Die Predigt habe ich eigentlich am 19. n. Tri, dem 6.10.13, gehalten. Durch die Kirchenvorstandswahl in unserer Landeskirche haben wir Erntedank vorgezogen und ich wollte gern mal wieder die Zehn Gebote predigen
Predigten und Gedanken aus der Thomaskirche auf dem Richtsberg in Marburg
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Samstag, 12. Oktober 2013
Zehnfache Freiheit - nicht gerade knallhart durchgesetzt - 18. Sonntag nach Tr., Reihe V
Die Predigt habe ich eigentlich am 19. n. Tri, dem 6.10.13, gehalten. Durch die Kirchenvorstandswahl in unserer Landeskirche haben wir Erntedank vorgezogen und ich wollte gern mal wieder die Zehn Gebote predigen
Dienstag, 26. März 2013
Mitten in der Nacht wird Gott radikal - Gründonnerstag 2013, Reihe V
Sonntag, 16. Januar 2011
Zeig dich doch! - 2. Sonntag nach Epiphanias, 16.01.11, Reihe III
Liebe Gemeinde!
Das Schlimme war nicht der Streit, sondern die Stille danach. Wird er je wieder mit mir reden? Ich weiß, dass ich es verdient hätte, dass er mich ganz verlässt. So, wie ich sein Vertrauen ausgenutzt und missbraucht habe. Ich weiß, dass es falsch war. Und noch schlimmer: ich weiß genau, dass ich nicht garantieren kann, dass so was nie wieder passiert. Er hätte jeden Grund, wegzugehen. Weiter zu schweigen. Er hat zwar versprochen, mich für immer zu lieben. Aber ich kann verstehen, wenn das jetzt endgültig aus ist. Aber ich will das nicht. Ich halte das Schweigen nicht mehr aus. Ich brauche doch die Nähe, die Zuwendung, die Liebe. Ich spreche ihn einfach an. „Bist du noch da? Zeig dich doch. Bitte. Lass mich sehen, wie groß, wie schön du bist mit deiner Liebe!“ Auch wenn ich weiß, dass ich es nicht verdient habe.
Streit ist selten schön. Vor allem, wenn ich weiß: ich bin eigentlich schuldig. Und ganz schlimm ist es, wenn Vertrauen missbraucht oder enttäuscht wurde. Worte helfen da nicht immer. „Ich will sehen, ich will spüren, dass du noch da bist, dass unsere Beziehung noch eine Chance hat!“ Nicht nur zwischen Eheleuten, Freunden, oft genug zwischen Eltern und Kindern geht das so. Auch bei Mose war es so ähnlich. Lange vor unserer Zeit. Er möchte Gott unbedingt sehen. Nicht deshalb, weil er einfach mal so denkt, dass es ganz nett wäre oder weil er angeben möchte. Sondern weil er wissen will, ob eine kaputtgegangene Beziehung noch eine Chance hat. Gott, so erzählt es die Bibel, hat dafür gesorgt, dass die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten befreit wurden. Gott hat sich ihnen als Gott auf dem Weg gezeigt, als einer der mitgeht, aber nicht festgehalten werden kann. Und kaum sind sie unterwegs, ist dem Volk das zu wenig. Sie wollen einen Gott zum Anfassen und lassen sich ein goldenes Kalb machen, dass sie als ihren Gott anbeten. Ist jetzt alles aus?
