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Dienstag, 26. März 2013

Mitten in der Nacht wird Gott radikal - Gründonnerstag 2013, Reihe V

Liebe Gemeinde!
Mitten in der Nacht. Eigentlich die ruhigste Zeit überhaupt. Die Zeit, in der das Rascheln einer Maus laut wie ein Orkan zu sein scheint. Mitten in der Nacht blöken die Lämmer, als sie geschlachtet werden. Mitten in der Nacht prasseln die Grillfeuer. Mitten in der Nacht besuchen sich Nachbarn. Mitten in der Nacht schleichen sich die Hausväter nach draußen und bestreichen die Türpfosten mit Blut. Mitten in der Nacht – die stillste Zeit des Tages wird geschäftig. Mitten in der Nacht bleiben die Sklaven munter. Und die Herren, die beunruhigt das nicht. Mitten n der Nacht schlafen sie in der Sicherheit, dass sich die Ordnung, die sie mit Gewalt aufrechterhalten, nicht ändern wird. Mitten in der Nacht sind sie ruhig. Aber ihre Nachtruhe ist trügerisch. Denn mitten in der Nacht wird Gott ganz radikal. Nicht ihr Gott, der Könige zu Göttern macht, sondern der Gott der Sklaven. Der Gott, der Freiheit und Gerechtigkeit fordert und schenkt. Mitten in der Nacht beginnt die Freiheit. Aber die Freiheit hat ihren Preis. Und der wird teuer mitten in der Nacht bezahlt.
Abenteuer beginnen oft in der Nacht. In der Nacht, die manches vor den Augen verbirgt. In der Nacht, in der das Erschrecken oft größer ist als am Tag. Und es ist ein Abenteuer, von dem uns in der Bibel erzählt wird. Sie erzählt uns von dem Abenteuer, Gott wirklich zu begegnen.  Und hier berühren sich unsere Geschichte, auf dem Richtsberg im Gottesdienst am Gründonnerstag 2013 und die Geschichte des Volkes Gottes, der Israeliten, der Juden, des Passamahls und dem Punkt, an dem dieses Fest der Feste der Juden in der Geschichte Gottes mit seinem Volk, seinen Menschen festgemacht wird. Sklaven waren sie in Ägypten, so erzählt es die Bibel. 430 Jahre lang. Seit Generationen hat wirklich keiner mehr eine lebendige Erinnerung daran, was Freiheit heißen könnte. Die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland hat 12 Jahre gedauert, die Unfreiheit im DDR-Sozialismus 40 Jahre, die Unterdrückung in Nordkorea dauert seit gut 60 Jahren an, die kommunistische Herrschaft in der ehemaligen Sowjetunion hat gut 70 Jahre gedauert. Die Hoffnung, dass etwas anders sein könnte, die gab es noch. Aber nach 430 Jahren?  Trotz aller Unfreiheit, trotz aller Unterdrückung, die vielleicht im Alltag oft gar nicht mehr zu spüren war, weil sie als unveränderlich und beinahe normal angesehen wurde, hielten die Menschen im Glauben an ihren Gott, der durch seinen Sohn lange nach dieser Zeit auch unser Gott wurde, fest. Und sie glaubten Mose und sie trauten Gott zu, auch nach 430 Jahren Unterdrückung und Unrecht, dass er ein Gott der Freiheit und der Gerechtigkeit ist. Ein Wunder. Nicht nur mitten in der Nacht, sondern jeden Tag, an dem die Menschen glaubten, vertrauten, neu. Ein Abenteuer, weil es keine

Samstag, 16. März 2013

Vorstellungsgottesdienst 2013: Schöner scheitern? - Petrus (und wir?) mit Jesus unterwegs

Diesmal nur die Texte für den Anspiel- / Verkündigungsteil. Die vorbereitende Konfirmandenfreizeit hatte Petrsu zum Thema, die Konfis, die diesen Teil vorbereiteten, wollten sich auf den Ruf in die Nachfolge und die Verleugnung beschränken. Und das kam dabei raus:

Anspiel / Verkündigung 1
Petrus: Manchmal wünsche ich mir, dass sich mein Leben ändert. Jeden Tag immer das Gleiche. Netze flicken, raus auf den See, Netze auswerfen, wieder zurück, den fisch verkaufen, nach Hause, arbeiten, schlafen, dann wieder von vorn.
Andreas: Geht mir genauso. Aber was stellst du dir denn vor? Unser Vater war schon Fischer, unser Großvater auch. Da kann man nichts machen. Wir werden Kinder kriegen und wenn die groß sind, werden die dann auch Fischer. So ist das nun mal.
Petrus: Aber da muss doch noch mehr sein! Mein Leben muss doch noch einen anderen Sinn haben als jeden Tag das Gleiche zu machen!
Jesus: Kommt mit mir! Ich bringe den Menschen Gottes Botschaft und seine Liebe. Kommt mit mir, ich brauche euch!
Andreas: Sollen wir?
Petrus: Klar, endlich ändert sich was! Los, wir gehen mit!
Sprecher: So einfach war das, so steht es wenigstens in der Bibel. Jesus kommt vorbei, spricht die beiden an, uns schon gehen sie los. Und sie haben dann unterwegs eine Menge erlebt. Hören wir ihnen ein paar Monate später doch noch mal zu.
Petrus: Ich fand das stark, wie Jesus meine Schwiegermutter gesund gemacht hat. Und überhaupt: er ist nicht nur zu Verwandten oder Freunden von uns oder sich gegangen, sondern zu vielen ganz Fremden und hat sie wieder gesund gemacht.
Andreas: Ich fand das manchmal ganz schön eklig mit den Krankheiten, aber Jesus hat das alles nichts ausgemacht. Und jetzt traue ich mich auch mehr, auf fremde Leute zuzugehen.
Petrus: Und ich ekel mich auch nicht mehr so vor Kranken. Ich sehe jetzt auch bei Fremden viel eher, dass sie Hilfe brauchen. Der Weg mit Jesus hat mich verändert. Wir sind vielen interessanten Leuten begegnet. Jesus hat tolle Sachen erzählt, die die Herzen von ganz vielen berührt haben – und mich hat er noch viel mehr für Gott begeistert.
Andreas: Und ohne Jesus säßen wir noch heute am See und würden Netze flicken. wir haben ganz viel gesehen, gehört und erlebt.
Sprecher: Nicht nur die Begegnung mit Jesus hat Petrus und seinen Bruder Andreas verändert. Es war auch ihr Mut, einfach alles liegen zu lassen und mit ihm zu gehen. Würde das heute auch noch funktionieren? Wo würde Jesus heute Menschen ansprechen? Vielleicht ja in der Schule…
Zwei Schüler: (stehen zusammen, reden miteinander)
Jesus: Kommt mit mir! Ich bringe den Menschen Gottes Botschaft und seine Liebe. Kommt mit mir, ich brauche euch!
Schüler 1: Ich würde ja gern weg aus der Schule, aber wir haben in der nächsten Stunde Mathe und da schreiben wir morgen eine Arbeit. Sorry, ein andermal vielleicht!
Schüler 2: Spinnst du? (Zu Jesus:) Hau bloß ab, du bist bestimmt ein Kinderschänder1 hast du dich im Sekretariat angemeldet? (Zu Schüler 1): Komm, lass uns mal gehen, Erwachsenen kann man doch nicht trauen!
Sprecher: In der Schule scheint es ziemlich schwer zu sein. Aber vielleicht klappt es ja in der Kirche.
Zwei Gottesdienstbesucher: (Stehen mit dem Rücken zur Gemeinde vor dem Altar)
Jesus: Kommt mit mir! Ich bringe den Menschen Gottes Botschaft und seine Liebe. Kommt mit mir, ich brauche euch!
Gottesdienstbesucher 1: Psst. Wir feiern gerade Gottesdienst, da kannst du nicht dazwischenquatschen!
Jesus. Aber…
Gottesdienstbesucher 2: Halt doch mal die Klappe! Jetzt feiern wir Abendmahl! Da feiern wir, dass Jesus mitten unter uns ist.
Jesus: Aber ich…
Gottesdienstbesucher 1: Herr Pfarrer, können sie den Typen hier nicht mal rauswerfen? Der stört uns beim Abendmahl!
Sprecher: Auch in der Kirche hätte es Jesus heute wahrscheinlich schwer. Einfach so wie Petrus mitgehen, das würde sich fast niemand wirklich trauen. Und woher soll man denn auch wissen, dass man sich auf ihn verlassen kann? Aber auch wenn es heute nicht so einfach ist: Wir glauben, dass wir Jesus auch heute begegnen können. Auch in der Schule. Zum Beispiel da, wo Außenseiter nicht gemobbt werden, sondern wo man ihnen die Chance gibt, Freunde zu finden und sie fair und respektvoll behandelt. Oder wo Lehrer Verständnis für die Probleme von Schülern haben und helfen. Oder wo Schüler in Lehrern nicht ihre Feinde sehen, sondern Menschen, die auch dann für sie da sind, wenn es nicht gerade leicht ist. Und auch in der Kirche ist Jesus da. Zum Beispiel da, wo Menschen aus verschiedenen Ländern oder mit ganz verschiedenem Alter sich offen und mit Respekt begegnen. wo die alten nicht auf die Jugendlichen schimpfen oder die Jugendlichen nicht denken, dass die Alten keine Ahnung haben. Egal ob in der Schule oder in der Kirche oder an ganz vielen anderen Stellen in unserem Leben: Jesus kann immer noch da sein. Zum Beispiel da, wo Menschen sich gegenseitig respektieren. Oder da, wo sie nicht zuerst sehen, was andere falsch machen, sondern die eigenen Fehler erkennen. Und da, wo sie bereit sind, anderen zu vergeben und sich vergeben zu lassen. Jesus ist da. Aber uns würde es allen schwer fallen, so wie Petrus einfach so unser altes Leben liegenzulassen und mit Jesus zu gehen.
            Wir singen jetzt vom Lied 621 die 1. Strophe.



