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Freitag, 6. Juni 2014

...mehr als ein Sommermärchen - Pfingstsonntag 2014, 08.06.14, Reihe IV

Nach langer Zeit mal wieder eine Sonntagspredigt: die erste in den Gemeinden meines Predigtauftrags in der Kirchengemeinde Dreihausen-Heskem, diesmal in Heskem und Roßberg. Und dann so ein Text... Das war nicht gerade mein Lieblingstext und es gibt sicher sehr viele "pfingstlichere" Texte!
Text: Römer 8,1+2+10+11 (Zürcher)


Liebe Gemeinde!
Wollen sie auch gern wissen, woran sie sind? Ich schon. Und ich glaube, viele wollen das. Ich habe das in der Schule erlebt. Obwohl ich jetzt seit 30 Jahren kein Schüler mehr bin, erinnere ich mich noch gut dran, dass mir Lehrer sehr lieb waren, die klare Ansagen gemacht und das dann auch durchgehalten und für alle gleich gehalten haben. Klare Ansage – klare Konsequenz. Im Guten wie im Schlechten. Und in den 20 Jahren, in denen ich selber unterrichtet habe, da habe ich auch gemerkt, dass Schülerinnen und Schüler einem nicht böse sind, wenn man klare Ansagen macht und die auch einhält. Wenn – dann. Und das für alle gleich. Ich erlebe das jetzt im Umgang mit Mitarbeitern, aber auch dann,  wenn es um Gesetze und Regeln geht. An die ich und andere sich im Alltag halten müssen. Wenn – dann: klare Aussage, das hilft, sich zurechtzufinden, das schafft Nachvollziehbarkeit und eine Form von Gerechtigkeit. Aber es zeigt Menschen dann auch ziemlich klar, was sie alles nicht können und nicht richtig machen. Und manchmal merkt man dann auch: So einfach ist das gar nicht, dass sich alles in Regeln fassen lässt. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, an oder aus, 1 oder 0. Die Welt ist weniger digital, statisch, vorhersehbar, planbar, als wir manchmal denken oder es gern hätten. Leben ist bunter, vielfältiger. Und „Wenn – Dann“, das lässt einen manchmal dann mit der Frage dastehen: „Ja, wozu gehöre ich eigentlich? Trifft das jetzt auf mich zu oder nicht?“
„Wenn – dann…“ – das will Klarheit, Gerechtigkeit, Nachvollziehbarkeit herstellen. Aber manchmal lässt es mich und jeden, der mit solchen Aussagen konfrontiert wird, mit Fragen zurück. Nicht alles lässt sich regeln.
„Wenn – dann…“ – manchmal lädt das aber auch zum Träumen ein. „Wenn ich erstmal konfirmiert bin, dann darf ich endlich abends auf die Kirmes“  - einer der Träume meiner Jugend. Heute sieht es vielleicht anders aus. Aber: „Wenn ich erstmal volljährig bin…., wenn ich erstmal einen tollen Beruf habe und richtig Geld verdiene…, wenn die Kinder endlich groß sind…,  wenn das Haus erstmal abbezahlt ist, …; wenn ich erstmal im Ruhestand bin…“ – Träume, Hoffnungen, Wünsche – Gott sei Dank lässt sich das nicht ausrotten. Schwierig wird es dann, wenn sie den Blick auf die Wirklichkeit verstellen und einen dazu verleiten, die Gegenwart, das was jetzt zu tun und zu lassen ist, zu vernachlässigen.
„Wenn – dann…“ – klare Ansage, klares Gesetz, das Menschen auch in Frage stellt oder Anlass zum Träumen? Was meint wohl Paulus, wenn er mit einigen „Wenn – Dann…“s an die Gemeinde in Rom schreibt? Wir hören einige Verse aus dem 8. Kapitel des Briefes an die Römer:

