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Samstag, 24. Dezember 2011

Und wo sind die Engel? - Christvesper als Lichterkirche, Hl. Abend 2011

Johannes 1,14a in Verbindung mit Jacopo Tintoretto "Anbetung der Hirten"
Liebe Gemeinde!


Und wo sind die Engel? Wenn etwas zu Weihnachten gehört, dann doch die Engel! Die Menge der himmlischen Heerscharen, die den Hirten die frohe Botschaft von der Geburt Jesu erzählten. Der Engel, der Maria die Botschaft brachte, dass sie schwanger werden würde und dass sich ausgerechnet in ihrem Kind Gott den Menschen zeigen will. Der Engel, der, wie Matthäus es erzählt, Josef im Traum erschien und ihn dazu brachte, zu seiner Frau, die ganz offensichtlich nicht von ihm schwanger war, zu bleiben und der ihn rechtzeitig vor König Herodes warnte, der die neugeborenen Kinder umbringen ließ. Engel als Verbindung zwischen der Welt Gottes und der Welt der Menschen. Engel als diejenigen, die gute Nachrichten bringen oder vor Bösem warnen und so Leben beschützen. Engel haben nicht nur zu Weihnachten Hochkonjunktur. Wenn ich mit Eltern spreche, die ihr Kind taufen lassen wollen, dann ist oft die Hoffnung da, dass Gott dem Kind einen Engel an die Seite stellt. Den kann man, so glauben und hoffen sie, zwar nicht sehen, aber er ist eine Verbindung zu Gott. Und Jugendliche und auch richtig alte Menschen sind oft davon überzeugt, dass Engel für sie da sind. Manche Menschen tun sich schwer, an Gott zu glau-ben. Der scheint ihnen so weit weg, so fern und so groß und vor allem so unsichtbar zu sein, dass sie gar nicht wissen, ob es ihn gibt und was sie von ihm halten sollen. Engel sind da eine Nummer kleiner, menschlicher. Und deshalb fällt es vielen, glaube ich, leichter, an Engel zu glauben. Und jetzt sind ausgerechnet auf dem Bild, dass ich Ihnen und Euch zu Weihnachten schenken möchte, gar keine Engel drauf. Oder fast keine. Wenn man ganz genau hinschaut, dann schauen ganz oben in der Mitte kleine Engel staunend durch das kaputte Dach auf das, was sich da abspielt und was sie mit angerichtet haben. „Anbetung der Hirten“ heißt das Bild des venezianischen Künstlers Jacopo Tintoretto. Nachdem die Engel den Hirten erzählt haben, dass Gott sich in einem kleinen Kind der Welt zeigt und auch für sie da sein will, machen sie sich auf in den Stall. So erzählt es Lukas. Ich habe mir immer vorgestellt, dass die Hirten zwar schnell hingelaufen sind, dann aber vor Ehrfurcht still und andächtig das Kind betrachtet haben. Hier auf dem Bild passiert aber etwas anderes. Da ist wirklich Leben im Stall. Oben beten zwar zwei Hirten, aber der eine scheint entweder selber zu essen oder das Kind füttern zu wollen. Und unten, im eigentlichen Stall, da geht es sehr munter zu. Nicht so, als ob man Rücksicht auf das neugeborene Kind nehmen will, sondern so, dass man schon beim ersten Hinschauen merkt: Hier ist das Leben. Und die Frau unten rechts scheint sich auch gar nicht so für das Kind zu interessieren, einer der Hirten ist für sie interessanter. Gerade das ist für mich ein Bild für Weihnachten. Es interessiert gar nicht alle, was da passiert ist. Für manche, vielleicht sogar für viele Menschen, sind ganz andere Dinge im Moment viel spannender. Und trotzdem: genau in diese Welt, in diese Bruchbude von Welt kommt neues Leben – durch Gott. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit“ – so drückt es der Evangelist Johannes in seiner Sprache aus. Gott macht sich greifbar. Mitten im Leben. Das eben oft wie eine Bruchbude daherkommt. Und in dem es Zeiten gibt, in denen Gott alles andere als herrlich oder sichtbar zu sein scheint und in dem es Menschen gibt, die von ihm wenig oder nichts wissen wollen. Die ihren Blick auf andere Dinge richten. Bemerkenswert und, obwohl es alt ist, sehr zeitgemäß an diesem Bild finde ich, dass nicht nur die Engel kaum sichtbar am Rand des Bildes sind. Auch Jesus, das Kind in der Krippe, in dem sich Gott zeigt, ist nicht im Mittelpunkt und verschwindet fast vor den ganzen Ablenkungen für’s Auge.

