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Samstag, 20. April 2013

Regeln lenken nur vom Wesentlichen ab - Konfirmation 2013, Abendmahlsgottesdienst

Text: Lukas 19,1-10
Liebe Konfis, liebe Gemeinde!
Ich finde, dass wir in Konfer viel zu viele Regeln hatten und haben. Als Voraussetzung für die Konfirmation sollte man jede Woche in Konfer gewesen sein oder eine Entschuldigung gehabt haben, mindestens 23 mal im Gottesdienst gewesen sein, sich weniger als vier rote Karten abgeholt haben, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, den 23. Psalm und die Zehn Gebote auswendig können, mitarbeiten, nicht dauernd dazwischen schwätzen, auf das hören, was ich und die anderen Mitarbeiter sagen und, und, und… - ganz schön viele Regeln. Und für manche von euch Konfis war es gar nicht so einfach, die Regeln alle einzuhalten und für mich und die anderen Mitarbeiter war es auch nicht immer leicht, darauf zu achten, dass die Regeln wenigstens so einigermaßen eingehalten wurden. Das hat ganz schön viel Kraft gekostet. Was wäre eigentlich passiert, wenn wir gar keine Regeln gehabt hätten? Das wäre eigentlich mein ganz persönlicher Traum. Ein Konfirmandenunterricht, der keine Regeln braucht. Zumindest keine Regeln über das Auswendiglernen, den regelmäßigen Gottesdienstbesuch, das gegenseitige Zuhören, das regelmäßige Kommen. Ob der wohl funktioniert? Was würde wohl passieren?
Ich bin Realist. Ich glaube, dass Menschen Regeln brauchen. Erwachsene genauso wie Kinder und Jugendliche. Menschen brauchen Regeln, damit die Ehrlichen, die Rücksichtsvollen, aber auch die Schwächeren geschützt werden und sich entwickeln können. Aber gerade in Konfer und vielleicht auch in der Kirche und der Gemeinde überhaupt würde ich gern mal auf Regeln verzichten. Weil Regeln gerade in Konfer manchmal zu einem Missverständnis führen. Konfirmation – übersetzt heißt das ja nichts anderes als eine feste Beziehung zu Gott – Konfirmation wäre eine verdiente Belohnung dafür, dass man sich an Regeln hält. So was wäre wirklich ein Missverständnis. Eigentlich ist es eher umgekehrt – dass ich rücksichtsvoll bin, dass ich Schwächeren helfe, zu ihrem Recht zu kommen, dass ich nachfrage, was in der Bibel steht, dass ich in einer Gemeinde nicht nur für mich selber lebe, sondern Kontakte zu anderen suche, im Gottesdienst und bei andern Gelegenheiten, dass ich mich mit andere treffe, um was aus der Bibel zu hören, um zusammen zu beten, das ist alles keine Voraussetzung für eine gute Beziehung zu Gott, das ist alles nicht die Voraussetzung dafür, dass Gott einen Menschen, mich , liebt, sondern eher das Ergebnis davon, dass ich das in mir drin spüre und weiß: ich bin für Gott was wert.
Die Voraussetzung für eine gute Beziehung zu Gott ist kein perfektes oder auch nur annähernd gutes Leben, das den Regeln entspricht. Es gibt nur eine einzige echte Voraussetzung: Neugier. Den Wunsch, Jesus kennenzulernen. Alles andere kann dann erst später kommen. Wie ist das mit euch: Wart ihr neugierig

Donnerstag, 3. Mai 2012

Glaubst du Gott? - Konfirmation 2012, Beicht- und Abendmahlsgottesdienst

Text: Lukas 7,36-50
Liebe Konfis, liebe Gemeinde!


Glaubst du Gott? Nein, ich hab mir jetzt nicht angewöhnt so wie manche Jugendliche zu sprechen und Satzteile wegzulassen, so nach dem Motto: „Gehst du Kirche? Hast du Rücken?“ Ich will wirklich nicht fragen: „Glaubst du an Gott?“, sondern: „Glaubst du Gott?“ Die Frage hat vor ein paar Monaten Fossy in seiner Predigt im letzten Jugendgottesdienst gestellt. Fast alle von euch Konfis waren da. Und obwohl wir jetzt fast ein Jahr viel miteinander erlebt und geredet haben, obwohl ich euch immer ein Stück mehr kennengelernt habe, weiß ich nicht, wie ihr antworten würdet. Ihr könnt alle auswendig sagen: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen…“ und so weiter. Und ich glaube euch tatsächlich, dass ihr das, trotz und mit allen Fragen, die ihr habt, auch ernst meint, wenn ihr das im Gottesdienst mitsprecht. Aber ob ihr Gott glaubt, dass er jeden von euch tatsächlich liebt, dass er mit jedem von euch tatsächlich was zu tun haben will? Es hört sich einfach an, wenn ich jetzt, am Ende der Konferzeit, nachdem ihr alles, was ihr lernen solltet auch ganz passabel gelernt habt, sage: „Ihr braucht nicht an Aussagen zu glauben, die Leute lange vor euch gemacht haben, ihr braucht nicht an Gebote zu glauben, es reicht, wenn ihr Gott glaubt!“ – dann hört sich das viel einfacher an, als es ist. Es ist nämlich viel leichter, daran zu glauben, dass es zum Beispiel Regeln und Gebote gibt, die sinnvoll und hilfreich sind, an Sätze zu glauben wie „Gott ist der Schöpfer der Welt“ oder „Jesus starb für unsere Schuld“, als Gott seine Liebe zu mir zu glauben. Hört sich vielleicht jetzt abgehoben und oberschlau an, ist aber eigentlich genau das, um was es in der Geschichte aus der Bibel geht, die wir gerade gehört haben und was meiner Meinung nach auch das Entscheidende im Glauben überhaupt ist: Nicht möglichst viele Sätze zu kennen und zu können, sondern Vertrauen zur Liebe zu haben, Gott zu glauben, dass er mich kennt, mich liebt, mich meint.