Anspiel / Verkündigung 2
Magd: Ey du, du bist doch auch ein Freund von Jesus.
Petrus: Ich? Niemals! Den kenne ich nicht!
Magd: Doch, ich habe dich doch schon öfter mit ihm hier gesehen!
Petrus: Du musst mich verwechseln. Ich habe zwar schon von dem Typen gehört, aber ich kenne ihn nicht! Ich will mit dem nichts zu tun haben. Der erzählt doch nur Blödsinn.
Magd: Erzähl mir nichts! Du bist einer von denen! Ich kenne dich ganz genau. Erst gestern vor dem Tempel, da bist du mir fast auf die Füße getreten als du mit ihm unterwegs warst. So ein Gesicht vergesse ich nicht!
Petrus: Jetzt halt endlich die Klappe! Ich kenne ihn nicht, zum letzten Mal! Mit so Typen will ich nichts zu tun haben! Der ist doch ein armer Irrer! Ich finde ihn und das was er sagt, total bescheuert! Und jetzt lass mich endlich in Ruhe!
Sprecher: Und dann krähte der Hahn…
Petrus: (weint) Er hat es gewusst. Er hat es mir gesagt. Und ich war so blöd und hab ihm nicht geglaubt. Ich habe gedacht, dass mir das nicht passiert. Ich habe gedacht, das sich der Größte bin. „Auf dich will ich meine Kirche bauen, du bist der Fels“ – das hat Jesus doch zu mir gesagt. Und ich habe gedacht, ich wäre unbesiegbar. ich wäre wie er und würde alles aushalten. Ich schäme mich so. Bestimmt will keiner von den anderen jemals wieder etwas mit mir zu tun haben. Auf mich kann man sich nicht verlassen. Einmal soll ich zu Jesus stehen, und da kippe ich schon um. Hätte ich doch nur meine große Klappe gehalten!
Sprecher: Was war eigentlich schlimmer? Das Petrus in Lebensgefahr behauptet hat, er würde Jesus nicht kennen? Das Jesus das vorhergesehen hat? Oder das Petrus an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert ist und nicht so toll war, wie er immer dachte? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allen dreien, die Petrus so traurig macht. Aber Petrus ist ja nicht allein mit seinen Erfahrungen.  Aus Bequemlichkeit oder Angst oder um vor anderen gut dazustehen macht man nicht das, was eigentlich richtig wäre, sondern Dinge, von denen man genau weiß, dass sie so nicht richtig sind. Wie in unseren drei kleinen Beispielen:
Pfarrer: (steht auf der Kanzel) Liebe Gemeinde! Brich mit dem Hungrigen dein Brot! Ja, die Bibel sagt uns, dass wir mit den Armen teilen sollen. Nicht nur durch Geldspenden vor Weihnachten oder in der Kirche, sondern auch dann, wenn einer kommt und unsere Hilfe braucht! Amen. (Geht von der Kanzel runter, auf die andere Seite) Endlich Feierabend. Endlich habe ich meine Ruhe! Die Woche war anstrengend, das habe ich mir verdient. Jetzt mach ich mir erst einmal was Schönes zu essen. Hab ja gestern noch lauter tolle Sachen eingekauft. (Es klopft) Wer stört denn da? Na, mal sehen, vielleicht ist ja jemand gestorben.
Alkoholiker: Hast du mal was zu essen? Ich hab Hunger und ich hab kein Geld mehr!
Pfarrer: Du schon wieder! Gib gefälligst nicht dein ganzes Geld für Schnaps aus. Ich hab nichts, bin gestern nicht zum Einkaufen gekommen. Geh heim und schlaf erst mal deinen Rausch aus. Lern doch gefälligst mal, mit deinem Geld umzugehen! MUSIK KURZ EINSPIELEN
Schüler 1: Na, Streber, du warst das bestimmt mit der einzigen 1 in der Mathearbeit!
Schüler 2: Ne, war ich nicht, hab nur ne 3-, ich hab Geometrie auch nicht so richtig kapiert.
Schüler 1: Erzähl doch nichts! Du schreibst doch nur Einsen und Zweien, du Streber!
Schüler 2: Nein, ernsthaft, Geometrie ist nicht so meins und ich hatte keinen Bock zu lernen.
Schüler 1: Na, so langsam lernst du es auch und wirst doch ein bisschen cool. Kannst ja mal heute im Skatepark vorbeikommen, wenn du nicht lernst!
Schüler 2: Hoffentlich kriegt der nicht raus, dass ich doch die 1 hatte, ich bin die blöde Anmache von den anderen so leid! Und ich hab echt mal Lust, mit den anderen zu skaten. Meine Mutter lässt mich sicher weg, als Belohnung für die 1. Aber hoffentlich geht das gut. MUSIK KURZ EINSPIELEN
Mädchen 1: Hast du schon gehört, die Laura hat mit dem Amir rumgemacht und ist jetzt schwanger. So typisch, das macht die echt auf jeder Party!
Mädchen 2: Hab ich doch schon immer gewusst, dass die so eine ist! Aber sag mal, ich hab gedacht, du bist die beste Freundin von Laura?!
Mädchen 1: Ich doch nicht! War ich noch nie!
Mädchen 2: Und weshalb seid ihr dann immer in der Pause zusammen gewesen und habt im Bus zusammengesessen? Komm, erzähl mir nichts, du bist doch auch so eine!
Mädchen 1: Quatsch, ich find die echt hässlich und blöd. Die war halt so anhänglich. Ich bin die nicht losgeworden.
Mädchen 2: Das sah aber ganz anders aus. Und zur Party von Linda seid ihr doch auch zusammen gekommen und hattet die gleichen Klamotten an!
Mädchen 1: Die Kuh hatte mich bei H&M gesehen und war doch so frech, sich das Gleiche zu kaufen und die wusste halt, mit welchem Bus ich fahre!
Mädchen 2: Na, da bin ich ja beruhigt. Ach, da kommt Laura ja…
Mädchen 3: Hey Lisa, wieso bist du denn hier? Du hast mir doch in Deutsch versprochen, dass du zu mir kommst und mit mir Mathe lernst?
Sprecher: Wie kommt man da bloß raus? Wie kommt man raus, wenn man die Freunde verrät oder lügt, um sich Anerkennung zu verschaffen oder wenn man aus Bequemlichkeit nicht das macht, was man von anderen fordert und was richtig wäre? Wir haben es uns überlegt. Und natürlich kommt es auf die Situation an. Der Pfarrer könnte es beim nächsten Mal besser machen und zum Beispiel auch davon erzählen, dass er nicht perfekt ist und dass es mühsam ist, so zu leben, wie Jesus es gewollt hätte. Und im zweiten Beispiel wäre es sicher leichter, drüberzustehen, wenn man weiß, dass man Freunde hat, die zu einem halten. Oder dass man sich auf seine Familie verlassen kann. Oder dass man den Mut hat, einfach auch mal anders zu sein, als es die, die glauben, sie könnten die Richtung in der Klasse oder im Jahrgang bestimmen, gut finden. Und im dritten Beispiel hilft vielleicht eine Entschuldigung. Vielleicht war ja vorher ein Streit da und der Verrat war eine Trotzreaktion. Und wenn einem die direkte mündliche Entschuldigung sehr schwer fällt, hilft es vielleicht auch, zu schreiben. Eine Garantie, dass das klappt, gibt es nicht. Aber ohne, dass man einsieht, was falsch gemacht hat, geht gar nichts. So wie bei Petrus. Die Geschichte mit ihm und Jesus war eben nicht vorbei. Sondern Petrus hat später noch ganz viel von Jesus erzählt, halt Menschen geheilt und sich um die Gemeinde gekümmert. Er ist wirklich der Felsen geworden, auf den sich die Gemeinde verlassen konnte. Wahrscheinlich ist er das geworden, weil er genau wusste, dass er nicht perfekt ist und Fehler macht, auch im Glauben. Er wusste, dass er Vergebung braucht und er hat die Vergebung durch Jesus gespürt und konnte deshalb auch anderen vergeben. Und wir glauben auch, dass es im Glauben an Jesus darum geht, sich selbst ehrlich zu sehen. Und Fehler nicht zu verstecken oder schön zu reden, sondern um Vergebung zu bitten, es beim nächsten Mal besser zu machen und auch anderen zu vergeben. Amen.