Weihnachtsführerschein - nur für Kinder? Christvesper mit Krippenspiel, Hl. Abend 2011

Die Predigt kommt im Gottesdienst natürlich nach dem Krippenspiel, das unten aufgeführt ist und von vershciedenen Liedern unterbrochen wird.
Wer darf eigentlich Weihnachten feiern? Manchmal habe ich den Eindruck, es gibt gerade zu Weihnachten so eine Art Führerschein. Und da sollte man auch so etwas wie eine Prüfung bestehen. Und anders als beim Autoführerschein, den man frühestens mit 17 machen darf, scheint es beim Weihnachtsführerschein so zu sein, dass man ihn als Kind viel leichter bekommt.

(Ein Kind nach vorn holen) So, jetzt schauen wir mal, ob du Weihnachten feiern darfst. (Fragen checken).

Alles klar, das lassen wir mal so gelten – Weihnachts-Checker mit Weihnachtsführerschein! Aber eigentlich kann man den Führerschein für Weihnachten gleich zerreißen. Gut, dass es so etwas nicht gibt, finde ich. Jeder darf Weihnachten feiern. In dem Krippenspiel von den Kindern eben ging es vor allem drum, dass Gott auch zu den Kindern kommt. Und dass Jesus ganz besonders für die traurigen Kinder gekommen ist. Und für die Bettler, die nichts haben. Und für die Hirten, die hart arbeiten müssen und die von den reichen Leuten vielleicht gar nicht so ernst genommen werden. Ja, das ist das Tolle an dem, was wir Weihnachten feiern: Gott zeigt uns durch das Jesuskind, dass Kinder nicht weniger wert sind als Erwachsene. Und dass für ihn nicht nur die Menschen wichtig sind, die viel Geld haben oder die alle gut kennen und mögen, sondern auch die, die vergessen werden, die arm sind und die hart arbeiten müssen.

Aber Weihnachten wird es eben nicht nur für Kinder und für besonders arme Leute. Gott sei Dank muss man mit 18 oder 20 den Weihnachtsführerschein nicht neu machen.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Nach Hause kommen - Homecoming - Christmette 2010

Die Ansprache wurde inspiriert vom Predigttext der Reihe III, 2. Samuel 7,1-16, ohne dass dieser Text explizit auftaucht, von dem Bild "Der brennende Dornbusch" von Nicolas Froment, dass als Klappkarte verteilt wird und allen Strophen des Liedes "Stille Nacht"

Liebe Gemeinde!

Weihnachten heißt: Nach Hause kommen! Für ganz viele Menschen in einem nahezu wörtlichen Sinn. Zurückkom-men an den Ort der Kindheit, in das Haus, in dem man aufge¬wachsen ist. Wenn ein Gottesdienstbesuch dazuge-hört, dann möglichst in der Kirche, in der man schon als Kind war. Und wenn dieses örtliche nach Hause Kommen aus verschiedenen Gründen zu schwer oder nicht mehr möglich ist, dann heißt nach Hause kommen zu Weihnachten für andere, zu den Menschen zu kommen und mit den Menschen zu feiern, die ein Gefühl des Zuhauseseins schenken können. Weihnachten bringt weltweit Millionen Menschen in Bewegung. Und nicht die Weihnachtsflüchtlinge prägen das Bild auf den Bahnhöfen, Autobahnen und an den Flughäfen, sondern die Nachhausekommer. Dieses nach Hause kommen ist nicht immer einfach. Es treffen unterschiedliche Erwar-tungen aufeinander, nicht immer glücklich, es gibt Enttäuschungen. Aber es gibt auch viel Gelingen und Ge-borgenheit. In diesem Miteinander von Unterwegssein und nach Hause kommen, von enttäuschten Erwartungen, vom Festhalten an alten Erinnerungen und vom guten Gelingen von Begegnung und Zusammengehörigkeit bildet sich für mich der Sinn des Weihnachtsfestes, der Sinn dieser Nacht ab.

