit hält. Tschüss, Adieu, Pfüati!
Genau das sagt Jesus eigentlich auch seinen Freunden, den Jüngern, den Menschen, mit denen er den Abend vor seiner Verhaftung und Kreuzigung verbringt. Ich habe es eben als Predigttext vorgelesen. Ich habe jetzt nicht die Jahreszeit verwechselt. Ich weiß, dass wir Pfingsten haben und nicht die Passionszeit, kurz vor Os-tern. Aber in diesem Jahr ist nun einmal dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium als Predigttext vorgesehen. Jesus sagt: „Tschüss!“ Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird dieses „Tschüss“ für mich tatsächlich zu einer fröhlichen oder wenigstens froh machenden Botschaft für Pfingsten. „Tschüss!“ – „Geht mit Gott!“ Nehmt Abschied, ihr müsst es tun. Haltet euch nicht am Vergehenden und Gewohnten fest. Geht ins Leben, aber seid gewiss: auf eurem Weg ist Gott mit euch. „Tschüss“ eben, nicht „Macht’s gut!“. Nicht ihr müsst irgendwas gut machen,
Sonntag, 29. Mai 2011
Bet' richtig! - Rogate, 29.05.2011, Reihe III
Text: Lukas 11,5-13
Liebe Gemeinde!
Kann man Beten eigentlich lernen? Gibt es so etwas wie die richtigen Worte oder die richtige Technik, die Erfolg versprechen? Manchmal frage ich mich, ob ich nicht genau das, nämlich dass es bestimmte Worte oder bestimmte Techniken gibt, Konfirmanden, Schülern und anderen vermittele. Da müssen Konfirmanden seit Jahrhunderten das „Vaterunser“ auswendig lernen, da gehören Ruhe, gefaltete Hände oder wenigstens eine konzentrierte Körperhaltung zum Gebet. Oder bestimmte schöne oder wenigstens kluge Worte, die sich begabte Beter ausgedacht und in Büchern und Heften veröffentlicht haben. Ja, so geht Beten. Gute Worte, konzentrierte Stimmung, am besten an jemandem orientiert, von dem ich denke: der oder die kann es. Beten als eine Art Handwerk, eine Kunst, an der man den richtigen Christen erkennt. Erlernbar und anzuwenden. Aber ein Gebet ist doch mehr als eine bloße, technische Angelegenheit, richtig anzuwenden, die ich jeden Morgen oder jeden Abend oder bei jedem Essen oder sonntags in der Kirche ableiste. Wenigstens dann, wenn ich ernst nehme, was Jesus den Menschen, die ihm zugehört haben, erzählt. Ein Gebet hat immer auch etwas damit zu tun,
Liebe Gemeinde!
Kann man Beten eigentlich lernen? Gibt es so etwas wie die richtigen Worte oder die richtige Technik, die Erfolg versprechen? Manchmal frage ich mich, ob ich nicht genau das, nämlich dass es bestimmte Worte oder bestimmte Techniken gibt, Konfirmanden, Schülern und anderen vermittele. Da müssen Konfirmanden seit Jahrhunderten das „Vaterunser“ auswendig lernen, da gehören Ruhe, gefaltete Hände oder wenigstens eine konzentrierte Körperhaltung zum Gebet. Oder bestimmte schöne oder wenigstens kluge Worte, die sich begabte Beter ausgedacht und in Büchern und Heften veröffentlicht haben. Ja, so geht Beten. Gute Worte, konzentrierte Stimmung, am besten an jemandem orientiert, von dem ich denke: der oder die kann es. Beten als eine Art Handwerk, eine Kunst, an der man den richtigen Christen erkennt. Erlernbar und anzuwenden. Aber ein Gebet ist doch mehr als eine bloße, technische Angelegenheit, richtig anzuwenden, die ich jeden Morgen oder jeden Abend oder bei jedem Essen oder sonntags in der Kirche ableiste. Wenigstens dann, wenn ich ernst nehme, was Jesus den Menschen, die ihm zugehört haben, erzählt. Ein Gebet hat immer auch etwas damit zu tun,
Sonntag, 8. Mai 2011
Entspannt Leben - gechillter bleiben - Konfirmation 2011, 08.05.2011
| Konfis 2011, Gruppe 2 (Foto: UKB) |
Text: 1. Petrus 5,7
All eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch!
Liege rausholen, aufbauen, Talar ausziehen, entspannt hinlegen, nach Drink rufen, Moderation…
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!
| Konfis 2011, Gruppe 1 (Foto: UKB) |
So entspannt wäre ich heute gern! Einfach rumliegen, keine Sorgen mehr! Keine Sorge, dass die Predigt heute zu lang wird, wie Doreen oder Vanessa es befürchten, oder zu langweilig, wie vielleicht manche anderen befürchten. Keine Sorgen, ob wir in Konfer alles richtig gemacht haben. Keine Sorgen mehr, das vielleicht niemand mehr nach Konfer mit Kirche was zu tun haben will. Keine Sorgen, dass vielleicht mancher Lebensweg von euch Konfis nicht so toll läuft. Keine von den anderen Sorgen, die heute Morgen vielleicht da sind. Einfach entspannt chillen! Aber wie werde ich die Gedanken, die Sorgen, die sich immer in meinen Kopf schleichen, los?
Ganz früher, ich glaube sogar, noch bevor ich selbst geboren wurde, gab es mal ein Lied, das hieß: „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“. Aber das funktioniert nicht. Weder mit Wein noch mit Bier oder Wodka. Weder mit einem Gläschen noch mit ein oder zwei Fläschchen. Man denkt zwar vielleicht einen Moment, dass es hilft, aber je mehr man das versucht, desto mehr melden sich die Sorgen wieder und sie werden größer.
Entspannt chillen und entspannt leben, Sorgen loswer-den, das muss irgendwie anders gehen. Aber wie? Im Alltag funktioniert das oft ganz passabel mit anderen Menschen. Als kleines Kind sind es meistens die Eltern, die dann herhalten und denen man zumindest fast alles erzählt. Als Jugendliche oder Jugendlicher sind das öfter dann wahrscheinlich Gleichaltrige, manchmal vielleicht auch Geschwister oder hin und wieder vielleicht auch mal jemand anderes aus der Erwachsenenwelt, bei dem an sorgen loswird. Aber ganz so einfach wie früher ist das nicht. Ich glaube mal, dass man sich als Jugendlicher ganz genau überlegt, wem man was erzählt. Klar, die El-tern sollen und müssen vielleicht auch nicht immer alles wissen, selbst der Lehrer, zu dem man ganz viel Vertrau-en hat, bleibt am Ende doch jemand, der einem Noten gibt und bei Freunden ist das auch so eine Sache. Man vertraut nicht jedem alles an. Wer weiß, vielleicht wird doch was weitererzählt oder das Image stimmt nicht mehr, wenn Schwächen zugegeben werden. Ich war sehr positiv überrascht, wie offen und ehrlich manche von den Konfis mit den Mitarbeitern und manchmal auch mit mir über ihre Sorgen gesprochen haben. Ein unglaublich großer Vertrauensbeweis ist das. Aber trotzdem:
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