Sonntag, 10. März 2013

Ewiges Leben - mehr als nur ein Alptraum Lätare, 10.03.13, Reihe V

Text: Johannes 6,47-51
Liebe Gemeinde!
Ich weiß wirklich nicht, ob ewiges Leben etwas Schönes ist. In der Geschichte gab – und gibt – es immer wieder Menschen, die sich unsterblich machen wollten und machen wollen. Der römische Kaiser Nero, Karl der Große, Napoleon, Hitler oder Stalin, sie mögen als Beispiel für viele Kaiser, Könige, Politiker, Generäle stehen. Ja, die Erinnerung an sie, die sich selbst unsterblich machen wollten, die ewigen Ruhm ernten wollten, ist noch da. Auch nach Jahrzehnten, Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Aber der Preis für diese Unsterblichkeit in den Geschichtsbüchern und der Erinnerung der Menschheit war bei allen der Tod tausender, später dann von Millionen von Menschen. Und das eigene Leben konnten auch sie um keinen einzigen Tag verlängern. Es gibt Verrückte, die lassen sich nach dem Tod einfrieren, weil sie hoffen, dass in hundert oder zweihundert Jahren die Forschung soweit ist, dass sie Tote wieder auferwecken kann und dann wollen sie ewig weiterleben. Aber um welchen Preis? Ewiges Leben – das kann ja mit 13, 14 oder Mitte zwanzig eine tolle Perspektive sein, wenn man gesund ist, wenn man glaubt, noch alle Möglichkeiten vor sich zu haben. Ewige Jugend – mit möglichst wenig eigener Verantwortung, mit möglichst viel, was einem andere abnehmen, mit ganz viel von dem, was einem als Schönheitsideal vorgegeben wird. Ich finde es erschreckend, wenn Gesichter nicht mehr das Leben widerspiegeln dürfen und Falten haben dürfen, sondern wenn man glaubt, mit Mitte 40 noch wie zwanzig aussehen zu müssen und sich auch so benehmen zu sollen. Ewiges Leben als ewige Jugend – für mich ein Alptraum. Keine Verantwortung, keine Zuwachs an Lebenserfahrung. Jugend ist etwas Wunderbares – wenn sie Jugend sein darf und kein Dauerzustand sein muss, wenn Jugendliche sich von Erwachsenen unterscheiden dürfen und nicht Erwachsene ewige Jugendliche spielen. Und ewiges Altern – das will doch auch keiner ernsthaft. Also: wie ist das mit dem ewigen Leben? Was Jesus hier verspricht – auf den ersten Blick finde ich das erst einmal ziemlich fragwürdig.  Und auf den zweiten Blick auch. Was heißt denn eigentlich „ewig“? Ewig heißt zuerst einmal, keinen Anfang und kein Ende zu haben, immer da zu sein. Logisch denken lässt sich das nicht. Wir können uns Unendlichkeit nicht vorstellen. Das ist etwas, was eigentlich nur Gott als Eigenschaft zukommt. Wenn Gott größer ist als alles, was wir denken können, dann ist er eben auch größer als alles, was wir an Möglichkeiten haben, von der Zeit zu reden und zu denken. Vor jedem Punkt, den wir uns vorstellen können, war er schon da und nach jedem Punkt, den wir denken können, wird er auch noch da sein. Ewig eben. Wenn Jesus sagt: „Wer glaubt, hat das ewige Leben“, dann hört sich das wirklich seltsam an. Nicht Mensch, sondern wie Gott sein wollen, das ist das, was die Bibel von Anfang an als Sünde bezeichnet. Sünde ist nicht zuerst das geklaute Armband oder das Fremdgehen,

Freitag, 1. März 2013

Lückenbüßer, kein Rechthaber! so ist er nun mal, oder? - Okuli, 03.03.2013, Reihe V

