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Samstag, 20. April 2013

Keine Angst, die beißt nicht, die Liebe - Konfirmation 2013

Text: 1. Johannes 4,9.10.16.18.19
Liebe Konfis, liebe Gemeinde!
Er zu ihr, frisch verliebt: Schatz, weißt du, wir sind jetzt schon vier Wochen zusammen und ich liebe dich wie am allerersten Tag. Eigentlich noch viel mehr. Und ich will dir jetzt was sagen, was ich noch nie im Leben einem Mädchen gesagt habe. Was, was mir total wichtig ist. Jetzt ist es endlich so weit. Schatz, willst du heute Abend mit mir und Marc und Niko Black Ops 2 zocken?
Anderer Tag, anderes Paar, sie zu ihm: Schatz, weißt du, wir sind jetzt schon vier Wochen zusammen und ich liebe dich wie am allerersten Tag. Eigentlich noch viel mehr. Und ich will dir jetzt was sagen, was ich noch nie im Leben einem Jungen gesagt habe. Was, was mir total wichtig ist. Jetzt ist es endlich so weit. Schatz, willst du morgen mit mir und meinen Mädels bei H&M shoppen gehen und hinterher einen richtig schönen Cappuccino trinken?
Das Ende zweier wunderbarer Beziehungen? Wer weiß?! Natürlich gibt’s Mädels, die gern Computer zocken und Jungs, die gern mal shoppen gehen. Aber ich glaube, dass sich die wenigsten Mädchen und Frauen über einen Abend mit den besten Kumpels des Freundes und einem relativ brutalen Computerspiel und die wenigsten Jungs oder Männer über eine Shopping-Cappuccino-Tour mit den besten Freundinnen der eigenen Freundin freuen würden. Es könnte das Ende der Beziehung sein, der Liebe. Vielleicht, weil der Gedanke da ist: „Sag mal, hat der (oder die) mich in den vier Wochen nicht besser kennengelernt? Denkt der (oder die) nur an die eigenen Hobbys und Freunde? Anscheinend bin ich ihm (oder ihr) gar nicht wichtig!“ Da gibt sich jemand keine Mühe, mal nachzudenken, was ich brauche, denke, fühle – also hat das alles keinen Sinn. Es könnte das Ende sein. Es könnte aber auch der Start in eine neue Phase sein. „Okay, das ist zwar nicht mein Traum, aber offensichtlich liebt er oder sie mich so, dass er oder sie mich bei etwas dabei haben will, was sehr wichtig ist. Und offensichtlich bin ich ihm oder ihr vor seinen Freunden oder ihren Freundinnen nicht peinlich!“ Beides denkbar – das Ende oder die Vertiefung der Liebe. Wer weiß?! Eben keiner. Liebe kann man nicht wissen. Liebe kann man nur leben. Liebe ist etwas höchst Lebendiges. Sie kann wachsen oder eingehen, sie muss gepflegt werden und ist nie unabhängig von denen, die lieben. Es gibt keine objektive Liebe, die man betrachten und beschreiben und dann wieder weglegen kann. Liebe ist immer subjektiv. Weil da immer Subjekte, eigene Persönlichkeiten, die nicht austauschbar sind, miteinander eine Beziehung haben. Ich will jetzt in der Predigt keinen Beziehungsratgeber für die erste oder zweite Liebe von Konfis, die schon da ist oder die noch kommen wird, geben. Mir ist nur aufgefallen, dass neun von sechzehn Konfis

Regeln lenken nur vom Wesentlichen ab - Konfirmation 2013, Abendmahlsgottesdienst

Text: Lukas 19,1-10
Liebe Konfis, liebe Gemeinde!
Ich finde, dass wir in Konfer viel zu viele Regeln hatten und haben. Als Voraussetzung für die Konfirmation sollte man jede Woche in Konfer gewesen sein oder eine Entschuldigung gehabt haben, mindestens 23 mal im Gottesdienst gewesen sein, sich weniger als vier rote Karten abgeholt haben, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, den 23. Psalm und die Zehn Gebote auswendig können, mitarbeiten, nicht dauernd dazwischen schwätzen, auf das hören, was ich und die anderen Mitarbeiter sagen und, und, und… - ganz schön viele Regeln. Und für manche von euch Konfis war es gar nicht so einfach, die Regeln alle einzuhalten und für mich und die anderen Mitarbeiter war es auch nicht immer leicht, darauf zu achten, dass die Regeln wenigstens so einigermaßen eingehalten wurden. Das hat ganz schön viel Kraft gekostet. Was wäre eigentlich passiert, wenn wir gar keine Regeln gehabt hätten? Das wäre eigentlich mein ganz persönlicher Traum. Ein Konfirmandenunterricht, der keine Regeln braucht. Zumindest keine Regeln über das Auswendiglernen, den regelmäßigen Gottesdienstbesuch, das gegenseitige Zuhören, das regelmäßige Kommen. Ob der wohl funktioniert? Was würde wohl passieren?
Ich bin Realist. Ich glaube, dass Menschen Regeln brauchen. Erwachsene genauso wie Kinder und Jugendliche. Menschen brauchen Regeln, damit die Ehrlichen, die Rücksichtsvollen, aber auch die Schwächeren geschützt werden und sich entwickeln können. Aber gerade in Konfer und vielleicht auch in der Kirche und der Gemeinde überhaupt würde ich gern mal auf Regeln verzichten. Weil Regeln gerade in Konfer manchmal zu einem Missverständnis führen. Konfirmation – übersetzt heißt das ja nichts anderes als eine feste Beziehung zu Gott – Konfirmation wäre eine verdiente Belohnung dafür, dass man sich an Regeln hält. So was wäre wirklich ein Missverständnis. Eigentlich ist es eher umgekehrt – dass ich rücksichtsvoll bin, dass ich Schwächeren helfe, zu ihrem Recht zu kommen, dass ich nachfrage, was in der Bibel steht, dass ich in einer Gemeinde nicht nur für mich selber lebe, sondern Kontakte zu anderen suche, im Gottesdienst und bei andern Gelegenheiten, dass ich mich mit andere treffe, um was aus der Bibel zu hören, um zusammen zu beten, das ist alles keine Voraussetzung für eine gute Beziehung zu Gott, das ist alles nicht die Voraussetzung dafür, dass Gott einen Menschen, mich , liebt, sondern eher das Ergebnis davon, dass ich das in mir drin spüre und weiß: ich bin für Gott was wert.
Die Voraussetzung für eine gute Beziehung zu Gott ist kein perfektes oder auch nur annähernd gutes Leben, das den Regeln entspricht. Es gibt nur eine einzige echte Voraussetzung: Neugier. Den Wunsch, Jesus kennenzulernen. Alles andere kann dann erst später kommen. Wie ist das mit euch: Wart ihr neugierig