Lesen: Röm  8,1+2+10+11, Zürcher Übersetzung

Ich glaube, dass Paulus hier beides zusammenbringt: die klare Orientierung, die einem zeigt, wo’s langgeht und hilft, die aber auch manchmal anstrengend ist, weil sie auch zeigt, was auch bei mir nicht gut ist, wo ich mich anfragen lassen muss, ob das, was ich mache, richtig ist – und die Sehnsucht nach einer guten Zukunft. Der Traum von einem Leben, das wirklich gut ist, das noch nicht da ist, das aber mehr als nur ein Traum ist. „Wenn – dann“ – es ist noch nicht so weit, aber es kommt.
Leben ist spannend. Da ist einmal die Spannung,

Samstag, 18. Mai 2013

Fischmarkt, Flatrate, Inklusion - Pfingsten 2013 (Reihe II statt Reihe V)

Text: 1. Korinther 12,4-11 (Pfingstmontag, Reihe II)

Predigt Pfingstsonntag 13, 18.05.13, Reihe II Pfingstmontag
Text: 1. Kor 12,4-11

Liebe Gemeinde!
Hamburg, Fischmarkt, bei Aal-Paul: „Kommen sie näher, kommen sie ran! Diese schöne Scholle hier gibt’s heute für nur 15 Euro! Und wissen sie was, ich pack ihnen für 15 Euro nicht nur die Scholle ein, heute gibt’s auch noch diese Heringe dazu! Und nur heute, und nur weil Feiertag ist, pack ich auch noch zwei leckere Räucherforellen dazu! Und, gute Frau, weil sie so schön lächeln, gibt’s dann noch den Räucheraal gratis! Kommen sie näher, kommen sie ran, nur heute hier beim Aal-Paul: Diese schöne Scholle und die Heringe und die Räucherforellen und den Räucheraal und hier und heute noch dazu eine Portion leckerer Nordseekrabben und das alles in einer Tüte und für nur 15 Euro! Sonst kostet allein schon die Scholle so viel! Greifen sie zu!“ Natürlich wissen die meisten, dass der Fischhändler schon vorher die Preise für alles kalkuliert hat und er mit den 15 Euro auf seine Kosten kommt und nichts zu verschenken hat. Aber es ist ein gutes Gefühl, ganz viel eingepackt zu bekommen und zu glauben, man bekäme dabei ganz viel geschenkt. Beim Telefonieren mit den heute üblichen Flatrates ist das ja ähnlich. Einmal bezahlt – und schon kann man so oft, wie man will, telefonieren, SMS schreiben und im Internet surfen und hat das Gefühl, ein Schnäppchen zu machen. Natürlich haben auch die Telefongesellschaften nachgerechnet. Damit wenige ein Schnäppchen machen, bezahlen viele eigentlich zu viel, aber es ist halt ein schönes Gefühl, ganz viel eingepackt zu bekommen. Obwohl wir eigentlich wissen, dass es nichts geschenkt gibt, nutzen wir das trotzdem mit dem Gefühl, etwas geschenkt bekommen zu haben.
Komischerweise scheint das aber dort, wo wirklich was verschenkt wird, gar nicht so gut zu funktionieren. Paulus schreibt der Gemeinde in Korinth davon, wie viel der eine Gott verschenkt. Es gibt ganz viele und ganz unterschiedliche Begabungen, ganz viele und ganz unterschiedliche Ämter, die Menschen ausüben und ganz viele und unterschiedliche Kräfte und Möglichkeiten. Aber in allem wirkt der Geist des einen Gottes. In allem ist Gott selbst am Werk. Ganz viel wird eingepackt in die große Gemeinschaft der Menschen, die sich auf Jesus berufen und die auf Gott vertrauen – und manchmal habe ich bis heute den Eindruck, dass wir diese Megaflatrate, bei der wir wirklich profitieren und nichts draufzahlen, diese wirklich kostenlose Riesentüte mit allem, was man sich an Schönem vorstellen kann, gar nicht haben wollen. Zwei Haltungen begegnen mir oft bis heute. Die eine Haltung ist die: Was nicht so ist wie das, was ich selber habe, was ich kenne und was ich selber gut finde, ist nicht richtig und gehört nicht dazu. Das soll draußen bleiben, das will und brauche ich nicht. Da werden Möglichkeiten, Geschenke, Gaben, abgelehnt, weil sie anders sind, weil sie nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Im Bild der Fischtüte hieße das, den Aal und die Krabben und den Hering vielleicht dem Fischhändler zurückzugeben, weil ich sie nicht mag, statt sie sich einpacken zu lassen und zu überlegen, ob ich vielleicht jemanden kenne, dem genau das schmeckt und der sich über genau dieses Geschenk freut oder es dringend braucht. Ich will nur das, was meinem Geschmack entspricht. Die Haltung gibt es auch im Glauben.
Die andere Haltung ist die, nicht auf das zu schauen, was ich habe, und damit dann was anzufangen, sondern immer zu glauben, das, was andere haben, wäre besser und richtiger. Im Bild der Fischtüte hieße das: der nächste Kunde bekäme vielleicht Lachs statt Krabben und Thunfisch statt Forelle eingepackt. Und auf einmal wollte ich unbedingt das andere, obwohl ich bis dahin mit meinem eigentlich ganz zufrieden war, weil das andere ja möglicherweise besser oder mehr Fisch ist.
Beides sind Haltungen, die eben nicht nur auf dem Fischmarkt möglich sind