Gott kommt nach Hause. „Er kam in sein Eigentum“, so beschreibt es Johannes in seinem Evangelium. Er will nicht der Gott sein, der fern von den Menschen ist, sondern: wo die Menschen sind, da will Gott sein, da ist er zu Hause. Gott kommt nach Hause. Im Kind in der Krippe, da lässt er sich finden. Aber er ist ein Gott, der immer wieder im Kommen ist. Auf einer Reise wird Jesus geboren. Nicht in einem festen Zuhause, das ein für allemal sein Haus wäre und in dem er verehrt wird. Unterwegs, ohne festes Zuhause, so ist Jesus. Wo wäre denn auch sein Zuhause? In Bethlehem, im Stall, den er mit seinen Eltern bald wieder verlassen hat? In Nazareth, wo er den größten Teil seiner Jahre auf dieser Welt zugebracht hat? Unterwegs bei den Menschen auf seiner Reise durch Galiläa, Samaria, Judäa? In Jerusalem, wo sich in Kreuz und Auferstehung vollendet, was in seiner Menschwerdung begann? Gott kommt nach Hause – und er bleibt doch der Gott ohne festes Zuhause, der Gott unterwegs. Unterwegs mit Menschen, unterwegs zu den Menschen. Gott bindet sich nicht an Orte, an denen er sich finden lässt, er bindet sich an Menschen. Gerade in der Heiligen Nacht ist mir das wichtig. Der Mensch gewordene Gott ist heute Nacht in der Thomaskirche nicht näher und nicht ferner als in der Elisabethkirche oder im Petersdom oder in der Geburtskirche in Bethlehem. Er ist unter der Brücke, die Obdachlosen wenigstens den Rest von einem Dach über den Kopf gibt, genauso nah wie in der Wohnung der Rentnerin, die über den Verlust des Mannes und des Sohnes und die kaputtgegangene Beziehung zu den Enkeln trauert. Gott kommt nach Hause – zu den Menschen. Wir können ihn nicht an einem Ort festbinden. Nicht sozialromantisch dort, wo große Not ist, aber auch nicht in der vollen Kirche mit gut inszenierter Kirchenmusik. Gott will bei uns Menschen sein. Das ist die Botschaft dieser Nacht. Und wie jedes nach Hause kommen, so trägt auch dieses die Möglichkeiten zu Enttäuschungen und zum Gelingen in sich. Gottes nach Hause kommen enttäuscht – im wahrsten Sinn des Wortes. Es befreit die Menschen von der Täuschung, dass Gott nur für besonders fromme und besonders perfekte Menschen da wäre. Es befreit von der Täuschung, dass Gott in Reichtum und Prunk zu verehren und zu finden sei. Es enttäuscht die Erwartung vom machtvollen König, der kommt, genauso wie die Erwartung vom bedingungslosen Kämpfer. Das Kind in der Krippe enttäuscht die Erwartung, dass Gott mir mein Leben abnimmt. Nein, es sagt durch sein Dasein zu uns: „Nimm mich an. Ich lebe nicht an deiner Statt, sondern du darfst und kannst mit mir gemeinsam leben.“ Die Hoffnung, dass mit dem Messias Gottes Reich gleich perfekt hergestellt wird und Schöpfer und Schöpfung in vollendeter Harmonie leben könnten, wird enttäuscht. Gottes Reich ist im Werden, so wie das Kind heranwächst und Geschichte hat und macht. Aber diese Enttäuschungen eröffnen Möglichkeiten, dass das Nachhause Kommen Gottes Gelingen schenkt. Leben, das heil wird, weil erfahren werden kann: auch da, wo Schuld ist, werde ich geliebt und wird Vergebung möglich. Krankheit schließt nicht von Menschlichkeit aus. Gerade im Blick auf Menschen mit Behinderungen ist mir das ganz wichtig in einer Zeit, in der „behindert“ eines der beliebtesten Schimpfworte unter jungen Menschen zu sein scheint. Das nach Hause Kommen Gottes schenkt Gelingen – dann, wenn auch ich spüren kann, dass die Wege und Umwege, die mein Leben hat, die Sackgassen, die Abbrüche von Gott begleitet sind. Weihnachten dürfen wir ganz bei uns sein, weil Gott ganz zu uns kommt. Nicht wir müssen ihm Häuser bauen, sondern er baut uns ein Haus. Kein Haus aus Ziegeln oder Beton. Ein lebendiges Haus. In der Bibel und ihrer Sprache bezieht sich Haus auf die Menschen, die dazugehören. Je-sus, das ist denen, die uns sein Leben überliefert haben, wichtig, Jesus gehört zum Haus Davids, dem Gott ewigen Bestand versprochen hat. Das Haus Davids, das wurde gleichbedeutend mit dem Volk des ersten Bundes, Israel, benutzt. Jesus schließt uns die Tür zu diesem Bund der Gnade und des Friedens auf, er nimmt uns mit hinein in dieses Haus. Gott baut uns ein Haus in dieser Nacht von Bethlehem, er schenkt uns ein Zuhause. Deshalb dürfen wir gerade in dieser Nacht zur Ruhe kommen, bei uns sein. Ich möchte ihnen und euch heute Nacht eine Karte mit einem Bild schenken, das für mich dieses Hineingenommensein, dieses Zuhause sein bei Gott und unterwegs sein in der Welt, den tiefen Sinn dieser Nacht ganz ungewöhnlich ausdrückt. Zu sehen ist erst einmal ein Hirte mit einer Herde und einem Engel. Aber dieser Hirte ist keiner vom Feld bei Bethlehem, sondern Mose. Wenn man die Karte aufklappt, sieht man einen brennenden Dornbusch. Die Bibel erzählt, dass Gott sich dort Mose offenbart hat. Ich werde dasein, als der ich da-sein werde, ICH-BIN-DA. Mit diesen Worten gibt sich Gott Mose zu erkennen. So soll Mose von Gott reden. Und da sein wird er als Kind in der Krippe, als Sohn der Maria, als Jesus. Das ist, so malt es der Künstler, das Zentrum des brennenden Dornbuschs. Jesus ist Gott auf dem Weg mit uns Menschen und zu uns Menschen. So, wie Matthäus in seinem Evangelium die Worte Jesajas aufnimmt, die in der aufgeklappten Karte zu lesen sind: Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): 23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. „Gott sucht unsere Wohngemeinschaft. Er prüft uns nicht, ob wir wert sind, ihn aufzunehmen. Es hängt nicht von uns ab, ob er bei uns einzieht.“ (Zitat: Anne- Kathrin Kruse, Christnacht, in: GPM 65/1, 53) Gott kommt zu uns, damit wir zu uns finden können. Gott baut uns ein Haus, ein Zuhause, nicht aus Steinen, sondern aus Menschen, aus Liebe, aus Gnade. Damit wir Ruhe finden, Kraft, Wege zu gehen, neue Wege. Für mich selbst drückt sich ganz viel von dem, was diese Nacht ausmacht, in dem Lied aus, das wir gleich und dann nach dem Segen singen Werden. „Stille Nacht, heilige Nacht“, das wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt. Ich habe es lang für süßlichen Kitsch gehalten. Bis ich gelernt habe, dass wir Menschen auch ganz einfache Worte und Melodien brau-chen, mit denen Gott Herzen erreicht. Worte und Melo-dien, die vertraut sind, die ein Zuhause auf Zeit geben, aus dem ich aufbrechen darf und Wege gehen darf. Von Weihnachten in den Alltag. Und vor allem bis ich die Strophen entdeckte, die zu dem Lied gehören, die aber nicht im Gesangbuch stehen.