Donnerstag, 3. Mai 2012

Lebst du noch oder wohnst du schon? - Konfirmation 2012


Musik einspielen, HipHop: dann „Mach doch mal die Musik leiser, was sollen denn die Nachbarn denken!“ – „Ist mir doch egal!“ Dann was Orientalisches: „Boaah wieder die aus dem 3. Stock mit ihrer arabischen Eierkochermusik, ich halt‘s nicht aus, ich hol gleich die Polizei!“ Dann Volksmusik: „Die Frau Schulze soll sich gefälligst mal Kopfhörer zulegen, wenn sie mit ihren 90 nicht mehr gut hört, das ist ja nicht mehr zum Aushalten!“


Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Paten, Großeltern, Verwandte und Freunde, liebe Gemeinde!
Es ist nicht einfach wenn viele verschiedene Menschen zusammenleben. Und es gibt ja noch viel mehr Streitpunkte: der Müll, das Putzen, die Gerüche beim Kochen und, und, und. Oder auch die Geschwister, die nerven und einem keinen Platz lassen, die Eltern, die andere Vorstellungen von Ordnung haben und die Augen verdrehen, wenn sie die kreative Raumgestaltung der Kinder sehen oder, oder, oder. Jeder kann wahrscheinlich eine ganze Menge Erfahrungen beitragen. Und je nachdem, wie man wohnt, sind die Träume dann schnell da: wenigstens ein eigenes Zimmer, das ich für mich habe, wo ich die Tür zumachen kann und keine Geschwister nerven. Endlich eine eigene Wohnung, wo die Eltern nicht mehr reinreden. Oder ein eigenes Häuschen, in dem man die Geräusche und Gerüche der Nachbarn nicht mehr so mitbekommt. Ein Stück persönlicher, ganz privater Himmel! Da passt alles, da ist es fast perfekt.

Ein Stück Himmel! Ja. Ein Stück Himmel ist auch auf den Gottesdienstblättern heute drauf. „Was, das ist doch der Richtsberg!“ werden jetzt vielleicht manche denken. Ja, das ist der Richtsberg. Und auch noch eine Ansicht, auf der man ganz besonders die Hochhäuser mit ihren vielen Wohnungen sieht. Und viele wissen oder können sich ausmalen, was da alles ist: Neben vielen netten Men-schen auch unglaublich anstrengende Leute. Leute, die mittags schon besoffen auf dem Marktplatz oder vor der Kirche sitzen. Jugendliche, die auch mal kriminelle

Glaubst du Gott? - Konfirmation 2012, Beicht- und Abendmahlsgottesdienst

Text: Lukas 7,36-50
Liebe Konfis, liebe Gemeinde!


Glaubst du Gott? Nein, ich hab mir jetzt nicht angewöhnt so wie manche Jugendliche zu sprechen und Satzteile wegzulassen, so nach dem Motto: „Gehst du Kirche? Hast du Rücken?“ Ich will wirklich nicht fragen: „Glaubst du an Gott?“, sondern: „Glaubst du Gott?“ Die Frage hat vor ein paar Monaten Fossy in seiner Predigt im letzten Jugendgottesdienst gestellt. Fast alle von euch Konfis waren da. Und obwohl wir jetzt fast ein Jahr viel miteinander erlebt und geredet haben, obwohl ich euch immer ein Stück mehr kennengelernt habe, weiß ich nicht, wie ihr antworten würdet. Ihr könnt alle auswendig sagen: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen…“ und so weiter. Und ich glaube euch tatsächlich, dass ihr das, trotz und mit allen Fragen, die ihr habt, auch ernst meint, wenn ihr das im Gottesdienst mitsprecht. Aber ob ihr Gott glaubt, dass er jeden von euch tatsächlich liebt, dass er mit jedem von euch tatsächlich was zu tun haben will? Es hört sich einfach an, wenn ich jetzt, am Ende der Konferzeit, nachdem ihr alles, was ihr lernen solltet auch ganz passabel gelernt habt, sage: „Ihr braucht nicht an Aussagen zu glauben, die Leute lange vor euch gemacht haben, ihr braucht nicht an Gebote zu glauben, es reicht, wenn ihr Gott glaubt!“ – dann hört sich das viel einfacher an, als es ist. Es ist nämlich viel leichter, daran zu glauben, dass es zum Beispiel Regeln und Gebote gibt, die sinnvoll und hilfreich sind, an Sätze zu glauben wie „Gott ist der Schöpfer der Welt“ oder „Jesus starb für unsere Schuld“, als Gott seine Liebe zu mir zu glauben. Hört sich vielleicht jetzt abgehoben und oberschlau an, ist aber eigentlich genau das, um was es in der Geschichte aus der Bibel geht, die wir gerade gehört haben und was meiner Meinung nach auch das Entscheidende im Glauben überhaupt ist: Nicht möglichst viele Sätze zu kennen und zu können, sondern Vertrauen zur Liebe zu haben, Gott zu glauben, dass er mich kennt, mich liebt, mich meint.

Simon, der in der Geschichte aus der Bibel Jesus zum Essen eingeladen hat, war einer, der es ernst mit dem Glauben meinte. Er kannte die Regeln gut

Sonntag, 8. Mai 2011

Entspannt Leben - gechillter bleiben - Konfirmation 2011, 08.05.2011

Konfis 2011, Gruppe 2 (Foto: UKB)
Text: 1. Petrus 5,7


All eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch!

Liege rausholen, aufbauen, Talar ausziehen, entspannt hinlegen, nach Drink rufen, Moderation…



Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Konfis 2011, Gruppe 1 (Foto: UKB)
So entspannt wäre ich heute gern! Einfach rumliegen, keine Sorgen mehr! Keine Sorge, dass die Predigt heute zu lang wird, wie Doreen oder Vanessa es befürchten, oder zu langweilig, wie vielleicht manche anderen befürchten. Keine Sorgen, ob wir in Konfer alles richtig gemacht haben. Keine Sorgen mehr, das vielleicht niemand mehr nach Konfer mit Kirche was zu tun haben will. Keine Sorgen, dass vielleicht mancher Lebensweg von euch Konfis nicht so toll läuft. Keine von den anderen Sorgen, die heute Morgen vielleicht da sind. Einfach entspannt chillen! Aber wie werde ich die Gedanken, die Sorgen, die sich immer in meinen Kopf schleichen, los?

Ganz früher, ich glaube sogar, noch bevor ich selbst geboren wurde, gab es mal ein Lied, das hieß: „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“. Aber das funktioniert nicht. Weder mit Wein noch mit Bier oder Wodka. Weder mit einem Gläschen noch mit ein oder zwei Fläschchen. Man denkt zwar vielleicht einen Moment, dass es hilft, aber je mehr man das versucht, desto mehr melden sich die Sorgen wieder und sie werden größer.

