Liebe Gemeinde!
Ich weiß wirklich nicht, ob ewiges Leben etwas Schönes ist. In der Geschichte gab – und gibt – es immer wieder Menschen, die sich unsterblich machen wollten und machen wollen. Der römische Kaiser Nero, Karl der Große, Napoleon, Hitler oder Stalin, sie mögen als Beispiel für viele Kaiser, Könige, Politiker, Generäle stehen. Ja, die Erinnerung an sie, die sich selbst unsterblich machen wollten, die ewigen Ruhm ernten wollten, ist noch da. Auch nach Jahrzehnten, Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Aber der Preis für diese Unsterblichkeit in den Geschichtsbüchern und der Erinnerung der Menschheit war bei allen der Tod tausender, später dann von Millionen von Menschen. Und das eigene Leben konnten auch sie um keinen einzigen Tag verlängern. Es gibt Verrückte, die lassen sich nach dem Tod einfrieren, weil sie hoffen, dass in hundert oder zweihundert Jahren die Forschung soweit ist, dass sie Tote wieder auferwecken kann und dann wollen sie ewig weiterleben. Aber um welchen Preis? Ewiges Leben – das kann ja mit 13, 14 oder Mitte zwanzig eine tolle Perspektive sein, wenn man gesund ist, wenn man glaubt, noch alle Möglichkeiten vor sich zu haben. Ewige Jugend – mit möglichst wenig eigener Verantwortung, mit möglichst viel, was einem andere abnehmen, mit ganz viel von dem, was einem als Schönheitsideal vorgegeben wird. Ich finde es erschreckend, wenn Gesichter nicht mehr das Leben widerspiegeln dürfen und Falten haben dürfen, sondern wenn man glaubt, mit Mitte 40 noch wie zwanzig aussehen zu müssen und sich auch so benehmen zu sollen. Ewiges Leben als ewige Jugend – für mich ein Alptraum. Keine Verantwortung, keine Zuwachs an Lebenserfahrung. Jugend ist etwas Wunderbares – wenn sie Jugend sein darf und kein Dauerzustand sein muss, wenn Jugendliche sich von Erwachsenen unterscheiden dürfen und nicht Erwachsene ewige Jugendliche spielen. Und ewiges Altern – das will doch auch keiner ernsthaft. Also: wie ist das mit dem ewigen Leben? Was Jesus hier verspricht – auf den ersten Blick finde ich das erst einmal ziemlich fragwürdig. Und auf den zweiten Blick auch. Was heißt denn eigentlich „ewig“? Ewig heißt zuerst einmal, keinen Anfang und kein Ende zu haben, immer da zu sein. Logisch denken lässt sich das nicht. Wir können uns Unendlichkeit nicht vorstellen. Das ist etwas, was eigentlich nur Gott als Eigenschaft zukommt. Wenn Gott größer ist als alles, was wir denken können, dann ist er eben auch größer als alles, was wir an Möglichkeiten haben, von der Zeit zu reden und zu denken. Vor jedem Punkt, den wir uns vorstellen können, war er schon da und nach jedem Punkt, den wir denken können, wird er auch noch da sein. Ewig eben. Wenn Jesus sagt: „Wer glaubt, hat das ewige Leben“, dann hört sich das wirklich seltsam an. Nicht Mensch, sondern wie Gott sein wollen, das ist das, was die Bibel von Anfang an als Sünde bezeichnet. Sünde ist nicht zuerst das geklaute Armband oder das Fremdgehen,