Stille Nacht! Heilige Nacht! /Wo sich heut alle Macht /Väterlicher Liebe ergoß / Und als Bruder huldvoll um-schloß /Jesus die Völker der Welt! / Jesus die Völker der Welt!

Jesus als Bruder der Völker der Welt. Gott lässt sich nicht in ein Land einsperren, er ist nicht nur für mich, mein Volk da.

Stille Nacht! Heilige Nacht! / Die der Welt Heil gebracht, / Aus des Himmels goldenen Höh’n / Uns der Gnade Fülle läßt seh’n / Jesum in Menschengestalt! / Jesum in Men-schengestalt!

Die Fülle der Gnade, der Reichtum des Himmels wird im Menschen Jesus sichtbar. Gott kommt nach Hause, auf diese Welt, in diese Welt, damit wir Heimat finden. Heimat im Unterwegssein. Weihnachten bringt Menschen in Bewegung. Nachhause. Gebe Gott, dass wir Teil dieser Bewegung sein und bleiben dürfen. Gebe Gott, dass wir zu ihm und zu uns finden, dass wir unser Zuhause auf dem Weg finden. Gebe Gott, dass wir auch anderen helfen, die an der Bewegung zu verzweifeln drohen, die ein Zuhause suchen und doch keins finden, helfen, Nachhause zu kommen. Nachhause zu Gott, der in Jesus sein Zuhause bei uns hat. Amen.