Entspannt chillen und entspannt leben, Sorgen loswer-den, das muss irgendwie anders gehen. Aber wie? Im Alltag funktioniert das oft ganz passabel mit anderen Menschen. Als kleines Kind sind es meistens die Eltern, die dann herhalten und denen man zumindest fast alles erzählt. Als Jugendliche oder Jugendlicher sind das öfter dann wahrscheinlich Gleichaltrige, manchmal vielleicht auch Geschwister oder hin und wieder vielleicht auch mal jemand anderes aus der Erwachsenenwelt, bei dem an sorgen loswird. Aber ganz so einfach wie früher ist das nicht. Ich glaube mal, dass man sich als Jugendlicher ganz genau überlegt, wem man was erzählt. Klar, die El-tern sollen und müssen vielleicht auch nicht immer alles wissen, selbst der Lehrer, zu dem man ganz viel Vertrau-en hat, bleibt am Ende doch jemand, der einem Noten gibt und bei Freunden ist das auch so eine Sache. Man vertraut nicht jedem alles an. Wer weiß, vielleicht wird doch was weitererzählt oder das Image stimmt nicht mehr, wenn Schwächen zugegeben werden. Ich war sehr positiv überrascht, wie offen und ehrlich manche von den Konfis mit den Mitarbeitern und manchmal auch mit mir über ihre Sorgen gesprochen haben. Ein unglaublich großer Vertrauensbeweis ist das. Aber trotzdem:

Donnerstag, 22. April 2010

Fast perfekt - Konfirmationen 2010, 18. und 25.04.2010



Text: Ps 8,5+6
Was ist der Mensch, dass du, Gott, an ihn denkst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herr-lichkeit hast du ihn gekrönt!
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Paten, Großeltern, Verwandte und Freunde, liebe Gemeinde!
Spiegel halten lassen, reinschauen, zurechtmachen
Jetzt geht’s wieder. Endlich. Was einem da manchmal so aus dem Spiegel entgegenschaut, das ist schon merkwürdig. Ich weiß nicht, wie es euch und ihnen heute Morgen ging. Seid ihr zufrieden gewesen? Gerade dann, wenn es drauf ankommt, ist man oft besonders kritisch mit sich selbst. Da fallen einem Sachen auf, die man sonst leicht übersieht. Aber man kann ja was dagegen machen. Brauchtet ihr Hilfsmittel, um zufrieden in den Spiegel schauen zu können oder nicht? Egal wie, es hat es sich gelohnt, wenn ich euch jetzt so ansehe. Aber ist das immer so? Wer schaut euch im Spiegel normalerweise an? Ein toller Mensch, strahlend schön, richtig gut, innerlich und äußerlich? Oder ein Wesen, mit dem ihr unzufrieden gewesen seid, manchmal ganz fremd, obwohl das Gesicht einem doch irgendwie bekannt vor-kommt? Ist auch egal, denn ich glaube, wenn er oder sie ehrlich ist, kennt jeder von uns, egal ob jugendlich oder erwachsen, beide Gefühle beim Blick in den Spiegel. Die Momente, in denen ich ganz zufrieden mit mir bin und die, in denen ich mich selbst gar nicht anschauen mag und denke, mit mir will ja keiner was zu tun haben, ich bin irgendwie nichts wirklich wert. Was uns da entgegen-schaut, ist das Bild eines Menschen. Davon gibt es ziem-lich viele auf der Welt, im Moment knapp 7 Milliarden. Da kann man, wenn man drüber nachdenkt, schon leicht das Gefühl kriegen: bei der Masse kommt es auf mich nicht wirklich an. Was ist denn an mir schon so beson-ders, dass ich wirklich wichtig bin? Wenn man weiter drüber nachdenkt, fallen einem ziemlich viele Sachen ein, die Menschen machen – auch ich – und die nicht gerade toll sind. Menschen können lügen, können sich gegenseitig das Leben schwer machen, können lästern, betrügen, neidisch und eifersüchtig sein und noch viel mehr. Seid ihr ja alles nicht, macht ihr ja alles nicht, ich weiß, oder?
Also, wer schaut mich an, wenn ich in den Spiegel schaue? Ein toller Kerl, ein tolles Mädchen, eine tolle Frau – oder jemand, von dem andere sagen: der taugt nichts, die ist dumm, die ist zu frech, der ist zu klein? Ein Mensch schaut mich an. Ein Mensch, der was kann und dem was zugetraut wird. Was ist der Mensch, dass du, Gott, an ihn denkst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt! Ein Mensch schaut mich an, der von Gott gewollt ist, an den Gott denkt, den Gott mit Ehre und Herrlichkeit aus-gestattet hat. Das hört sich ziemlich geschwollen an und im Alltag fällt es uns oft schwer, diese Ehre und Herr-lichkeit zu sehen. Bei uns selbst und bei anderen. Wir Menschen neigen dummerweise dazu, uns selbst nicht damit zufrieden zu geben, dass wir alle auf einer Stufe sozusagen knapp unter Gott stehen, sondern wir bauen immer noch mehr Stufen ein. Da gibt’s welche, die sind in unseren Augen ganz viel wert, weil sie so sind, wie wir es gut und richtig finden. Das ist ganz unterschiedlich, was das alles sein kann. Für die einen gehört dazu, mög-lichst cool und stark zu sein, bloß nicht zum Opfer zu werden. Für die anderen gehört dazu, möglichst schön zu sein und reich zu sein, möglichst bis 70 total jung auszusehen. Für wieder andere gehört dazu, möglichst klug zu sein und viel zu wissen. Für wieder andere, sich möglichst stark irgendwo zu engagieren. Von diesen verschiedenen Stufen und Einteilungen des Menschseins steht aber überhaupt nichts in der Bibel. Nicht nur mich und die, die so sind wie ich oder die ich bewundere, hat Gott mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt. Sondern den Menschen überhaupt. Manchmal ist das ziemlich schwer zu verstehen. Manchmal im Bezug auf mich selbst, weil ich mich nicht so gut leiden kann, manchmal, vielleicht sogar öfter, aber auch im Bezug auf andere, die ich nicht mag und von denen ich denke, die sind schlechter als ich. Vielleicht, ich wünsche es mir und euch und ich bete dafür, ist Konfer so ein guter Baustein und Mutmacher auf dem Weg, auch in dem Menschen, der ganz anders ist als ich und als ich es gut finde, den zu sehen, der er vor Gott und für Gott ist. Ein Mensch, der geliebt wird und der fähig ist zu lieben. Das sind für mich die Ehre und die Herrlichkeit, die der Mensch hat. Die Fähigkeit, trotz allem, was schief gehen kann, zu lieben und die Liebe von anderen anzunehmen. Die Fähigkeit, nicht nur Dinge zu machen, die mich selbst voranbringen, sondern mit anderen und für andere etwas zu machen. Auch, wenn es mir selbst keinen unmittelbaren Nutzen bringt. Wie gesagt, wenn es gut gelaufen ist, ist Konfer vielleicht so ein kleiner Baustein auf dem Weg, das für sich wirklich hören und im Leben umsetzen zu können. In Konfer mussten wir es miteinander aushalten. Nicht immer einfach, weil eben viele ganz unterschiedliche Lebensent-würfe aufeinanderprallen. Und auch viele Arten mit Kirche, Glauben und Gott umzugehen. Ich weiß nicht, was ihr mitnehmt aus diesem Jahr. Wenn es gut läuft, das Gefühl, Mensch sein zu dürfen und auch in schwierigen Situationen nicht gleich weggeschickt zu werden oder es wert zu sein, dass man sich auch mit euch beschäftigt, wenn ihr ganz anders seid, als viele es wol-len. Wenn es richtig gut gelaufen ist, vielleicht auch den ein oder anderen Ansatz, das auch mal bei anderen zu probieren. Menschen, die anders sind, nicht niederzuma-chen oder zu denken, die sind nichts wert, sondern es mit ihnen immer wieder zu versuchen. So, wie Gott es mit jedem von uns immer wieder versucht. Ich wünsche euch, dass Konfer keine Endstation ist, sondern ein Anfang, aus der Ehre und der Herrlichkeit, die ihr habt, was zu machen und anderen dabei zu helfen, in ihrem Leben das auch entdecken zu können. Das ist nicht der leichteste Weg im Leben. Weil er sich nicht mit dem zufrieden gibt, was da ist, sondern auf das hofft und sich an dem orien-tiert, was möglich ist. Es ist immer bequemer, einfach so das zu machen, was ich sowieso gerade mache und nichts Neues oder anderes zu probieren. Ihr seid Menschen – probiert doch einfach mal aus, anderen zu helfen, ihre Menschlichkeit zu entdecken. Dabei wird es Rückschläge geben. Das ist manchmal leichter gesagt als getan, mir fehlt oft die Kraft dazu. Da ist es gut, zu wissen: Ich bin nicht allein. Gott will mir Kraft geben, es trotzdem immer wieder mit diesem Weg zu versuchen.
Ich glaube, dass das auch für Eltern gut tun kann, die entdecken, dass ihr Kind, je erwachsener es wird, desto mehr eigene Wege geht, mit denen man sich als Mutter oder Vater auch mal schwer tut. Das, was der Psalm sagt, das ist es, was Gott auch von meinem Kind denkt – und von mir. Auch wenn mein Kind im Moment Schwierigkeiten hat. Auch wenn ich mit meiner Kraft am Ende bin. Das gilt auch für Großeltern, Lehrerinnen und Lehrer, Vikarin, sogar für mich als Pfarrer. Wir brauchen diese Erinnerung, um nicht durchzudrehen, um nicht an Schwierigkeiten, am Zweifel an uns selbst oder an anderen Menschen kaputt zu gehen. Gott denkt nicht an uns, weil wir alles perfekt machen und für alles sorgen müssen, sondern weil wir als Menschen es wert sind. Einfach so. Weil wir lieben können. Auch wenn wir es manchmal mühsam lernen müssen. Konfer als Station auf dem Weg, in sich selbst und im anderen echte Men-schen sehen können – ich wünsche euch, ihnen, mir, uns allen, dass das so sein möge. Dass die Zukunft für euch, für uns eine Zukunft ist, in der die Liebe, die Gott in unser Leben gelegt hat und die wir weiterschenken kön-nen, wirklich kräftig wird. Wenn ich eure Konfirmations-sprüche sehe, dann habe ich da wirklich gute Hoffnung, denn sie erzählen alle von einer solchen Zukunft, in der es sich zu leben lohnt. Ich wünsche euch, dass sie euch zu guten Wegweisern werden. Und ich wünsche uns, dass wir alle gern in den Spiegel schauen, egal wie viele Falten, graue Haare, Pickel oder sonstige Schwachstellen entdecken, weil uns da immer wieder jemand entgegenlächelt, der Mensch ist – von Gott geliebt und gewollt. Amen