Das war passiert, bevor Mose den Wunsch hatte, Gott wirklich zu sehen. Die Bibel, das 2. Buch Mose, erzählt so von diesem Wunsch und dem, was dann passiert:
Exodus 33,1-23
Gott ist hier nicht der große Zerschmetterer, der rach-süchtige, kleinliche Verfolger aller Übertretungen, son-dern der, der zu seiner Liebe, zu seinen Versprechungen steht. Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wes-sen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. Ich weiß nicht, wie sie diesen Satz, der hier als eine Aussage von Gott überliefert wird, hören. Ich höre ihn aber erst einmal so, wie ich ihn sagen würde, wenn ich die Macht dazu hätte und in der Position wäre: Ich mach, was ich will. Zu dem einen bin ich gütig und gnädig, zum ande-ren halt nicht. Meine Sache. Aber ich glaube, dass hier nicht unser menschlicher Überlegenheits- und Selbst-darstellungswahn mitspielt, sondern dass der Kern etwas ganz anderes ist. Wenn ich gnädig bin, dann bin ich wirklich gnädig. Dann kannst du dich darauf verlassen, dass ich zu dir halte, auch wenn du mein Vertrauen enttäuscht hast. Du lässt mich vielleicht im Stich – ich dich aber nicht. Wenn ich mich zu etwas bekenne, dann gilt das ganz und gar. Hier, im 2. Buch Mose, gilt diese Zusage nicht nur Mose allein, sondern dem ganzen Volk Israel, den Juden. Eine Geschichte, in der die Bibel Enttäuschungen, Schuld, Versagen nicht verschweigt. Eine Geschichte, die aber zuallererst von Gottes Treue und Gnade trotz aller Schuld geprägt ist. Auf Gott ist Verlass – auch dann, wenn auf die Menschen kein Verlass ist. Durch Jesus hat Gott uns in dieses Treueversprechen mit hineingenommen. Nicht, weil wir anders, besser, zuverlässiger als die Menschen des ersten Bundes wären. Sondern weil sichtbar werden sollte, dass diese Liebe, dieses Versprechen nicht nur einem auserwähltes Volk, sondern der Menschheit gilt. Dem Menschen, den, so erzählt es die Geschichte von der Erschaffung der Welt, Gott als angemessenes Gegenüber geschaffen hat.
Lass mich dich sehen. Lass mich spüren, dass wir eine Zukunft haben, dass Vertrauen wieder neu möglich ist – der Wunsch, den wir aus unseren zwischenmenschlichen Beziehungen ganz gut kennen, der Wunsch, den Mose an Gott richtet – vielleicht ist das auch immer wieder einmal unser Wunsch an Gott. Ich würde gern glauben, ich würde gern hoffen, ich würde gern lieben – aber es fällt oft so schwer. Ich kann dich nicht sehen, wenn ich erlebe, wie ein Mensch qualvoll an Krebs stirbt. Ich kann dich nicht spüren, wenn immer noch Menschen hungern. Wo bist du, wenn nur noch die Gier regiert und schamlos Geld geklaut, Tiere und Menschen vergiftet werden? Ich würde dich gern sehen, wenn ich erlebe, wie die Spielsucht einer Frau ihre Familie in den Wahnsinn treibt. Gott, zeige dich doch, zeige doch, wie gütig du bist. Unsere Lebensumstände sind anders als bei Mose. Aber auch heute erleben wir Gott als einen, der nicht immer offensichtlich da ist, sondern der sich auch verbirgt. Gott sehen, damit ich glauben kann – an Güte, an Liebe, an Wahrheit. Vielleicht geht es uns manchmal dann doch so wie Mose. Und ich glaube, bei allem sagenhaften, was diese Geschichte aus der Bibel enthält, dass einige Punkte bis heute sehr wichtig sind. Nicht nur der, dass Gottes Erbarmen und Treue größer ist als menschliche Schuld und menschlicher Vertrauensbruch.