Lass mich doch in Frieden - Krippenspiel und Kurzansprache, Hl. Abend 2010

Hier das Krippenspiel:
Erzähler: Der Kaiser Augustus wollte wissen, wie viele Menschen in seinem Reich leben. Deshalb schickte er seine Soldaten und Beamten in alle Städte seines Landes. Sie verkündeten:



„Jeder von euch soll in die Stadt gehen, in der er geboren wurde, jeder Mann und jede Frau. Dort müsst ihr euch in Listen eintragen lassen, damit alle Leute gezählt werden können.“


Die Leute hörten zu, was die Soldaten verkündeten, und machten sich auf die Reise, denn dem Kaiser musste man gehorchen. Sie packten ein paar Sachen zusammen und zogen los: die Reichen mit einem Pferd oder einem Wagen, manche hatten vielleicht einen Esel oder einen Ochsenkarren, aber die meisten gingen sicher einfach zu Fuß. Du kannst dir sicher vorstellen, was das für ein Gedrängel auf den Straßen war.


Wenn die Leute an ihrem Zielort angekommen waren, waren sie natürlich müde und hungrig. Sie mussten an den Volkszählungs¬büros furchtbar lang anstehen und sogar am nächsten Tag noch einmal wiederkommen. Die Reise war ja so lang gewesen, dass sie nicht am gleichen Tag wieder zurücklaufen konnten. Ganz viele wollten in einem Gasthaus zu Abend essen und übernach¬ten. Für die Wirte war das ein gutes Geschäft. So einen Andrang hatten sie schon lange nicht mehr. Aber es war halt auch furcht¬bar viel Arbeit. Und so hatten die Wirte schon Grund zum Stöh¬nen, wie auch der Wirt, von dem ich heute erzählen will.


Wirt: schaut vor die Tür


So ich glaub, das war’s. Heute kommt keiner mehr. Es ist ja auch schon dunkel. Da ist bestimmt niemand mehr unterwegs.


Außerdem ist mein Gasthaus voll bis aufs letzte Bett. Sogar mein eigenes Bett hab ich vermietet. Ich schlafe heute hier auf dem Gästebett neben der Tür.


War das ein Stress heute. Und jetzt bin ich furchtbar müde. Bin ich froh, dass ich jetzt endlich auch ins Bett gehen kann.


Erzähler: Nichts schätzte der Wirt so sehr, wie einen ruhigen, ungestörten Schlaf.


Schlafmusik instrumental: Seht die gute Zeit ist da


Josef u. Maria kommen von hinten durch die Mitte


Josef: Maria, schau, da vorn ist ein Gasthaus. Jetzt ist es nicht mehr weit.


Maria: Hoffentlich haben sie noch ein Zimmer für uns frei. Ich bin so müde. Klopfen an die Tür


Wirt: Wacht auf, stöhnt, kommt an die Tür und macht auf


Was wollt ihr denn noch so spät?


Josef: Wir suchen ein Zimmer für die Nacht.


Wirt: Gähnt Kein Zimmer frei!


Maria: Aber wir sind müde! Wir sind schon Tag und Nacht unterwegs!


Wirt: Es gibt nur noch den Stall hinterm Haus. Hier habt ihr zwei Decken. Füllt die Anmeldung aus.


Josef: Schreibt Vielen Dank und gute Nacht. Gehen hinter die Bühne


Wirt: Liest Maria und Josef aus Nazareth.


Erzähler: Der Wirt schloss die Tür, legte sich ins Bett und schlief weiter.


Schlafmusik instrumental: Seht die gute Zeit ist da


Josef: Kommt von hinten und klopft


Entschuldigung, dass ich noch einmal störe, aber könnten Sie uns noch eine dritte Decke leihen? Eine kleinere?


Wirt: Da. Eine kleinere Decke.


Josef: Dankeschön! geht zurück hinter die Bühne.


Erzähler: Der Wirt schloss die Tür, legte sich ins Bett und schlief weiter.