Ihr MÜSST euch nicht an Relgeln halten - Konfirmationsabendmahl 17.04.2010

Text: Joh 8,31-36

Liebe Konfis, liebe Gemeinde!
Wer ist eigentlich wirklich frei? Der, der sich an keine Re-geln halten muss? Der, der dienstags nicht mehr in Konfer und sonntags nicht mehr in die Kirche muss? Der, der so stark ist, dass er sich nehmen kann, was er gerade will? Ich glaube schon, dass viele Menschen, nicht nur Jugendliche, Freiheit genau so verstehen. Frei bin ich, wenn ich mich an keine Regeln halten muss, wenn ich machen kann, was mir Spaß macht und ich mich vor niemanden für irgendwas rechtfertigen muss. Ich kann es verstehen, wenn man als Jugendlicher so oder so ähnlich denkt. Schließlich kriegt man ja überall Einschränkungen mit. Offiziell darf man erst mit 18 Alkohol trinken oder rauchen, viele Filme darf man offiziell erst ab 18 sehen, für Führerschein und viele andere Sachen gibt es Altersgrenzen. Und es gibt eine Schulpflicht. Ich kann verstehen, dass viele sagen: frei bin ich dann, wenn ich mich an keine Regeln halten muss. Ja, ich glaube auch: Nur der ist frei, der sich an keine Regeln halten muss! Punkt! Ich glaube sogar, dass Jesus so gedacht hat, als er das von der Wahrheit gesagt hat, die die an ihn glauben, erkennen können und die frei macht. Frei ist der, der sich an keine Regeln halten muss. Das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist aber noch größer. Wirklich frei ist nämlich nur der, der sich an Regeln halten will. Nicht muss. Frei bin ich dann, wenn ich mich nicht beherrschen lasse. Weder von meinen Gefühlen und Lüsten, die ich gerade im Moment habe. Sondern wenn ich mir Zeit nehme, auch mal drüber nachzudenken, ob es wirklich gut ist, was ich gerade vorhabe und vielleicht mal nicht meiner Lust, sondern meinem Verstand folge. Frei werde ich nicht, wenn sich mein ganzes Denken und Handeln immer nur um das dreht, was ich gerade will. Dann werde ich blind. Ich sehe nur mich. Selbst die Freunde oder die anderen, die mit mir rumhängen oder bei mir sind, sehe ich nur in dem Ausschnitt, in dem sie für mich nützlich sind. Genau das ist es, was der alte Begriff Sünde eigentlich meint. Das ist nicht in erster Linie die einzelne falsche Tat, der geklaute Lippenstift, das Abschreiben, die eingetretene Scheibe oder was anderes. Sondern die Grundhaltung: nur ich selbst zähle. „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!“ Wer seinen Weg mit Gott geht, der kann sehen, dass das Leben viel mehr und viel bunter ist. Der muss nicht immer um seinen Vorteil kämpfen, weil er bei Gott schon längst im Vorteil ist. Die Wahrheit ist, dass wir nicht allein sind und dass nicht alles von mir abhängt. Das macht frei, weil ich eben auch mal schwach sein darf und auch mal nach rechts und links, oben und unten, vorne und hinten gucken kann und nicht nur auf meinen Bauchnabel. Wenn ich das sehen kann, werde ich auch erkennen, dass ich so frei sein darf, Regeln einzuhalten. Nicht aus Zwang, sondern weil sie schützen. Schwächere vor mir. Und manchmal auch mich selbst vor manchen Kurzsichtigkeiten. Ich habe euch versprochen, heute nicht zu lang zu predigen, deshalb mache ich auch Schluss. Erkennt die Wahrheit, werdet frei – und wenn ihr schon frei seid – lasst euch nicht wieder gefangen nehmen.
Amen