Freitag, 25. Mai 2012

Ihr seid nicht normal! - Pfingstsonntag, 27.05.2012, Reihe IV

Text: 1. Korinther 2,10-16

Liebe Gemeinde!


Sie sind nicht normal! Erwachsene, die an Gott glauben, die in Gottesdiensten, in Liedern, Lesungen und Predigten ihren Glauben stärken und sich vergewissern wollen – nicht normal! Jugendliche, die nach Gott fragen, die nach der Bedeutung von Jesus für ihr Leben fragen, die im Glauben an Jesus einen Gewinn für ihr Leben sehen – nicht normal! Klar, das Wort „normal“ ist schwierig. Was ist schon „normal“? Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel möglich ist. Gott sei Dank wird niemandem in Deutschland mehr vorgeschrieben, was er zu glauben und welcher Kirche oder Religion er anzugehören hat. Ob ich in die Kirche gehe oder nicht, ob ich heirate oder nicht, Männer oder Frauen liebe, die Haare bunt färbe oder gern Anzüge trage – so ziemlich alles wird akzeptiert. Aber nicht alles ist normal. Vor allem nicht, an Gott so zu glauben, dass ich von ihm sagen kann: er hat sich wirklich in Jesus gezeigt. An eine höhere Kraft zu glauben, die irgendwo da ist und das Leben nicht weiter stört, das ist normal. Aber daran zu glauben, dass Gott sich in einem lebendigen Menschen offenbart hat, dass er sich den Außenseitern zugewandt hat, dass er gelitten hat, gestorben ist, den Tod besiegt hat, dass der Glaube an Gott auch im Alltag Konsequenzen hat, das ist nicht normal. Das stört. Wie gewaltig der Glauben an Gott stört, das haben mir in der letzten Woche zwei ganz unterschiedliche Ereignisse gezeigt. Einmal ist da eine Auseinandersetzung in Kassel. Eine katholische Kirche zeigt in einer Ausstellung eine menschliche Figur im Kirchturm, gut sichtbar in der Nähe der Weltkunstaustellung „documenta“, die demnächst eröff-net wird. Die Leiterin der documenta hat sich darüber beschwert. Sie fühle sich von der Figur bedroht, die Kir-che solle sich doch auf das zurückziehen, was sie könne, und das sei eben nicht Kunst. Was Kunst sei, sei auf ihrer documenta zu sehen. Außer der Arroganz und Intoleranz der Leiterin einer solchen Ausstellung wundert mich auch, dass es keine öffentlichen Proteste gegen diese Intoleranz gibt. Scheinbar ist es tatsächlich normal, dass der Glauben an Jesus Christus irgendwo an den Rand gehört, vielleicht geduldet beim Abschied aus dem Leben, aber auch dort bitte so, dass er nicht zu sehr stört, Kreuze in Friedhofshallen sind nicht mehr überall selbstverständlich oder gern gesehen.