Text: Jeremia 20,7-11

Liebe Gemeinde!
Ja, wenn es dir schlecht geht, dann denkst du an Gott. Wenn die große Liebe kaputt gegangen ist, dann denkst du: Gott, warum hast du da nichts gegen gemacht? Oder: Gott, lass mich wieder eine neue Liebe finden! Und wenn sie dann da ist? Dann ist Gott doch ganz weit weg! Wenn deine Mutter schwer an Krebs erkrankt ist und wenig Hoffnung da ist, wenn ein Kind missbraucht wird, wenn ein Irrer Amok läuft und unschuldige Menschen einfach so über den Haufen schießt, wenn du in der Schule kurz vorm Sitzenbleiben stehst, wenn du feststellen musst, dass dein Kind Drogen nimmt oder dein Mann fremdgeht, wenn du wieder mal die Bilder vom Krieg in Syrien siehst oder wenn sich jemand aus deiner Nachbarschaft umgebracht hat, wenn das Geld hinten und vorne nicht reicht, wenn du das Gefühl hast, keine Freunde zu haben, wenn alles um dich herum den Bach heruntergeht: dann denkst du an Gott. Dann denkst du: „Warum ich? Warum jetzt? Wieso ist Gott so ungerecht?“ Und sonst? Wenn es dir gut geht, wenn du glücklich bist, wenn alles einfach läuft? Wenn es Weihnachten wird, dann denkst du vielleicht an Gott, ja, man könnte ja mal wieder in die Kirche gehen, erste Reihe Krippenspiel oder die tolle Kirchenmusik in der E-Kirche. Und im Hochsommer? Auch da sind die Kirchen offen. Auch da werden Gottesdienste gefeiert. Wenn die Konfirmation kurz bevor steht, dann denkst du an Gott. Aber wie ist das ein halbes Jahr später? Keine Angst, ich will jetzt niemandem einreden, dass er nicht hierher gehören würde. Und ich will auch nicht in den gerade von Pfarrern oder von hoch engagierten Christen manchmal gemachten Vorwurf einfallen: „Wenn du wirklich an Gott glaubst, dann darf Gott kein Lückenbüßer sein! An schlechten Tagen zu glauben ist doch viel zu einfach, wahrer Glaube zeigt sich dann, wenn du Gott nicht vergisst, wenn es dir gut geht!“ Natürlich wäre es unglaublich schön, wenn das so funktionieren würde. Aber es steht mir nicht zu, Menschen ihren Zugang zu Gott zu verbieten. Und ganz oft finden Menschen Zugang zu Gott durch eine Leere, die sie in ihrem Leben spüren. Durch eine Lücke, die sich aufgetan hat. Gerade durch Jesus hat Gott ein für allemal deutlich gemacht, dass er sich nicht zu schade ist, der Lückenbüßer zu sein, derjenige, der genau dahin geht, wo Menschen Leere in ihrem Leben empfinden, wo eine Gerechtigkeitslücke sich auftut, wo vielleicht auch das Gefühl da ist: ich bin Gott egal, um mich kümmert er sich ja doch nicht. Genau dahin ist Jesus gegangen, wo dieses Gefühl ganz groß war. Dorthin, wo Menschen es schon längst aufgegeben hatten, nach Gott zu suchen und nach Gott zu fragen. Gott hat sich nicht als der Gott gezeigt, der stur auf seinem Tempelberg sitzt und darauf wartet, dass man zu ihm kommt und ihn verehrt, sondern er ist zu den Menschen hin gegangen, auch dahin, wo es weh tut, auch dahin, wo Ablehnung war.
Menschen wollen Recht haben, immer wieder. Sie empfinden es als Kränkung, wenn sie nicht das bekommen, was ihnen der eigenen Meinung nach zusteht. Menschen wollen Recht haben und die eigene Meinung, den eigenen Glauben bestätigt bekommen. Ich glaube, gerade in der heutigen Zeit ist das ein menschliches Grundgefühl. „Ich habe doch das Recht, in der Schule abzuschreiben oder Referate im Internet zu klauen, wenn der Lehrer das alles nicht so erklärt, dass ich es kapiere!“ „Ich habe doch das Recht, bei der Steuer zu betrügen, wenn der Staat meine Steuern nicht so ausgibt, wie ich es für sinnvoll halte!“ „Ich habe doch das Recht, Gott lächerlich zu machen, wenn der Papst,

Samstag, 16. Februar 2013

Da sitzt er in der Ecke und weint, der Versager - Invokavit, 20.02.13, Reihe V

Text: Lukas 22,31-34
Liebe Gemeinde!
Da sitzt er in der Ecke, der Mann. Ganz hinten, da, wo es richtig dunkel ist. Ganz allein. Hofft er wenigstens. Es soll ja nicht jeder sehen, wie er weint. Männer weinen nicht! Vor allem er nicht. Er ist es doch, der der Größte war. Er war näher dran als die anderen. Er fühlte sich stark. Ja, er war sogar bereit, zu sterben. Für die Wahrheit. Er war ein Mann, der es drauf hatte. Zu dem die anderen aufsahen. Mit viel Respekt. Die allermeisten jedenfalls. Und ein paar vielleicht auch mit ein wenig Neid. Aber: muss man sich nicht Neid erarbeiten? Auf jeden Fall fühlte es sich gut an, so nah dran zu sein. Am Zentrum. Und jetzt sitzt er in der Ecke. Und weint. Und denkt nach. „Ich bin’s eigentlich nicht mehr wert, weiterzuleben!“ Nicht zum ersten Mal in dieser Nacht geht ihm dieser Gedanke durch den Kopf. „Vielleicht wäre es besser, ich würde mir einen Strick nehmen. Wie der andere, der Verräter. Ich bin auch nicht besser.“ So denkt er. „Ich hatte so eine große Klappe. Und als es drauf ankam, da habe ich genkniffen. Aus Angst. Ich Feigling.“ So denkt er, wieder und wieder. Die anderen werden jeden Respekt vor ihm verloren haben. Und die, die sowieso schon ein bisschen neidisch waren, die werden ihn das spüren lassen. Das Versagen. Du Möchtegern. Du Besserwisser. Er hört schon ihre hämischen Kommentare in seinen Gedanken. Kann er überhaupt zurückgehen, bei ihnen bleiben? Sie waren doch seine Heimat. Er weint. Immer noch. Immer wieder. „Wäre es nicht doch besser, alles hinzuwerfen?“ So denkt er, wieder und wieder. Er ekelt sich vor sich selber. Schwächling. Feigling. Verräter. Immer schneller dreht sich alles in seinem Kopf um diese Worte. Und dann kommen ihm andere Worte in den Sinn. Seine Worte. wie war das nochmal? Hat er es nicht vorhergesehen? Was hat er nochmal gesagt? Immer deutlich sind sie in seinem Kopf. die Worte. Seine Worte:
Lesen: Lk 22,31-34
Ja, Petrus war nicht der starke Glaubensheld, für den er sich selbst gehalten hatte. Ja, Petrus hat in einem ganz wichtigen Moment versagt. „Jesus? Den kenne ich nicht, mit dem hatte ich noch nie was zu tun“ – aus Angst um sein eigenes Leben verrät er die Freundschaft mit Jesus, verrät er seinen eigenen Glauben. Ob Petrus sich so geschämt hat, dass er an Selbstmord dachte, das weiß ich natürlich nicht. Aber es ist nicht leicht, die Wahrheit über sich auszuhalten, wenn sie so hart zeigt: „Du bist ganz anders, als du es dachtest. Nicht so toll, wie du dachtest, nicht so stark. Sondern eigentlich en Schwächling und Feigling, der mit dem Mund schneller ist als mit dem Herzen.“ Faszinierend finde, wie Lukas davon erzählt, dass Jesus mit diesem Versagen nicht nur irgendwie rechnet, sondern wie er mit diesem Freundschaftsverrat umgeht. Jesus hätte ja auch sagen können: „Du wirst versagen, unsere Freundschaft verraten. Deshalb stell du dich schön hinten an und wenn es dann weitergeht mit dem glauben, dann darfst du zwar dabei sein, aber ganz hinten bitte schön. Da musst du dann erstmal beweisen, dass du dazugehörst, obwohl ich mich nicht auf dich verlassen kann.“ Wäre normal gewesen, so zu reagieren. Macht Jesus aber nicht. Er sagt, ich gebe das jetzt mal mit meinen Worten wieder: „Wenn du da durch bist,