Montag, 27. April 2009

Von Top-Konfis und neuen Einsichten - Predigten im Abendmahlsgottesdienst und zur Konfirmation 2009



Predigt Abendmahlsgottesdienst 2009
Schriftlesung: Lk 15,11-32
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Verwandte, liebe Gemeinde!
Wer von den Konfis hat es denn überhaupt verdient, konfirmiert zu werden? Vielleicht wäre Konfer ja witziger, wenn wir eine Konf-Casting-Show daraus machen würden. Richtsbergs next Topkonfi oder Richtsberg sucht den Superkonfi. Und zu solchen Castingshows gehört es ja auch, dass manchmal die Kandidaten gefragt werden, wen sie denn rauswerfen würden, wer es ihrer Meinung nach nicht verdient hat. Könnte ich ja mal versuchen - vielleicht würde ja auch jemand sich selbst rauswerfen, vielleicht andere, die es seiner oder ihrer Meinung nach nicht verdient haben. Wer von euch hat’s verdient - konfirmiert zu werden und wer hat verdient, dass für ihn oder für sie eine Feier ausgerichtet wird, die von einem selbst nicht bezahlt wird und zu der man auch noch Geschenke kriegt? Mal ehrlich!

Wollt ihr wissen, was ich denke, wer es verdient hat? Ich sag’s euch gern und ehrlich - KEINER! Keine Angst, ich kann euch und eure Eltern beruhigen! Ich schmeiß jetzt keinen mehr raus heute Abend, ihr werdet morgen konfirmiert. Wenn ihr selber morgen „Ja“ dazu sagt, wenn ich euch frage. Keiner hat’s verdient, weil es eben nichts ist, was man sich verdienen kann. Viele haben sich an die meistens Regeln gehalten, waren eigentlich immer da, haben, so gut sie konnten, das gelernt, was zu lernen war und waren in den Gottesdiensten und haben da sogar, so wie heute Abend ja auch, das ein oder andere gemacht. Manche haben meine Geduld da etwas mehr strapaziert. Aber ich will jetzt heute Abend keine Noten geben und von gestern erzählen. Denn genau das ist ja der Clou an der Geschichte, die ihr eben aus der Bibel vorgelesen habt, der Geschichte vom verlorenen Sohn. Die räumt auf mit unseren Vorstellungen davon, dass man sich alles verdienen muss und dass das Leben und vor allem der Glauben an Gott und die Kirche als Gemeinschaft der Menschen, die an Gott glauben, ein System von sich was verdienen müssen und dann dafür belohnt werden ist. Ich glaube, in unserem Alltag verstehen die meisten von uns den älteren Sohn in der Geschichte am besten. Der kleine Bruder hats doch selbst vergeigt. Der hat seine Chance gehabt, hat das Geld zum Fenster rausgeschmissen, Alkohol, Drogen, Frauen, dem war die Familie und der Hof egal. Der hats nicht verdient, dass für ihn ein tolles Fest ausgerichtet wird und dass er auch noch Geschenke kriegt. Der ältere Bruder hat doch Recht, wenn er sauer ist. Er schuftet sich ab, hält sich an die Regeln und dann wird der Vater weich und knickt ein. Aber ich finde nicht, dass der Vater hier einknickt. Der jüngere Sohn stellt nämlich keine Ansprüche. Er will einfach nur da sein dürfen, er will dazu gehören, und wenn’s am allerniedrigsten Platz ist. Er weiß, dass er es vergeigt hat und dass er das auch nicht auf die Umstände, die Schule, die Gesellschaft oder irgendjemand anders schieben kann. Und der Vater merkt das. Er merkt, dass der Wille da ist, neu anzufangen und er gibt eben die Chance, wieder richtig dazuzugehören. Einfach so. Nicht als Verdienst, sondern aus Liebe. Jesus erzählt die Geschichte, weil er klar machen will, wie Gott mit Menschen umgeht. Dass die Menschen sich die Liebe nicht verdienen können, dass Gott nicht nach Verdiensten bezahlt, sondern seine Liebe darauf wartet, dass Menschen zu ihm kommen wollen. Auch wenn sie es nach Ansicht von anderen nicht verdient haben. Gottes Liebe kann man nicht verdienen. Sie ist da. Man kann sie nur annehmen. Und deshalb finde ich es schwierig, wenn Menschen in der Kirche sagen: du musst dir was verdienen, zum Beispiel, dass du dazugehörst. Konfirmation, das Zeichen dafür, sozusagen erwachsen zur Gemeinschaft mit Gott zu gehören, kann man sich nicht verdienen. Deshalb hats von euch auch keiner verdient. Man kann sie nur wollen. Auch die, die sich nicht immer leicht damit getan haben, die Regeln, die ja auch dazu da sind, den gegenseitigen Respekt auszudrücken, einzuhalten, haben am Ende sich immer wieder aufgerafft und gezeigt, dass sie das wollen. Wie ernst und wie ehrlich das jeder einzelne meint - das kann ich nicht beurteilen. Ich kann jedem nur bis vor den Kopf und vor das Herz schauen. Lügen, Unehrlichkeit, das muss jeder mit sich selbst und mit Gott ausmachen. Nicht nur wenn’s um die Konfirmation geht. So, wie der jüngere Sohn auch dann, wenn man’s total vergeigt hat, ehrlich bleiben - das ist etwas, was ich nicht nur euch Konfis, sondern uns allen wünsche, dass wir das schaffen. Und dass wir es schaffen, auch zuzugeben, wenn wir versagt haben. Und den Mut haben, einen Neuanfang in die Hand zu nehmen und zu wagen. Und die Chance zum Neuanfang kriegen. Von Gott und von andern Menschen. Deshalb gehört gleich auch ein Sündenbekenntnis zum Gottesdienst. Keiner wird gezwungen, sich vor anderen dabei lächerlich zu machen oder Peinliches zu sagen. aber es ist eine Chance, ehrlich zu sich selbst und zu Gott zu sein. Und das Abendmahl ist das äußere Zeichen dafür, dass Gott uns einlädt, wirklich zu feiern, mit ihm, miteinander, die Liebe zu feiern, auch wenn wir nicht perfekt sind. Verdienen kann man sich das nicht. Nur annehmen und leben. Und deshalb habt ihr die Konfirmation nicht verdient - und ich konfirmiere euch gern. Nicht, weil ich euch loswerden will und froh bin, wenn ich euch nicht mehr sehen muss, sondern weil ich finde, dass ihr dazugehört und dass ich ein Stück ärmer wäre, wenn ich euch nicht kenne würde und dass sowohl unserer Gemeinde als auch der Gemeinschaft aller Christen ohne euch was fehlen würde.
Amen