Gottes Güte – das Wort, das hier in der ursprünglichen Sprache der Bibel steht, heißt auch Schönheit, Glanz, Reichtum – geht vorüber. Ich finde, dass das gerade in der deutschen Sprache ein passendes Wortspiel ist. Nicht, weil die Güte, die Schönheit, der Reichtum Gottes irgendwann mal zeitlich gesehen ganz aus wären, son-dern weil das alles nicht festgehalten werden kann. Gott ist Gott auf dem Weg mit uns. Es gibt Momente, da kann ich das gut wahrnehmen. Da spüre ich, da erkenne ich, wie groß und gut Gott mit seiner Liebe ist. Aber festhalten kann ich das nicht. Es wird immer wieder auch die Momente geben, wo ich das nicht sehen und spüren kann. Gott, so wird es erzählt, stellt Mose auf einen festen, sicheren Grund und schützt ihn mit seiner Hand. Aber auch das führt eben nicht dazu, dass es da etwas festzuhalten gäbe. Für mich heißt das bis heute, dass ich Gott immer wieder bitten darf, dass er sich mir zeigt, dass er sich mir verständlich macht und dass ich da, wo ich Angst davor habe, dass alles Gute und Schöne und alle Liebe weg ist, vielleicht auch aus meiner eigenen Schuld, ihn bitten darf, sich wieder zu zeigen. Aber das wird immer nur ein vorübergehender Augenblick sein, kein Besitz. Ich kann Gott und die Begegnung mit ihm nicht einpacken. Nicht in ein Kreuz, das ich mit mir trage, nicht in Taufwasser, noch nicht einmal ins Abendmahl. Die Begegnung mit Gott geschieht im Vorübergehen. Dieser besondere Augenblick kann und soll dann wieder Kraftquelle für die Schritte im Alltag sein, meine Schritte. Das Erken-nen von Gottes Güte und Schönheit ist nichts Alltägliches, es ist etwas Besonderes, das immer wieder geschehen kann, das ausstrahlt in den Alltag. Das ist ein wichtiger Punkt für mich.
Ein anderer ist der, dass wir Menschen Gott nicht von Angesicht zu Angesicht, praktisch von Gleich zu Gleich erkennen können, sondern ihm nur hinterher sehen können. Im Nachhinein erkennen wir, wo Gott Spuren im Leben hinterlassen hat. An den Wirkungen und Eindrücken erkennen wir, wo Gott war, wie er ist. wir können diesen Spuren folgen. Nachfolgen. Nicht wir legen die Spur der Liebe und des Guten, Gott legt sie.
Ich wünsche uns, dass wir diese Spuren erkennen. Ich wünsche uns, dass wir den Mut finden, nach Gott zu fragen, auch dann, wenn wir das Gefühl haben, seine Liebe vielleicht gar nicht verdient zu haben. Ich wünsche uns, dass wir den Mut haben, nach Vertrauen zu suchen, nach Wegen, es wiederzufinden, auch dann, wenn es durch uns kaputt gegangen ist. Nicht nur in unserem glaubensleben, sondern auch im Alltag. Und ich wünsche uns die Kraft und den Mut, das vorübergehen auszuhalten. Die Kraft, der Versuchung zu widerstehen, Liebe und Glauben besitzen zu wollen. Mut zum Loslassen. Mut, sich vom Augenblick für den Alltag stärken zu lassen. Das wünsche ich uns immer wieder. Amen
Freitag, 26. September 2008
Mehr Schein als Sein? - 19. Sonntag nach Trinitatis, Reihe VI
Predigt 19. n. Tr. 08, 28.09.08, Reihe VI
Liebe Gemeinde!
Mehr Schein als Sein! Vielleicht ist das ein Motto unserer Zeit, nach dem sich immer mehr Menschen richten. Die Welt des schönen Scheins, in der Falten, Narben, Risse keinen Platz mehr haben. Spuren, die das Leben in Gesichter schreibt, graue Haare, früher ein Zeichen von Würde, werden wegoperiert, weggefärbt, weich gezeichnet, so dass man auch mit über 40 noch auf den ersten Blick für gut 20 durchgeht oder aber hoffnungslos verloren und von Gestern ist. Sicher, manchmal ist es auch ein Schutz für die eigene Seele, wenn man sich die Risse im Leben nicht ansehen lässt. Mich hat in der letzten Woche eine lange E-Mail von einer jungen Frau berührt, die ich in Fulda vor ungefähr fünf, sechs Jahren kennengelernt habe, die mal mit Konfer dort anfing, dann immer wieder schwänzte und alles hinwarf. In der Schule hielt sie