Freitag, 8. Februar 2013

Macht Liebe blind? - Estomihi, 10.02.13, Reihe VI


Liebe Gemeinde!
„Frau Schlüter, Yannick benimmt sich im Unterricht ganz seltsam. manchmal ist er wie wegtreten, manchmal schwätzt er unkontrolliert dazwischen. Die schriftlichen Leistungen sind total abgesackt. Haben sie bemerkt, dass er Drogen nimmt?“ Frau Schlüter will nicht glauben, was ihr da im Elterngespräch vorgehalten wird. „Das kann nicht sein, Yannick doch nicht! Die Oma, an der er sehr gehangen hat, ist vor einem Vierteljahr gestorben. Und vor ein paar Wochen hat seine erste Freundin mit ihm Schluss gemacht. Das gibt sich wieder!“ Erst als in einer Freitagnacht das Krankenhaus anrief und die Mischung aus Alkohol, Kiffen und Tabletten doch zu viel war, hat sie langsam gesehen was los war.
„Ist zwischen dir und Bernd alles in Ordnung? Du wirkst so unglücklich und in der Firma erzählt man sich schon lange, das Bernd was mit der Sekretärin vom Müller haben soll!“ Martina macht sich viele Sorgen um die ehe ihrer Freundin. Aber die sagt nur: „Ach, wir haben nur ein bisschen Stress. Jessica hat’s in der Schule schwer, Mutter wird langsam dement, und das färbt ein bisschen ab. Aber Bernd und eine andere? Nein. Dazu leiben wir uns zu sehr.“  Erst als sie nach Hause kommt und tatsächlich Herrn Müllers Sekretärin im Bett liegt, muss sie die Wahrheit sehen.
„Ach, Kind, es geht mit mir zu Ende! Ich habe keinen Appetit mehr, ich will endlich wieder bei deinem Vater sein. Alles tut so weh! Seit Monaten komm ich nicht mehr aus dem Bett raus. Mit meinen 82 Jahren will ich endlich sterben.“ „Ach Mutter, das sagst du immer. Du wirst noch hundert!“ Und schon ist Frau Meier aus dem Schlafzimmer der Mutter raus, nachdem sie sie gefüttert hat. Ja, sie ist krank, die Mutter. Aber übers Sterben reden. Nein, das soll nicht sein. Das hat noch Zeit.
Manchmal werden gerade dann, wenn es um einen ganz wichtigen, geliebten Menschen geht, die Augen zugemacht. Unangenehme Wahrheiten werden verdrängt. Was nicht sein soll, das darf auch nicht sein. Krankheit, Tod, Drogen, Negatives überhaupt, nein, das alles soll das schöne Bild der Liebe, der guten Welt nicht stören.
Sicher ist das, was hier im Lukasevangelium von den Jüngern von Jesus erzählt wird, etwas anders. Aber sie verstehen auch nicht, dass Jesus von seinem bevorstehenden Tod und der Auferstehung erzählt. Tod und Leid – kann das denn sein bei dem Menschen, der ihr Leben so sehr geprägt hat? Darf das denn sein, bei dem Menschen, der ihnen so viel Gutes über Gott und ihr Leben gesagt hat, dem sie so sehr vertrauen? Nein, das kann, darf, soll nicht sein! Es wird doch so weitergehen – mit den guten Worten und Taten, mit den Heilungen und der Gemeinschaft, oder?
Manchmal wird die Geschichte von den Jüngern, die die Ohren und Augen vor der Leidenserzählung von Jesus zu machen und dem Blinden, der trotz seiner Blindheit in Jesus den verheißenen Messias sieht und der wegen seines Vertrauens wunderbar geheilt und sehend wird, so erzählt, als wären die Jünger die Bösen oder zumindest die Deppen. Hier sind die, die es eigentlich wissen müssten, die schon lange mit Jesus unterwegs sind, die glauben, ihn zu kennen – und die kriegen das Entscheidende nicht mit. Und dort ist der gute Behinderte,

Mittwoch, 6. Februar 2013

Wo laufen wir denn? - Mit Gott unterwegs, Gebetswoche zur Einheit der Christen

Predigt gehalten im ökumenischen ACK-Gottesdienst in Marburg, St. Peter und Paul
Micha 6,6-8 und Lukas 24,13-35

Predigt Mi 6,6-8 / Lk 24,13-35
Liebe Gemeinde!
Wo laufen sie denn? Ja, wo laufen sie denn? Wo laufen wir denn? Ja, wo laufen wir denn? Beim Nachdenken über Kirche und Gemeinde, über Christsein und Ökumene kommen mir manchmal die beiden Herren an einer Pferderennbahn in den Sinn, die Loriot vor vielen Jahren bildlich zum Leben erweckt hat. Vor lauter Missverständnissen, Unkenntnis, Ignoranz, gepaart mit einem Schuss Besserwisserei, wird das Wesentliche verpasst und am Ende bleiben beide frustriert zurück, während sich das Publikum lachend an dem scheiternden Dialog ergötzt. Wo laufen wir denn? Immer im Kreis herum, wie auf einer Rennbahn, mit dem Ziel, am Ende den Großen Preis gegen die Konkurrenz zu gewinnen? Und wer wäre die Konkurrenz? Andere Religionen und Weltanschauungen oder doch die Brüder und Schwestern in anderen Kirchen und Gemeinschaften? Oder sind wir eher die beiden gesetzten Herren, deren Dialog völlig scheitert und die dadurch Wesentliches verpassen? Lacht dann wenigstens noch ein Publikum von draußen über uns oder hat sich dieses Publikum schon längst von uns verabschiedet, so wie Loriot und sein Humor heute für die unter 35-jährigen, vielleicht auch unter 40- oder 45-jährigen doch auch recht altbacken wirkt?
Die Fragen, ob wir laufen, wo wir laufen, wohin wir unterwegs sind und was dabei geschieht, sind für mich keine nebensächlichen Fragen. Eine Grundwahrheit des Glaubens, der uns verbindet, und zwar nicht nur Christen verschiedener Konfessionen, Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften, sondern auch Christen und Juden, eine Grundwahrheit dieses Glauben ist es, dass er in Bewegung bringt. Glauben an den EINEN Gott bewegt. Als Lesung aus dem ersten Testament haben wir Verse aus dem Buch Micha gehört, die weltweit das Motto der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen bilden. Wie so oft ist diese biblische Lesung etwas beschnitten. Die Stoßrichtung des Prophetenwortes ist es nicht, den Menschen die Freude an schönen Glaubensfesten und gut gestalteten Ritualen nehmen zu wollen. Unmittelbar vor der Kritik erinnert der Prophet an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, an den Weg, den Gottes Volk in die Freiheit gegangen ist und daran, dass diese Freiheit immer gefährdet war und sie, mit Gottes Hilfe, immer wieder gesucht und erkämpft werden musste. Gott bringt in Bewegung – und deshalb kann eine rituelle Erstarrung nicht