Predigt Konfirmation 09, 26.04.09, Text: Ps 119,66 Herr, lehre mich heilsame Einsicht und Erkenntnis, denn ich traue deinen Geboten.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Paten, Großeltern, Verwandte und Freunde, liebe Gemeinde!
Warum steht eigentlich eine Leiter hier vorne rum? Der Hausmeister hat nicht vergessen, die wegzuräumen. Sie steht hier, weil man da prima draufklettern kann. Und von hier oben sieht die Welt schon ganz anders aus. Man hat einen prima Überblick. Ich sehe viel besser, wer alles da ist. Ich sehe, wer vielleicht gerade Dummheiten macht und nicht aufpasst. Und außerdem: Wenn man oben steht, müssen alle zu einem aufschauen. Nicht umsonst steht ja auch bei Siegerehrungen der Erste immer ganz oben. Aber wer oben ist, kann auch leicht runterfallen. Kommt immer auf den Blickwinkel an, ob das gut ist oder schlecht, oben zu stehen. Auf alle Fälle kriegt man neue Einsichten, wenn an oben steht. Ich komm aber mal wieder runter. Und räum auch gleich die Leiter aus dem Blickfeld, damit sie nicht den Blick auf das Wesentliche, das gleich sein wird, verstellt.

Auf den Blickwinkel kommt’s an, auf die Einsichten und Erkenntnisse, die man gewinnt. Oben hat man einen guten Überblick, sieht viel, aber oben ist man auch einsam. Mittendrin ist es doch viel kuschliger. Da kann man sich ein bisschen verstecken, kann sehen, wie sich vorne einer oder eine abhampelt. Man sieht, wird aber nicht so gut gesehen. Und man gehört irgendwie dazu, wenn man mittendrin sitzt. Auch nicht schlecht. Aber heute merke ich: heute gehöre ich nicht hierhin. Das ist nicht mein Platz. Ich sehe ein, dass ich heute vielleicht doch auf der Kanzel stehen sollte. In einem Konfirmationsgottesdienst gehört sich das so. Auch wenn Dirk oder Jacqueline oder Bianca oder Aline oder jemand von den anderen wieder sagen, dass ich sowieso immer viel zu lang rede und eine von den Michelles oder Alex vielleicht zu Recht sagen: „Sie reden mal wieder viel zu kompliziert.“ Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Der erste Schritt - und nicht das Ende des Wegs.

Für mich ist deshalb die Konfirmation heute auch kein Schlusspunkt, nichts, mit dem etwas endgültig fertig wäre. Klar, die Zeit, in der ihr am Dienstagnachmittag hier sein musstet, ist vorbei. Auch die Zeit, in der ich drauf achte, wie oft ihr in den Gottesdienst kommt. Ich freue mich natürlich, wenn ich euch nicht nur in der Schule oder beim Rewe sehe, sondern auch mal sonntags hier. Aber die Zeit, in der das nicht immer so ganz freiwillig ist, die ist vorbei. Trotzdem ist die Konfirmation für mich kein Schlusspunkt, sondern höchstens eine Erholungspause auf dem Weg, sich zu dem Menschen zu entwickeln, der man im Guten sein kann. Man entwickelt sich durch die Einsichten und Erkenntnisse, die man im Leben entwickelt und bekommt. Man entwickelt sich durch die Fähigkeit, auch mal neue Sichtweisen auszuprobieren und dadurch auch das, von dem man glaubt, man kennt es ganz genau, mal ganz neu und anders zu sehen. Ich habe deshalb auch für heute keinen langen Bibeltext für die Predigt ausgesucht, sondern einen einzigen Vers: „Herr, lehre mich heilsame Einsicht und Erkenntnis, denn ich traue deinen Geboten.“ Das ist eigentlich das, was ich euch wünsche, was euch die Konfirmandenzeit gebracht hat: dass ihr Einsichten und Erkenntnisse bekommen habt, die euch gut tun und die euch ein Stück weiter gebracht haben. Natürlich habt ihr nichts erfahren, was unmittelbar für einen Schulabschluss oder einen Beruf unbedingt wichtig wäre. Aber ich glaube schon, dass mindestens ein paar von euch was erlebt haben: zum Beispiel, dass es gar nicht schlimm ist, mal den Blickwinkel zu tauschen und vorne zu stehen, statt immer nur mittendrin zu sitzen. Sogar heute, wo viele Verwandte und Freunde da sind, stellen sich ein paar von euch hier hin, zeigen sich, lesen etwas, tragen etwas vor. Ich finde das wichtig. Sich was zu trauen. Zu wissen: Ich kann was, ich bin was wert. Ich hoffe, dass auch sie als Eltern oder Verwandte oder ihr als Freunde durch die Konfirmandenzeit oder den Gottesdienst heute manche neue Einsicht oder manchen überraschenden Einblick bekommen habt. Manche, die im Moment in der Schule oder in anderen Bereichen ganz große Schwierigkeiten haben, haben immerhin Konfer durchgehalten und sich immer wieder aufgerafft, auch nach Tiefpunkten. Auch das finde ich eine wichtige Erkenntnis. Dass eben niemand nur so ist, wie ich ihn kenne - als Pfarrer, als Eltern, als Freundin oder Freund, sondern auch andere Seiten hat und haben kann. Oder dass man, auch wenn man sich dienstags wenig oder nichts zu sagen hat, in Fulda zusammen Spaß haben kann. Und wenn’s bei der nächtlichen Suche nach „Geldbeuteln“ ist, gell, Christian. Nein, im Ernst: Ich wünsche euch als bald Konfirmierte, ihnen als Eltern, Familien, Freunde, mir als Pfarrer, uns allen als Gemeinde, dass die Bitte, die heute auf dem Gottesdienstblatt steht, wirklich eure, ihre, unsere, meine Bitte wird: „Herr, lehre mich heilsame Einsicht und Erkenntnis.“ Gott, hilf mir nicht blind zu werden. Hilf mir, nicht immer nur das zu sehen, was ich sehen will und kenne, sondern hilf mir, Leben neu zu erkennen und neu zu entdecken. Hilf mir, das für mich Gute zu finden und nicht in Sachen, Meinungen und so weiter festzustecken, die mich gefangen nehmen und krank machen. Dazu braucht es Begleiter, die einem helfen, hinzuschauen. die einem manchmal auch helfen, das auszuhalten, was man nicht gern sieht. Die einem auch mal über Zweifel hinweg helfen. In der Geschichte aus der Bibel, die Frau Pieh eben vorgelesen hat, ging es ja um Thomas, der einfach etwas Greifbares für seinen Glauben brauchte. Der seine Zweifel hatte. Ich finde es wichtig, dass auch solche Geschichten in der Bibel stehen. Glauben hat nicht damit was zu tun, unmögliche oder unwahrscheinliche Dinge für wahr zu halten. Glauben heißt, dass ich weiß, dass es Wege gibt, die gut sind, auch wenn ich sie manchmal nicht sehen kann. Dass ich ehrlich sein darf. Auch zu mir selbst. Dass ich auch Angst und Zweifel haben darf und daran nicht kaputt gehe. Und da ist es wichtig, nicht allein zu sein. Und manchmal auch mehr zu haben als die Menschen, die sowieso um einen herum sind. Das drückt sich auch in manchen von den Konfirmationssprüchen aus, die ihr euch ausgesucht habt. Jacqueline und die beiden Michelles haben sich einen Spruch ausgesucht, der davon erzählt. Von dem Vertrauen, dass es auch Begleitung durch Gott gibt, wenn Menschen nicht greifbar sind. Davon, das es zum Leben gehört, einen oft unbekannten Weg zu gehen und davon, dass es gut ist, wenn manchmal einer von oben den Überblick behält und die Übersicht über das hat, was ich nicht sehe. In der Sprache der Bibel sind Engel, Boten Gottes, diese Begleiter und ihr Spruch heißt: Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.