Das andere Ereignis war ein Gespräch mit einer Vier-zehnjährigen. Sie erzählte mir von einer heftigen Diskus-sion im Kunstunterricht ihrer Klasse, in der es darum ging, ob und wie Gott dargestellt werden dürfe. Als sie in der Diskussion auch sagte, dass ihr der Glauben an Gott etwas bedeutet und sie es nicht richtig findet, dass er in manchen Serien im Fernsehen bösartig veralbert wird, sagten manche dann sehr abfällig: „Na, dann geh doch halt in die Kirche und lass uns in Ruhe“.

Nein, es ist wirklich nicht normal, an Gott zu glauben. Es ist nicht normal, darauf zu vertrauen, dass Gott da ist, auch wenn viele schlimme Dinge in der Welt und manchmal ja auch im eigenen Leben passieren. In einer Welt, in der „Opfer“ ein echtes Schimpfwort ist, ist es nicht normal, daran zu glauben, dass sich Gott ausgerechnet in einem Opfer zeigt und auf der Seite der Opfer steht. Es ist nicht normal, Liebe auch denen zu zeigen, die ganz anders sind, als ich es gern hätte. Es ist nicht normal, den Wert eines Menschen nicht an seiner Bildung oder seinem Vermögen zu messen, sondern im Menschen einen Wert an sich zu sehen. In jedem Menschen, weil ihm als Menschen die Liebe Gottes gilt.

Sonntag, 12. Juni 2011

Tschüss, Pfüati, Adieu - Pfingsten 2011, 12.06.2011, Reihe III

Text: Johannes 16,5-15 (diesmal aus der BASISBIBEL gelesen)

Liebe Gemeinde!


Tschüss – oder eher geflötet: Tschühüss! Auf Wiederse-hen! Ciao! Bis bald! Wir sehen uns! Hau rein! Mach’s gut! Adieu! Servus! Pfüati! Bye! Bleib sauber!

Es gibt unglaublich viele Arten, sich zu verabschieden. Ich weiß nicht, welche sie bevorzugen, welche eure liebste ist. Sicher hängt es oft davon ab, von wem man sich verabschiedet. Von den Eltern verabschiedet man sich anders als von der Freundin, von der Nachbarin anders als vom Enkelkind. Wenn man denkt, dass man sich bald wiedersieht anders, als wenn das Wiedersehen ungewiss ist. Wenn ich zu einem Schwerstkranken oder einem Menschen, der im Sterben liegt, gerufen werde, finde ich ein „Auf Wiedersehen“ eher unpassend. Und mit „Hau rein! Wir sehen uns! oder: Bye!“ verabschiede ich mich auch nicht von meiner Frau. Gibt es so etwas wie die richtige, immer passende Form der Verabschiedung? Vielleicht hat sich das ursprünglich eigentlich ja rein auf Norddeutschland beschränkte „Tschüss“ dazu entwickelt. Manchen, vor allem älteren, ist das vielleicht zu locker, manchen jüngeren nicht cool genug. Aber benutzt wird es von fast allen. Ich finde das schön. Mir würde auch „Pfüati“ gefallen, aber für einen Nichtbayern ist das doch etwas schwer auszusprechen. „Pfüati“ meint nichts anderes als: „Gott führe dich auf deinem weiteren Weg“. Und „Tschüss“ ist nichts anderes als die norddeutsche Form des französischen und etwas aus der Mode gekommenen „Adieu“ – „Mit Gott“. Tschüss heißt nichts anderes als „Gehe deinen Weg mit Gott“ – kann’s einen schöneren Wunsch bei einer Verabschiedung geben? Tschüss – geh deinen Weg mit Gott, er geht ihn auch mit dir. Egal, ob wir uns bald wiedersehen oder lange Zeit getrennt sein werden. Egal, ob ich den Abschied voller Vorfreude auf das, was kommt, kaum erwarten kann, oder ob es ein Abschied für immer sein wird und nur noch die Hoffnung und der Glauben bleiben, dass der Tod nicht das Allerletzte ist, sondern dass Gott mehr für uns bereit hält. Tschüss, Adieu, Pfüati!