Samstag, 26. Januar 2013

Taufen? Ja, bitte! - Und dann? - Tauferinnerungsgottesdienst, Anspiel mit Konfis zu Apostelgeschichte 8,26ff. und Kurzansparche, 27.01.2013

Erzähler (Carolyn): Lange vor unserer Zeit. Ein wichtiger und reicher Mann, der Finanzminister der Königin von Äthiopien, hat Jerusalem besucht. Er war neugierig geworden auf den Gott, an den die Menschen in Jerusalem geglaubt haben. Er hat sich einen Teil ihrer Heiligen Schrift geben lassen. Und auf dem Heimweg liest er darin.
Minister (Kristina): „In Wahrheit aber hat er die Krankheiten auf sich genommen, die für uns bestimmt waren, und die Schmerzen erlitten, die wir verdient hatten. Wir meinten, Gott habe ihn gestraft und geschlagen; doch wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres Ungehorsams geschlagen. Die Strafe für unsere Schuld traf ihn und wir sind gerettet. Er wurde verwundet und wir sind heil geworden.“ Ich verstehe das nicht. Interessant. Da wehrt sich einer nicht. Da tut einer anderen nicht nur irgendwie was Gutes, sondern er leidet für sie. Das könnte ich nicht. Aber was soll das?
Erzähler: Während er so liest bemerkt er gar nicht, dass ein Mann sich nähert. Philippus. Ein Mensch, der Jesus nicht nur kannte, sondern der zu denen gehörte, die ihm fest vertrauten. Philippus hatte eine Eingebung von Gott. Er sollte diesen Mann auf dem Heimweg suchen. Doch der war ganz in seine Schrift vertieft.
Minister: „Er wurde misshandelt, aber er trug es, ohne zu klagen. Wie ein Lamm, wenn es zum Schlachten geführt wird, wie ein Schaf, wenn es geschoren wird, duldete er alles schweigend, ohne zu klagen. Mitten in der Zeit seiner Haft und seines Gerichtsverfahrens ereilte ihn der Tod. Weil sein Volk so große Schuld auf sich geladen hatte, wurde sein Leben ausgelöscht. Wer von den Menschen dieser Generation macht sich darüber Gedanken?“
Philippus (Milli): Verstehst du eigentlich, was du da liest?
Minister: Oh, wer bist du denn? Nein, ich verstehe es nicht. Mir hat es auch keiner erklärt. Ich glaube, um eure Heilige Schrift zu verstehen, muss ich viel mehr wissen.
Philippus: Darf ich dir dabei helfen, das zu verstehen?
Minister: Gern! Ich möchte gern wissen,

Samstag, 19. Januar 2013

Kein Urlaub für immer, aber Leuchtturm im Leben - letzter n. Epiphanias, 20.01.2013, Reihe V

Text: Johannes 12,34-36
Liebe Gemeinde!
Morgens ohne Wecker wach werden. Irgendwann, dann, wenn es soweit ist und nicht dann, wenn die Pflicht ruft. Gemütlich frühstücken. Stundenlang durch verschneite Wälder wandern. Zwischendurch gemütlich einkehren, was Gutes essen und trinken. Zeit zum Lesen. Auch mal eine Serie im Fernsehen einschalten. Zeit für den Menschen zu haben, den man liebt. Das müsste eigentlich immer so sein. Das würde ich gern festhalten, nicht mehr loslassen. Aber leider ist mein Urlaub schon wieder mehr als eine Woche vorbei.
Sicher sind es bei jedem andere Dinge, die das Gefühl auslösen: So müsste es doch immer sein! Das muss kein Urlaub sein, das kann einfach auch mal ein schöner Tag mit einem tollen Menschen sein, die neue große Liebe oder, warum auch nicht, ein Arbeits- oder Schultag mit dem Gefühl: heute hast du was richtig Gutes geschafft. Heute war alles so, wie es besser eigentlich kaum geht.
Gute Zeiten: am liebsten festhalten und für immer konservieren. Und viel mehr noch Menschen, die mir gut tun, deren Nähe nicht nur dazu führt, dass ich mich irgendwie gut fühle, sondern dass ich merke: mein Leben gewinnt durch diesen Menschen: nie sollen die weg sein! Ich glaube, dass ich nicht der Einzige bin, Augenblicke oder Menschen, die einfach gut sind, gern festhalten möchte.
Und in der Bibel, bei den Propheten, wird eigentlich so etwas versprochen. Etwas, was weit über einen schönen Urlaub oder den Mann oder die Frau fürs Leben hinausgeht. Da wird vorhergesagt, dass sich durch den Christus, den Messias, den Gott in diese Welt schickt, alles für immer zum Guten wendet. Ungerechtigkeit gibt es nicht mehr, Gewalt wird ein Ende haben. Alles wird gut. Nicht nur für ein paar nette Urlaubstag, sondern ganz grundsätzlich. Nicht nur für mich und meine Familie oder meine Freunde, sondern wirklich für alle.
Ja, solche Versprechen gibt es in der Bibel, und sie sind viel älter als Jesus. Und der kommt. Und er begegnet Menschen. Und die Menschen merken: Da passiert etwas mit mir. Die Begegnung mit Jesus macht nicht nur mein Leben gut, sondern da verändert sich auch um mich herum ganz viel. Da weiß einer wirklich, wovon er redet: von Gott. Da ist Gott zu sehen, da ist Gott wirklich da, wenn Jesus in der Nähe ist. Und die Menschen, die ihm begegnen und das spüren, die kennen die Versprechen aus der Bibel. Und sie glauben und hoffen: Jetzt wird alles wirklich gut. Für immer!
Und dann die Enttäuschung: Jesus lässt sich nicht festhalten. Er, der Christus, der Messias, der doch ewig sein soll, erzählt immer wieder, dass er weg gehen wird. Dass er erhöht wird, zurück zum Vater geht. Nichts ist es mit der Ewigkeit. Kein Wunder, dass sich ein Stück Enttäuschung breit macht bei den Menschen, die eben noch große Hoffnungen hatten. Kein Wunder, dass die Menschen misstrauisch werden und fragen: Wer bist du eigentlich?  du sagst, dass du der verheißene Messias bist, der Christus, aber bleibt der nicht ewig? Warum gehst du fort? Wieso sagst du, dass du erhöht werden musst und meinst damit, dass du sterben wirst?
Fragen, jede Menge Fragen, von denen unser Predigttext heute erzählt. Fragen sind menschlich, fragen ist menschlich. Das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen. Und Fragen haben können ganz verschiedene Zwecke verfolgen. Sie können