Schlafmusik instrumental: Seht die gute Zeit ist da


Sternengel mit Stern kommt von hinten und klopft an die Tür


Wirt: Macht auf und ist geblendet


Sternengel: Entschuldigung, ich suche einen Stall, der muss hier ganz in der Nähe sein, Josef und Maria ...


Wirt: Das hat mir grade noch gefehlt! Der Stall ist hinterm Haus.


Sternengel: Vielen Dank! Geht hinter die Bühne


Erzähler: Er schloss die Tür, legte sich ins Bett, zog sich die Decke über den Kopf, weil er bei der Helligkeit sonst nicht einschlafen konnte und schlief weiter.


Schlafmusik instrumental: Seht die gute Zeit ist da


Lied Gemeinde: Kommet, ihr Hirten (EG 48,1-3)


Hirte 1: Hast du auch den Engel gesehen?


Hirte 2: Nein, welchen Engel?


Hirte 3: Ein Engel war bei uns auf dem Feld. Alles war ganz hell. Auf einmal ist der da gestanden und hat gesagt: “Fürchtet euch nicht.“


Hirte 1: Ich hab mich aber trotzdem gefürchtet.


Hirte 3: Er hat gesagt: Heut ist Gottes Sohn geboren. Ihr findet ihn in Windeln gewickelt in einer Krippe in einem Stall.


Hirte 2: In welchem Stall? Hier sind so viele.


Hirte 3: Er hat gesagt, ein Stern steht drüber.


Hirten schauen sich um.


Hirte 1: Ich seh keinen.


Hirte 3: Ich auch nicht.


Hirte 2: Da vorn ist ein Gasthaus. Wir fragen einfach.


Hirten klopfen


Wirt: Was ist denn jetzt schon wieder?


Hirte 1: Wir sind drei Hirten.


Wirt: Na und? Was ist los? Die Schafe verloren?


Hirte 2: Wir suchen einen Stall.


Hirte 3: Da drüber müsste ein Stern stehen.


Wirt: Brüllt Hinterm Haus!


Hirten: Danke! gehen hinter die Bühne


Erzähler: Er schloss die Tür, legte sich ins Bett und schlief weiter.


Schlafmusik instrumental: Seht die gute Zeit ist da

Lied Gemeinde: Wisst ihr noch wie es geschehen EG 52, 1+4


bei der 2. Stophe (= Strophe 4) kommen die 3 Könige von hinten durch die Mitte


Kaspar: Ich kann den Stern nicht mehr sehen.


Melchior: Er sollte uns doch den Weg zu dem neugeborenen König weisen.


Balthasar: Es muss aber hier irgendwo sein. Ich habs genau ausgerechnet.


Kaspar: Und wo ist er dann bitteschön?


Melchior: Hier ist ein Gasthaus. Wir fragen nach dem Weg. klopft


Wirt macht auf und ist sauer


Melchior: Edler Mann, entschuldigt die Störung, aber wir suchen einen Stern. Haben Sie vielleicht...


Wirt: schreit Im Stall hinterm Haus!!!


Melchior : Entschuldigung. Gehen hinter die Bühne


Erzähler: Der Wirt knallte die Türe zu, legte sich ins Bett und schlief weiter.


Schlafmusik instrumental und Gesang Kinder: Seht die gute Zeit ist da

Lied Gemeinde: Vom Himmel hoch, da komm ich her EG 24, 1 3+5


Engel kommen während des Liedes von hinten durch die Mitte und verschwinden hinter dem Vorhang


Engel: Flöten vor der Türe


Wirt: Hält sich die Ohren zu


Engel: Gehen hinter die Bühne


Wirt geht vor die Tür und schimpft


Aus! Schluss! Jetzt reicht’s! Was ist heut Nacht bloß los? Da kann ja kein Mensch schlafen! Jetzt schau ich nach, was da los ist und beschwer mich!


Geht los


Erzähler: Er stampfte ums Haus stürmte zum Stall und wollte gerade losbrüllen, als ...


Vorhang auf


alle: „Psst!“,


einer: Du weckst das Baby!


Wirt: „Baby?“ ungläubig


einer: Ja, heute Nacht ist ein Baby geboren.


Wirt: Ach ja? brummig und beugt sich ärgerlich über die Krippe.


Erzähler: Und in diesem Moment schien sein ganzer Ärger unbegreiflicherweise einfach so davonzufliegen!