Simon, der in der Geschichte aus der Bibel Jesus zum Essen eingeladen hat, war einer, der es ernst mit dem Glauben meinte. Er kannte die Regeln gut

Donnerstag, 22. April 2010

Ihr MÜSST euch nicht an Relgeln halten - Konfirmationsabendmahl 17.04.2010

Text: Joh 8,31-36

Liebe Konfis, liebe Gemeinde!
Wer ist eigentlich wirklich frei? Der, der sich an keine Re-geln halten muss? Der, der dienstags nicht mehr in Konfer und sonntags nicht mehr in die Kirche muss? Der, der so stark ist, dass er sich nehmen kann, was er gerade will? Ich glaube schon, dass viele Menschen, nicht nur Jugendliche, Freiheit genau so verstehen. Frei bin ich, wenn ich mich an keine Regeln halten muss, wenn ich machen kann, was mir Spaß macht und ich mich vor niemanden für irgendwas rechtfertigen muss. Ich kann es verstehen, wenn man als Jugendlicher so oder so ähnlich denkt. Schließlich kriegt man ja überall Einschränkungen mit. Offiziell darf man erst mit 18 Alkohol trinken oder rauchen, viele Filme darf man offiziell erst ab 18 sehen, für Führerschein und viele andere Sachen gibt es Altersgrenzen. Und es gibt eine Schulpflicht. Ich kann verstehen, dass viele sagen: frei bin ich dann, wenn ich mich an keine Regeln halten muss. Ja, ich glaube auch: Nur der ist frei, der sich an keine Regeln halten muss! Punkt! Ich glaube sogar, dass Jesus so gedacht hat, als er das von der Wahrheit gesagt hat, die die an ihn glauben, erkennen können und die frei macht. Frei ist der, der sich an keine Regeln halten muss. Das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist aber noch größer. Wirklich frei ist nämlich nur der, der sich an Regeln halten will. Nicht muss. Frei bin ich dann, wenn ich mich nicht beherrschen lasse. Weder von meinen Gefühlen und Lüsten, die ich gerade im Moment habe. Sondern wenn ich mir Zeit nehme, auch mal drüber nachzudenken, ob es wirklich gut ist, was ich gerade vorhabe und vielleicht mal nicht meiner Lust, sondern meinem Verstand folge. Frei werde ich nicht, wenn sich mein ganzes Denken und Handeln immer nur um das dreht, was ich gerade will. Dann werde ich blind. Ich sehe nur mich. Selbst die Freunde oder die anderen, die mit mir rumhängen oder bei mir sind, sehe ich nur in dem Ausschnitt, in dem sie für mich nützlich sind. Genau das ist es, was der alte Begriff Sünde eigentlich meint. Das ist nicht in erster Linie die einzelne falsche Tat, der geklaute Lippenstift, das Abschreiben, die eingetretene Scheibe oder was anderes. Sondern die Grundhaltung: nur ich selbst zähle. „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!“ Wer seinen Weg mit Gott geht, der kann sehen, dass das Leben viel mehr und viel bunter ist. Der muss nicht immer um seinen Vorteil kämpfen, weil er bei Gott schon längst im Vorteil ist. Die Wahrheit ist, dass wir nicht allein sind und dass nicht alles von mir abhängt. Das macht frei, weil ich eben auch mal schwach sein darf und auch mal nach rechts und links, oben und unten, vorne und hinten gucken kann und nicht nur auf meinen Bauchnabel. Wenn ich das sehen kann, werde ich auch erkennen, dass ich so frei sein darf, Regeln einzuhalten. Nicht aus Zwang, sondern weil sie schützen. Schwächere vor mir. Und manchmal auch mich selbst vor manchen Kurzsichtigkeiten. Ich habe euch versprochen, heute nicht zu lang zu predigen, deshalb mache ich auch Schluss. Erkennt die Wahrheit, werdet frei – und wenn ihr schon frei seid – lasst euch nicht wieder gefangen nehmen.
Amen