Mittwoch, 2. Januar 2013

Wo viel Licht ist, ist viel Schatten - Epiphanias, 6.1.13, Reihe V

Text: Jesaja 60,1-6
Liebe Gemeinde!
„Wo viel Licht ist, ist viel Schatten“ – ein Sprichwort, mehr nicht. Aber wie fast alle Sprichwörter und Lebensweisheiten hat es einen durchaus wahren Kern. Da, wo vieles in ein gutes Licht gerückt wird, da, wo vieles hell zu strahlen scheint, gibt es immer auch eine dunkle Seite. Etwas, das gern verborgen wird. Oder das, was an Schäden angeblich nicht zu vermeiden ist. Eindeutig gut, eindeutig im Licht stehen – das gibt es in dieser Welt nicht. Mich reizt der Bibeltext, der für den heutigen Tag als Predigttext vorgesehen ist, tatsächlich mal, nach den dunklen Seiten, nach den Schatten zu fragen. Es ist fast schon eine Überdosis Licht, die wir da abbekommen: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir, so beginnt dieser Abschnitt aus dem Buch Jesaja. Schon wieder, wie zu Weihnachten auch, das hell strahlende Licht Gottes. Alles wird gut. Alles wird schön. Heute ist das letzte Fest im weihnachtlichen Festkreis. „Epiphanias“ heißt es. Wenn man diesen griechischen Namen ins Deutsche übersetzt, heißt das so viel wie „Erscheinung“ oder „Aufscheinen“. Gemeint ist, dass wir Christen feiern sollen, dass Gott in dieser Welt sichtbar geworden ist, dass etwas von seiner Herrlichkeit und von seinem Glanz in dieser Welt zu fassen ist. Deshalb der Predigttext. Und deshalb auch der beliebtere und bei den allermeisten Menschen auch bekanntere Name dieses Festes: Dreikönigstag. In Erinnerung an die drei gelehrten Männer aus dem Land des Sonnenaufgangs, von denen der Evangelist Matthäus erzählt. Die drei Gelehrten, die einen Stern sahen, in ihm die Ankunft eines besonderen Königs in dieser Welt sahen. Sie wussten nichts vom Gott Israels, von dem Gott, an den wir glauben. Sie machten sich auf, suchten im Palast. Dort fanden sie diesen König nicht. Aber sie entdeckten Gott als König der Welt in einem kleinen Kind, geboren in Bethlehem, dem sie wertvolle Geschenke mitbrachten. Gottes Herrlichkeit und Wirklichkeit wird in dieser Welt sichtbar: das erkennen die drei klugen Männer, die eigentlich an ganz andere Götter glaubten, aber in Jesus den wahren Gott sahen.  Davon erzählt eben auch auf andere Weise das Buch Jesaja. Und die, die in Jesus Gott erkannten, die bezogen dann diese Wort vom Licht auch auf ihn. Alles schön und gut. Aber mir manchmal auch ein bisschen zu gut. Die Feiertage sind vorbei, die Kerzen am Baum tauchen die Wirklichkeit vielleicht heute noch in ein etwas milderes Licht, aber dann geht der Alltag wieder los, spätestens doch nächste Woche, wenn auch die Weihnachtsferien vorbei sind.  Wie gesagt, wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Wie recht hier der Volksmund hat, merke ich an der Schwelle zwischen Festtagen und Alltag ganz deutlich. Gerade auch an der Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland, dem Land des Sonnenaufgangs. Manche kennen sicher auch die Fortsetzung beziehungsweise das Ende der Geschichte: Aus Angst um seine eigene Herrschaft lässt König Herodes alle neu geborenen Jungen in Bethlehem töten. Jesus und seine Eltern können gerade noch rechtzeitig fliehen, weil ein Engel Josef im Traum erschienen ist. Aber zig Familien wurden ins Unglück gestürzt. Zig Jungen haben durch die Grausamkeit eines weltlichen Herrschers ihren ersten Geburtstag nicht erlebt.
Zwei dunkle Schatten wirft helle Licht für mich. Der erste dunkle Schatten: Warum hat Gott die anderen Familien nicht genauso vorgewarnt wie Josef, Maria und Jesus? Und der andere dunkle Schatten: Wie können Menschen nur so grausam sein und auf Befehl von wem auch immer einfach so kleine Kinder abschlachten?