Genau das sagt Jesus eigentlich auch seinen Freunden, den Jüngern, den Menschen, mit denen er den Abend vor seiner Verhaftung und Kreuzigung verbringt. Ich habe es eben als Predigttext vorgelesen. Ich habe jetzt nicht die Jahreszeit verwechselt. Ich weiß, dass wir Pfingsten haben und nicht die Passionszeit, kurz vor Os-tern. Aber in diesem Jahr ist nun einmal dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium als Predigttext vorgesehen. Jesus sagt: „Tschüss!“ Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird dieses „Tschüss“ für mich tatsächlich zu einer fröhlichen oder wenigstens froh machenden Botschaft für Pfingsten. „Tschüss!“ – „Geht mit Gott!“ Nehmt Abschied, ihr müsst es tun. Haltet euch nicht am Vergehenden und Gewohnten fest. Geht ins Leben, aber seid gewiss: auf eurem Weg ist Gott mit euch. „Tschüss“ eben, nicht „Macht’s gut!“. Nicht ihr müsst irgendwas gut machen,

Mittwoch, 28. Mai 2008

Ballast auspacken! - Pfingsten 2008

Text: 1. Korinther 12,4-11

Liebe Gemeinde!

(Zu den Fragen die Betreffenden jeweils bitten, aufzustehen) Wer kann Russisch sprechen? Wer kann Englisch sprechen? Wer kann Französisch sprechen? Wer eine andere Sprache außer Deutsch? Wer spielt ein Musikinstrument? Wer ist einigermaßen sportlich? Wer kann kochen? Wer backt gern? Wer ist ganz gut im Gärtnern? Handwerklich geschickt?

Ich könnte jetzt noch lange weiterfragen, wahrscheinlich würden immer wieder welche aufstehen, wenn sie sich trauen. Wenn wir so als Gemeinde zusammenkommen, auch nur die paar Leute aus unserer Gemeinde, die gern und regelmäßig Gottesdienst feiern, dann sind schon viele Fähigkeiten, Gaben und Talente da. Als ich vor ein paar Monaten hier auf den Richtsberg gezogen bin und mich mit meinen Konfis unterhalten habe, da haben mir manche erzählt: „Wenn man auf einer weiterführenden Schule erzählt, dass man vom Richtsberg kommt, dann wird man oft schon ein bisschen komisch angeguckt und da denken dann manche: die können nicht viel!“ Und jetzt hier, in der Gemeinde, da tauchen dann viele verschiedene Dinge auf, die Menschen, alte und junge, wirklich gut können. Tolle Sache!

Manchmal wollen wir gar nicht wahrhaben, wie viel wir eigentlich können. Weil entweder wir selbst uns eine Art Rucksack packen oder wir für andere einen Rucksack packen. Da wird dann alles reingepackt, was es gibt, damit man möglichst perfekt ist. Als Mensch im Allgemeinen und als Christ in der Gemeinde. Der Rucksack ist übervoll und oft kaum zu tragen. Was da alles so drin ist! Man soll in der Bibel Bescheid wissen. Am Besten das Alte und das Neue Testament im Original lesen. Man soll künstlerisch begabt sein. Musikalisch. Handwerklich geschickt und hilfsbereit. Gut kochen können und gern backen. Musikalisch. Sportlich. Gut mit Geld umgehen…. Der Rucksack kann gar nicht groß genug sein. Es fällt einem immer noch was ein, was man können und machen sollte. Jetzt ist der Rucksack leer - und man kriegt das ganze Zeug gar nicht wieder rein. Muss man ja auch gar nicht! Gerade zu Pfingsten dürfen wir feiern, dass keiner alles haben und alles können muss, dass aber aus den vielen verschiedenen Einzelteilen und einzelnen Begabungen kein großes Chaos, sondern eine Gemeinschaft, die mit den ganzen Unterschieden, die sie hat, ein großes, buntes, zusammenhängendes Bild zeigt, dass von Gott so gewollt und sozusagen als buntes Bild gemalt worden ist. Paulus schreibt dazu im 1. Korintherbrief im 12. Kapitel:


Lesen 1. Kor 12,4-11

Es ist Gottes Geist, der die verschiedenen Einzelteile nicht zu einem zusammengewürfelten Chaos werden lässt. Er lässt ein, auf den ersten Blick vielleicht unübersichtliches, dann aber doch sehr schönes und buntes Bild entstehen. Es sind verschiedene Gaben - aber es ist ein Geist. Die Kraft Gottes, die Leben schafft, die Leben begleitet und erhält, diese Kraft bewirkt, dass jeder etwas kann. Es gibt keine Rangfolge von Gaben, die für eine Gemeinschaft von Glaubenden besonders wichtig oder angesehen sind. Leute, die sich gut in der Bibel auskennen sind wichtig. Und Leute, die gern anpacken auch. Das gehört zusammen. Nicht, weil einer alles können muss, sondern weil beides aus dem Geist Gottes entsteht und zu einer Gemeinschaft verbindet. Der, der sich gut in der Bibel auskennt, hat keinen Grund zu dem anderen zu sagen: „Dein Anpacken ist unwichtig, lern erstmal mehr in der Bibel“ und der, gern anpackt, keinen Grund zu sagen: „Du hast ja zwei linke Hände, lies lieber nicht so viel in der Bibel sondern tu was anständiges!“

Und so, wie es eben verschiedene Gaben gibt, gibt es auch verschiedene Aufgabenbereiche. Ämter nennt Paulus sie. „Es sind verschiedene Ämter, aber es ist ein Herr.“ Der Kirchenvorstand steht nicht über dem normalen Kirchenvolk, der Pfarrer nicht über dem Kirchenvorstand und der Bischof nicht über allem, und der Papst erst recht nicht. Es ist gut, dass es verschiedene Aufgabenbereiche gibt. Und es ist auch gut, dass man sich abspricht und klarmacht, wer für was Verantwortung hat. Und es ist auch nicht schlimm, wenn die einen viel und die anderen nicht so viel Verantwortung haben. Aber HERR ist nur einer. Vor ihm, vor Gott, durch dessen Geist wir leben, sind wir gleich wertvoll und gleich wichtig. Gerade weil wir unterschiedlich sind, unterschiedliche Aufgabenbereiche, Fähigkeiten und Verantwortungen haben. Eine alleinstehende Mutter, die mit viel Mühe für ihr Kind sorgt, ein älter gewordener Sohn, der sich um seine verwirrte und kranke Mutter kümmert - Warum sollten diese Ämter, wie Paulus sie nennt, diese Aufgabenbereiche, weniger wichtig sein als Pfarrer, Bischof oder Papst? Und bei dem allen gilt auch: Nicht jeder wird das Gleiche können. Auch die Kräfte und Möglichkeiten, etwas zu tun, sind nicht gleich. Gerade im Geist Gottes müssen wir uns immer wieder deutlich machen, dass Menschen gleich wichtig und gleich wertvoll sind, auch wenn sie alles andere als gleich sind. Sie sind nicht gleich stark, nicht zum Gleichen fähig, sie müssen und können auch nicht immer das Gleiche wissen, denken, fühlen und glauben. Wichtig ist, dass man die Ungleichheit nicht gegeneinander ausnutzt, sondern die ungleichen Fähigkeiten, die Gottes Geist schenkt, zusammenbringt und zusammen nützt. „In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller“, so drückt es Paulus aus. Und gerade im Bezug auf das Zusammenleben in der Gemeinde und auf Fähigkeiten, die eher geistliche und geistige sind, macht Paulus deutlich, dass es da im Sinne Gottes kein Oben und Unten, kein wichtig und unwichtig gibt. Dem einen ist’s gegeben von der Weisheit, dem anderen von der Erkenntnis zu reden. Weisheit, das hat viel mit praktischer Lebensklugheit zu tun, Erkenntnis eher mit Wissenschaft. Beides ist wichtig, aber keiner muss unbedingt beides zugleich sein, um wichtig zu sein. Erstaunlich finde ich, dass Paulus auch schreibt: „einem anderen ist Glaube gegeben in demselben Geist, einem andern die Gabe, gesund zu machen.