Wirt: Oh!, erstaunt Ist es nicht wunderschön?


Erzähler: Und er weckte alle Gäste in seinem Gasthaus auf, denn auch sie sollten in den Stall kommen und dieses ganz besondere Baby anschauen.


Wirt geht herum und holt die Kinder nach vorne


Lied Gemeinde: Seht die gute Zeit ist da, EG 18,1+2; im Kanon mit Instrumenten
 
Und hier die Ansprache:
Liebe Gemeinde!


Schlag die Tür nicht so laut zu! Der poltrige Wirt wird auf einmal ganz ruhig, als er das Baby in seinem Stall sieht. Eben war er noch genervt vom ganzen Trubel um ihn herum, da wollte er nur seine Ruhe haben. Und jetzt, da wird er ganz ruhig. Schlag die Tür nicht so laut zu! Klingt erst einmal ja ganz selbstverständlich, wenn es um neugeborene Kinder geht. Kennt jeder, der mit kleineren Geschwistern groß geworden ist oder in dessen Haus ein Baby war oder ist. Schlag die Tür nicht so laut zu – dieses eigentlich so selbstverständliche ist der erste Schritt zum Frieden. Das hat Franz von Sales, der vor ungefähr 400 Jahren in Frankreich gelebt hat, einmal jemandem gesagt, der wissen wollte, was er für den Frieden tun könne. Für mich ist das, wie wir gerade auch gesehen haben, ein Teil der Botschaft von Weihnachten. Schlag die Tür nicht so laut zu – Frieden fängt nicht erst da an, wo keine Waffen mehr benutzt werden, sondern da, wo ein Mensch auf den anderen Rücksicht nimmt. Frieden fängt da an, wo ich mich darauf einlassen kann, dass jemand meine Hilfe, meine Rücksicht, meine Umsicht braucht. Frieden fängt da an, wo ich den anderen nicht durch Lärm und Poltern und Geschrei beeindrucken will, sondern wo ich auf ihn zugehen kann, wo ruhig und klar geredet, geliebt und viel-leicht auch mal gestritten werden kann. „Frieden auf Erden“, das ist die Botschaft, die die Engel den Hirten mitgeben, bevor diese in den Stall gehen und im Kind in der Krippe, in einem ganz normalen Baby Gott entdecken. Frieden, das ist das, was dieses Kind, was Gott, der sich in diesem Kind zeigt, den Menschen geben möchte. Aber er tut das nicht dadurch, dass er sich groß aufspielt, mit viel Macht und Panzern und Waffen und Strafen droht, sondern indem er sich ganz klein und ganz hilfsbedürftig macht. Frieden fängt eben nicht ganz oben an, sondern ganz unten. Bei jedem von uns. Groß und Klein. Türen kann jeder leise zu machen. Das Kind nicht stören, das Poltern lassen, sich anstecken lassen davon, dass Gott als hilfsbedürftiger Helfer in diese Welt kommt. Es ist gar kein so neuer Blick auf die Welt, den Gott uns an Weihnachten schenken und öffnen will. Es ist die Erinnerung an die eigene Menschlichkeit. Gott wird Mit-Mensch, damit wir mitmenschlich sein und bleiben können, damit wir unsere Menschlichkeit neu entdecken. Gott bringt uns Frieden und stiftet uns zum Frieden an. Im Großen wie im Kleinen. Beginnen wir doch im Kleinen. Die Großen und die Kleinen. Indem wir Türen nicht zuschlagen, sondern öffnen, indem wir wahrnehmen, was der andere braucht und was wir brauchen, damit wir friedlich miteinander leben können. Indem wir nicht darauf warten, dass der andere anfängt, sondern indem wir anfangen, den Frieden, den Gott uns in dem Kind in der Krippe schenkt, einfach zu leben.

Montag, 22. Dezember 2008

Schon im Bild? Christvesper mit Krippenspiel 2008

Vorher jede Menge Fotos machen

Liebe Gemeinde!