Dass es auf diesem Weg nicht immer einfach zugeht und dass ich auch als Getaufter und Konfirmierter Zeiten habe, in denen ich mich schlecht fühle, dass aber Gott einen auch da nicht allein lässt, davon erzählt der Spruch, den Dirk sich ausgesucht hat: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Von dem Selbstbewusstsein, mit dem wir durchs Leben gehen können, weil wir sehen dürfen, dass wir geliebt werden und uns was zugetraut wird, erzählen die Sprüche von Alex Ihr seid das Salz der Erde und Natalia Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte. Aus diesem Selbstbewusstsein kann der Mut entstehen, Gutes an andere weiterzugeben, wovon die Sprüche von Karina Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit und Bianca Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit erzählen. Das alles kann deshalb klappen, weil es ein sicheres Fundament gibt, eine Grundlage, auf die wir bauen können: die Liebe Gottes. Davon erzählen die Sprüche Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Liebe ist aber die Größte unter ihnen, ausgesucht von Aline und Maxim, und Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm, ausgesucht von Christian. Zur Liebe, zum Fundament gehört auch mit dazu, dass wir wissen können, wo wir dran sind, was gut ist und Leben vorwärts bringt und was dem Leben schadet. Neue Einsichten gewinnen wir dann, wenn wir uns orientieren können und nicht in völliger Orientierungslosigkeit mal hierhin und mal dorthin gucken und nicht wissen, was los ist. Deshalb heißt es ja auch: Herr, lehre mich heilsame Einsicht und Erkenntnis, denn ich traue deinen Geboten. Menschen brauchen einen festen Grund, von dem aus und auf dem sie ihren Standpunkt finden und immer wieder überprüfen und neue finden können. Gottes Gebote wollen kein Gefängnis sein, sondern eine Einladung, im Guten auf Entdeckungsreise zu gehen, Höhenflüge zu machen, für andere vielleicht auch zu Engeln, Boten der Liebe Gottes zu werden. Wir dürfen oben stehen, herausgehoben sein, aber auch mal die Freiheit haben, einfach nur mittendrin zu sein. Gott lässt uns leben - nicht in einem Gefängnis, sondern auf einem Weg voller Möglichkeiten und Entdeckungen. Davon erzählt der Spruch von Claudius: Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit. Diese Freiheit, die hilft, mehr Leben zu entdecken und sich selbst, die Menschen und Gott zu lieben, die wünsche ich euch und uns allen. Amen

Mittwoch, 28. Mai 2008

LIEBE-spiel - Konfirmation 2008


Text: 1. Johannesbrief 3,1+2

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! ; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Paten, Großeltern, Verwandte und Freunde, liebe Gemeinde!