“ Auch der glaube ist kein Verdienst langer und tiefschürfender Übungen, sondern ein Geschenk. Und scheinbar ist es auch für Gott in Ordnung, wenn nicht bei jedem und in jeder Lebenszeit der Glauben immer gleich stark und gleichgerichtet ist. Natürlich ist Glauben an Gott Grundvoraussetzung der christlichen Gemeinde. Aber es ist, auch im Sinn der verschiedenen Geistesgaben, völlig in Ordnung und für die Gemeinde belebend und bereichernd, wenn Menschen verschiedene Formen finden, ihren Glauben zu zeigen und zu leben. Dorns anders als Frau Eckhardt und Frau Brandenburger anders als Frau Oberländer. Manche sind eben auch im Glauben eine Art Vorbild, an dem sich andere orientieren können, andere haben andere gute Gaben. Wie vielleicht die Gabe, zur Gesundheit anderer beizutragen. Ich persönlich tue mich schwer, wenn es um Heilungen in Gottesdiensten geht. In vielen Pfingstgemeinden ist gerade das etwas Wichtiges: Das Menschen geheilt werden. Ich finde, dass Gebete ärztliche Kunst nicht ersetzen können und kein automatischer Gesundmacher da sind, wo Medikamente und Operationen versagen. Aber ich glaube auch, dass es wichtig ist, Gebet und Glaube nicht gering zu schätzen, wenn es ums gesund werden geht. Gerade die Aufzählung dieser Gabe des Gesundmachens als Geistesgabe macht auch deutlich, dass es Gott in seiner Leben schaffenden Kraft, dem Geist, nicht nur ums geistliche Wohl geht. Christliche Gemeinschaft ist immer auch dazu aufgerufen, sich mit den ganz konkreten Lebensumständen von Menschen zu befassen und sie, mit Gottes Hilfe, zu verbessern. Gottes Wille ist es, dass das Leben für alle gut wird.

Es geht nicht darum, mit seinen eigenen Gaben und Fähigkeiten möglichst zu glänzen, andere auszustechen und am Ende als der Beste, Angesehenste oder Größte dazustehen, sondern die eigenen Möglichkeiten zu entdecken und sie nicht nur für sich selbst, sondern für das Miteinander zu gebrauchen. Für ein Miteinander, das uns von Gott geschenkt ist. Du kannst was. Und mit dem, was du kannst, bist du wichtig. Das ist die Botschaft von Pfingsten. Du bist wichtig und wertvoll. Mit dem, was DU kannst. Und weil andere anderes können, musst du dich nicht für alles allein verantwortlich fühlen und es hängt auch nicht alles von dir allein ab. Es ist nicht schlimm, etwas nicht zu können. Es ist nur schlimm, zu glauben, nur dann gut zu sein, wenn man alles allein kann. Und es ist schlimm, wenn man aus Angst, nicht zu gelten, nur auf das schaut, was man nicht kann und darüber das übersieht, was man kann. Gottes Geist befreit zum Leben. Zum Leben als von Gott gewollter, geliebter Mensch. Mit ganz eigenen, wichtigen Fähigkeiten - und Lücken dabei. Zum Leben als Mensch in der Gemeinschaft mit anderen von Gott gewollten und geliebten Menschen, die in seinem Geist verbunden sind. Zum Leben als Mensch in Gemeinschaft mit Gott. Gehalten, gewollt auch da, wo eigene Fähigkeiten und eigene Kraft nicht reicht.

Amen