damals auch nichts durch. Ich fand sie nicht unsympathisch, aber irgendwie leichtlebig. Bei „wer-kennt-wen“, einer Seite im Internet, auf der man andere treffen kann, habe ich auf der Seite einer gemeinsamen Bekannten ein Bild von ihr gesehen. Aus dem irgendwie ganz niedlichen, aber ziemlich rotzigen Mädchen ist eine hübsche junge Frau geworden. Ich habe ihr eine kurze Mail geschrieben, einen Gruß mit einem Kompliment für ihr Äußeres, das ihr gut steht. Sie hat mir ganz lang geantwortet. Sie hat davon erzählt, dass sie seit über zwei Jahren ihre schwerkranken Großeltern pflegt, um die sich sonst niemand kümmert, dass sie dadurch keine Zeit hatte, sich um Ausbildung zu kümmern und ihr Schulabschluss auch nicht so brillant war, dass sie anfängt, sich nicht nur Sorgen um die Großeltern, sondern auch um ihre eigene Zukunft zu machen. Sie hat einen Freund, der ihr Halt gibt, und für den lohne es sich, auch aufs Äußere zu achten. Das mache ihr einfach Spaß. So einfach, wie ich es mir machen wollte, konnte ich es mir nach dieser Mail nicht machen. Manchmal ist ein Schutz nötig, damit man auch mal abschalten kann. Damit man nicht kaputtgeht. Auf Dauer bringt das natürlich keinen Riss weg, ebnet keine Sorgenfalte ein. Es ist aber trotzdem ein Unterschied, ob ich aus meinen Alltagssorgen auch mal ausbrechen kann oder ob ich so tue, als gäbe es das alles nicht. Wenn ich so tue, als gäbe es keine Risse, wenn ich die Oberfläche immer glatt poliere, dann wird die Oberfläche immer dünner und bricht irgendwann mal ein. Wenn ich Risse wahrnehme, zulasse, dann weiß ich, wo ich dran bin, dann kann ich neue Wege finden, Stärken entdecken, Spalten und Spaltungen im Leben überwinden.
Vielleicht fragen sich jetzt manche, was das mit dem Stück aus der Bibel zu tun hat, das ich eben vorgelesen habe. Aber genau darum geht es auch in dieser Geschichte: Um einen Riss, der sich aufgetan hat, der nicht wegdiskutiert wird. Um eine Wunde, die heilt - aber auch eine Narbe, die bleibt.
Bei denen, die sich in der Bibel ein bisschen auskennen, klingelt es wahrscheinlich gleich beim Namen Moses. Das ist doch der, der im Auftrag Gottes das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei durch die Wüste ins gelobte Land führen soll. Moses bekam unterwegs die Zehn Gebote - aber weil den Menschen die Warterei darauf zu lange wurde, haben sie gesagt: „Wir wollen keinen Gott, den man nicht sehen kann, wir wollen was Handfestes.“ Sie ließen Aaron, den Bruder von Mose, aus dem Schmuck, den sie hatten, ein goldenes Kalb machen und beteten es als Gott an. Als Mose kam, wurde er natürlich sauer und es sah so aus, als ob die Geschichte Gottes mit diesen Menschen aus und vorbei wäre. So ein Riss ist nicht zu flicken, so ein Bruch ist nicht wieder gut zu machen. Aber die Geschichte ging anders weiter. Der Bruch hat sich als etwas Heilsames herausgestellt. Es geht weiter - nicht so, als ob nichts gewesen wäre, sondern so, dass man merkt, dass da was war, was wehgetan hat, dass das aber einer neuen, guten Beziehung nicht im Weg steht. Genau da setzt der Schnipsel aus der großen Geschichte, der heute Predigttext ist, ein. Gott lässt die Regelübertretung nicht das Ende sein, sondern die Chance für einen Neuanfang. Gott teilt Mose etwas ganz wichtiges über sein Wesen mit. Er ist barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied. Je nachdem, wie man das hört, kann man das ganz schön fies finden. Kinder und Enkel müssen unter dem leiden, was Eltern und Großeltern falsch gemacht haben! Nein, gerecht ist das nicht! Aber die Wahrheit über das Leben. Kinder, nachfolgende Generationen sind kein unbeschriebenes Blatt. Nicht nur genetisch bekommen sie einiges von den Generationen, die vor ihnen gelebt haben, mit auf ihren Weg. Und vor allem ist die Strafe ja gar nicht die