Pech im Spiel - Glück in der Liebe! Oder, zum Trost für alle unglücklich Verliebten: Pech in der Liebe, Glück im Spiel! Stimmt das eigentlich? Hat Liebe etwas mit Spielen zu tun? Manchmal kommt es mir so vor. Aber nicht so, wie es diese Sprichwörter einem vormachen. Eher umgekehrt. Ich weiß nicht, wer von euch schon mal gepokert hat. Beim Pokern und auch bei anderen Kartenspielen kommt’s drauf an, die Nerven zu behalten. Auch wenn man schlechte Karten hat nicht gleich alles hinzuwerfen, sondern den anderen dazu zu bringen, dass er glaubt, man hätte gute Karten. Man blufft und taktiert. Und am Ende gewinnt nicht unbedingt der mit den besten Karten sondern der, dessen Bluffs man am wenigsten durchschaut. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das nicht nur im Kartenspiel so ist. Da kriegt nicht immer der netteste Kerl die schönste Frau ab oder umgekehrt. Nur dass es dann noch viel mehr weh tun kann, wenn man zu spät merkt, dass der oder die andere ganz schön geblufft hat und man nicht den Typen mit den besten Karten, sondern eine Null, die gut blenden kann, erwischt hat. Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Die meisten von euch spielen ja gern Playstation und da Spiele mit viel Action. Spiele, in denen man mit Autos durch die Gegend jagt, die man sich im wirklichen Leben nicht leisten kann oder sich in Rollen versetzt, die auch nicht das sind, was man wirklich ist. Es macht Spaß, im Spiel mal ein ganz anderer zu sein. Es macht Spaß, spielerisch besser als andere zu sein. Aber wenn es im richtigen Leben, und gerade dann, wenn’s um Liebe geht, darum geht, anderen was vorzumachen und andere zu besiegen, dann wird’s traurig. Weil ich am Ende nicht mehr weiß, auf was und wen ich mich eigentlich verlassen kann. Liebe ist dann schön und gut, wenn sie zwar spielerisch leicht ist, aber kein Spiel bleibt. Wenn ich wissen kann, dass da nicht geblufft und taktiert wird, wenn es nicht ums Gewinnen geht, sondern wenn ich weiß: Ich bin gemeint. Deshalb habe ich für die Konfirmation heute einen Predigttext ausgesucht, der für mich genau das ausdrückt: Ich bin gemeint. Mir ist es Ernst mit meiner Liebe zu dir. Der erste Teil des Predigttextes steht außen auf dem Gottesdienstblatt. „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“ So heißt der erste Vers im 3. Kapitel des 1. Johannesbriefs. Gottes Liebe macht uns zu seinen Kindern, seine Liebe macht uns liebenswert. „Wir sind es auch!“ Mir ist gerade diese Bestätigung wichtig. Vor allem heute, bei der Konfirmation. Wir sind geliebte und liebenswerte Kinder Gottes. Wir - und zu diesem „Wir“ gehört ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden, gehören Mütter, Eltern, Menschen, die begleiten mit dazu. Es hilft mir als Pfarrer schon manchmal, wenn ich mir sage: „Ihr seid es! Ihr gehört zu Gott, Gottes Liebe gehört euch - auch wenn ihr nicht immer so gewesen seid, wie ich euch gern gehabt hätte. Auch wenn die eine manchmal schon am Anfang der Stunde gefragt hat, wann denn nun endlich alles vorbei ist, die andere ihren Frust über die Schule lautstark abgelassen hat und der dritte sich gern mal mehr oder weniger freundschaftlich mit seinem Nachbarn geprügelt hat. Ihr seid es. Gott meint es ernst mit seiner Liebe zu euch - und ihr habt das Recht auf eine Beziehung zu Gott, die anders ist als das, was ich will.“ Gott meint es ernst mit seiner Liebe zu uns. Ich glaube, das kann auch zwischen Eltern und Kindern gut sein, wenn man sich das gegenseitig immer wieder klar macht. „Du bist es. Du bist geliebt, gewollt, ich kann hoffen, dass Gott dir einen guten Weg zeigt, auch wenn ich dich im Moment überhaupt nicht verstehe und das Gefühl habe, dich gar nicht mehr zu kennen. Gott meint es Ernst mit seiner Liebe zu dir und ich meine es Ernst mit meiner Liebe zu dir, auch wenn du das im Moment nicht so siehst.“ Wer könnte das zu wem sagen? Eine Konfirmandenmutter zu ihrer Tochter? Ein Konfirmand zu seiner Mutter? Ich glaube, beides könnte hoffentlich gehen. Gerade wenn man auf dem Weg ist, erwachsen zu werden, gibt’s die Augenblicke, die manchmal ziemlich lang dauern, in denen man sich ganz fremd vorkommt. In denen Eltern ganz viel Angst davor haben, dass ihr Kind völlig falsche Entscheidungen trifft und in denen Jugendliche das Gefühl haben, dass Erwachsene sie überhaupt nicht verstehen und nur gängeln wollen. Da kann es gut tun, zu wissen, dass es da einen gibt, der für mich da ist, dessen Kind ich bin und der auch für den anderen - das Kind, den Vater, die Mutter - da ist, von dem ich das Gefühl habe, dass meine Liebe ihn oder sie im Moment nicht erreicht. Seht, welch eine Liebe hat uns Gott, der Vater, erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! Seine Liebe ist kein Spiel. Damit ihr eure Lust am Taktieren und Bluffen, am Gewinnen und Ausprobieren nicht in der Liebe, sondern im Spiel austoben könnt, bekommt ihr nachher dieses Spiel auch geschenkt. Damit Liebe spielerisch bleibt ohne zum Spiel zu werden.

Aber der Predigttext geht noch ein bisschen weiter. Im zweiten Vers heißt es: Es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Da ist es wieder, das Gefühl, sich selbst, das Leben und vor allem auch Gott manchmal gar nicht so richtig zu kennen. Das ist normal und gar nicht so schlimm Obwohl es Zeiten im Leben gibt, in denen der Durchblick fehlt, wirst du das wahre, gute und richtige Leben, Gott selbst und dich erkennen. Du wirst erkennen und leben, was Liebe wirklich ist, denn, und das steht an einer anderen Stelle in diesem Brief und das ist in diesem Jahr der Konfirmationsspruch von Jana, Jaqueline, Arthur und Georg: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Wir gehen im Leben nicht immer den geraden und richtigen Weg, sondern manchmal wie in einem Irrgarten oder Labyrinth ziemlich viele Umwege. Manchmal sind wir ganz schön weit weg vom Entscheidenden, von der Liebe. Aber gerade dann können wir uns darauf verlassen, dass Gott es ernst mit uns meint und uns helfen wird, zum Ziel zu kommen. Als Zeichen dafür bekommt ihr noch ein weiteres Geschenk. Ein Kreuz mit einem Labyrinth drauf. Ich weiß, dass die meisten von euch lieber klassische Kreuze mögen. Aber ich finde dieses Zeichen eigentlich besonders schön. Das Kreuz als Zeichen dafür, dass die Liebe Gottes stärker ist sogar als der Tod. Als Zeichen dafür, dass Gott nicht wegläuft, dass seine Liebe und Zusage hält, auch wenn alle Menschen mit einem nichts mehr zu tun haben wollen und selbst die, von denen man dachte, dass sie gute Freunde sind, weg sind. Das Kreuz als Zeichen für eine Liebe, die keine Spielerei ist, sondern die Ernst macht mit den Worten: „Ich liebe dich“ „ja ljubljú tebjá“ „je t’aime“ „I love you“. Und das Labyrinth als Zeichen dafür, dass wir die Hoffnung haben dürfen, zum Ziel zu kommen, auch wenn wir nicht immer den direkten Weg gehen. Das Gott zu uns hilft und uns zeigt, was das Leben gut macht: Lieben, Frieden halten und suchen, Vergebung annehmen und Vergebung schenken. Vertrauen geben und vertrauen können. Hoffnung haben. Glauben. Ich wünsche nicht nur den Konfirmandinnen und Konfirmanden und denen, die zu ihnen gehören, sondern uns allen, dass der Ernst des Lebens nichts Drückendes und Trauriges wird, sondern dass die Liebe der Ernstfall ist. Dass wir nicht mit Menschen spielen, aber die Lust am Spielerischen behalten, dass wir, mit Gottes Hilfe und durch seine Liebe, das Leben immer wieder auch mal leicht nehmen können.

Amen