Vielleicht haben eben manche gedacht: Warum läuft denn der Pfarrer so aufgeregt rum und macht dauernd Fotos? Ich habe einen guten Grund! Damit ich in Zukunft in der Schule oder in Konfer nicht mehr drüber reden muss, was Weihnachten eigentlich ist, damit ich auch nächstes Jahr keine Predigten mehr zu Weihnachten machen muss, will ich ein Bild haben, das das perfekte Weihnachtsbild ist. Das häng ich dann einfach in, alle sehen es und verstehen gleich: Ja, das ist Weihnachten. Prima! Aber ich hab eine Schwierigkeit: Was soll drauf auf das perfekte Weihnachtsbild? Das Krippenspiel eben? Keine schlechte Idee! Da sind irgendwie alle dabei gewesen, die dazugehören: die Engel und die Hirten, die heiligen drei Könige, die Wirte und natürlich Maria und Josef, auch wenn’s aus Mangel an Jungs, die mitspielen wollten, eigentlich eine Josefine war. Aber so ohne Text, einfach auf dem Bild - vielleicht versteht man das ja gar nicht! Vielleicht sollte ich lieber ein Bild vom Weihnachtsbaum machen! Der gehört doch dazu. Aber so richtig das perfekte Bild ist das auch nicht. Was ist mit den Leuten, die keinen haben oder in Ländern wohnen, in denen es keine gibt? Die verstehen das ja dann nicht. Dann vielleicht doch lieber Bilder von Geschenken! Aber die gibt’s ja auch zum Geburtstag, zur Hochzeit, zu vielen anderen Gelegenheiten. Vielleicht könnte man am Papier erkennen, dass es Weihnachten ist, aber perfekt wäre das nicht, man müsste doch viel zu genau hinschauen! Vielleicht sollte ich ja ein Bild von der Kirche machen! Weihnachten ist ja schließlich ein kirchliches Fest! Aber für viele Menschen ist es ganz unnormal, sogar störend, Weihnachten in die Kirche zu gehen. Die Bescherung, das Kochen, das Essen - da stört so ein Gottesdienst nur. Mit hin- und Rückweg ist das über eine Stunde Zeit, die fehlt! Man kann es nicht jedem Recht machen! Sollte ich doch vielleicht aufhören, das perfekte Weihnachtsbild zu suchen? Mmh! Vielleicht gibt es das ja doch irgendwie. die Engel im Himmel wollten Jesus einmal eine Freude zum Geburtstag machen. Sie wollten ihm das perfekte Bild schenken, das genau zu seiner Geburt passt. Sie haben die berühmtesten Bilder, die je gemalt wurden, von alten und neuen Meistern, von Rembrandt und Picasso zusammengeholt. Viele Millionen Euro waren die wert. Weil sie sich nicht einigen konnten, welches das Schönste ist, sollte Jesus sich einfach eins aussuchen. Sie bauten eine Ausstellung auf, Jesus kam und die Engel überlegten schon, ob er lieber einen Rembrandt oder doch etwas Modernes nehmen würde. Jesus ging an allen Bildern vorbei, nichts schien ihm so richtig zu gefallen. Auf einmal strahlten seine Augen. Der Oberengel war entsetzt! Zwischen all die schönen Bilder hatte ein vorwitziger Nachwuchsengel das Bild eines behinderten Jungen gehängt. Der Oberengel wollte es schnell noch abhängen. Aber Jesus nahm es und sagte: Das ist es! Ein Mensch, der nicht perfekt ist! Deshalb bin ich geboren. Deshalb ist Weihnachten!

Das perfekte Weihnachtsbild - ich glaube, ich lasse es. Das gibt’s nicht. Weil’s keine perfekten Menschen gibt. Gott ist in die Welt gekommen, Jesus wurde geboren, weil wir Menschen nicht perfekt sind. Weil wir ihn brauchen. Damit wir merken: Wir müssen nicht perfekt sein, damit Gott uns liebt. Gott will uns und er leibt uns. Und mit uns auch die, mit denen wir uns schwer tun und mit denen wir es schwer haben. Gott leibt diese Welt. DIESE Welt, nicht eine perfekte Traumwelt. Deshalb gibt es kein perfektes Weihnachtsbild? Oder doch? Was ist denn, wenn ich ein Bild von Julia mache? Und eins von Felix? Und eins von Herrn A.? Und eins von Frau K.? Und eins von Gina? Und eins von? Ach, das wird ja nie fertig! So, wie Gott nie mit uns fertig wird und seine Liebe zu uns nie fertig wird. Deshalb: Hören wir einfach auf, Bilder zu machen und fangen wir an, zu feiern! Dass Gott uns lieb hat, dass wir liebenswert sind, dass Weihnachten ist.

Amen.