Hauptsache in dem, was Gott hier über sich selbst sagt. Barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde. Das ist der entscheidende Punkt. Gottes Wesen ist Gnade, Treue, Vergebung - auch da, wo Menschen Schuld auf sich geladen haben, auch da, wo Menschen untreu werden. Gott hält die Treue. Aber keinen faulen Frieden, der so tut, als wäre nie etwas gewesen, keinen schön geschminkten Scheinfrieden, bei dem alles in Ordnung ist. Die Risse und Brüche werden klar benannt. Und erst dadurch wird deutlich, dass die Liebe Gottes, seine Gnade und Treue nicht nur billige Schminke um des guten Effektes wegen ist, sondern echte Liebe, die eben auch die Risse und Brüche aushält und deren Stärke sich genau daran zeigt. Nicht „vergeben und vergessen“, sondern „vergeben ja, vergessen nein!“ Vielleicht kann man das mit diesen einfachen Worten ausdrücken. Wer vergisst, wie weh Treuebrüche tun, wie weh es tut und wie lange es dauert, verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen, der wird den gleichen Fehler wieder und wieder machen. Dort, wo der Bruch, wo der Riss nicht zugekleistert wird, dort ist auch die Möglichkeit da, ihn als Warnsignal zu verstehen, als Erinnerungsmarke: so etwas soll nie wieder geschehen. Das geht aber auch nur dann, wenn das Vertrauen da ist, dass diese Offenheit nicht ausgenutzt wird. So wie Gott hier sagt, dass sein Wesen die Vergebung ist, die die Folgen des bösen Verhaltens nicht ausblendet, so brauchen wir im Alltag auch die Gewissheit, dass Offenheit und Reue nicht ausgenutzt werden. Manchmal müssen Menschen auch vor zu viel Offenheit geschützt werden. Ich finde es unglaublich, wie viele Menschen sich im Fernsehen öffentlich lächerlich machen oder lächerlich machen lassen durch Eingeständnisse, die besser im privaten Bereich geblieben wären. Ob es ums Fremdgehen oder um andere Dinge geht -Offenheit ist gut, aber nicht um jeden Preis, sondern alles braucht seinen Rahmen - und seine Vertrautheit. Bei Gott können wir sicher sein, dass er Schwächen nicht gegen uns ausnutzt, im Gegenteil. So, wie sich das ja auch hier in der Geschichte zeigt.
Mose, der Mensch, hat da wenig Vertrauen zu seinen Leuten. Er bittet Gott, dass er, Gott, selbst mitten unter den Menschen sein müsse, weil sie sonst doch nichts kapieren. Aber Gott geht einen anderen Weg. Durch dich, Mose, durch einen Menschen, will ich unter ihnen sein, sagt er ihm. Das Wunderbare der Liebe Gottes, die trotz aller Schuld einen Neuanfang schenkt, durch die Begegnung mit einem Menschen sehen - diesen Weg ist Gott in Jesus Christus ganz konsequent zu Ende gegangen. Nicht „mehr Schein als Sein“, sondern „mehr Sein als Schein“ ist sein Weg. Gott macht uns Menschen nichts vor. Er begibt sich mit uns Menschen sozusagen auf Augenhöhe, damit wir die Wahrheit über unser Leben sehen und aushalten können, damit wir an Schuld nicht zerbrechen, sondern einen Neuanfang sehen und schaffen können. Dass ich als Mensch trotz allem, was schwer und manchmal kaum auszuhalten ist, was wert bin, das ist die Botschaft, die uns mitgegeben wird. Und diesen Wert, diesen Spaß am Leben trotz manchem Schweren, den können wir ja auch ausdrücken. Manchmal vielleicht auch wie die junge Frau aus Fulda dadurch, dass man äußerlich zeigt: ich bin mir was wert, es ist nicht alles furchtbar, auch wenn vieles schwer ist. Vielleicht steckt ja öfter als auch ich manchmal denke, hinter dem, was andere als eine zurechtgemachte Partytussi aus dem Funpark wahrnehmen, ganz viel menschliche Tiefe. Risse können heilsam sein, nicht nur in der Schminke und der Fassade von anderen, sondern auch im eigenen Denken.
Gebe Gott, dass wir uns nicht zu schnell mit dem Schein zufrieden geben, sondern bei anderen und uns nach dem Schauen, was wirklich ist, was Leben erhält und neues Leben schenkt.
Amen.