Text: 1. Korinther 6,12-20
Liebe Gemeinde!
Also, zuerst einmal: liebe Männer! Geht nicht zu Huren, zu Prostituierten, ihr habt ja gehört, was in der Bibel steht! Und dann noch: liebe Frauen und Mädchen: Werdet nicht zu Huren, zu Prostituierten, ihr habt ja gehört, was Paulus da so in seinem Brief an die Leute in Korinth schreibt!
Amen.
Hier könnte die Predigt eigentlich aufhören, wenn man das, was Paulus vor fast zweitausend Jahren uns völlig fremden Menschen im heutigen Griechenland geschrieben hat, einfach so liest und wortwörtlich nimmt. Wenig überraschend, dass in der Kirche gesagt wird: Hurerei ist nicht unser Ding! Und wahrscheinlich doch zu Recht werden die allermeisten, die heute in Deutschland in Gottesdienste gehen und sich diese Lesung aus der Bibel anhören, zu Recht sagen: „Das betrifft mich nicht so wirklich!“ Wieso sollte ich also mehr zu diesem Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief sagen als „Gut, wenn das bei euch und ihnen nicht so ist, passt auf, dass es nicht anders wird?“
Für mich hat das mehrere Gründe. Der banalste Grund ist, dass ich schließlich auch dafür bezahlt werde, Predigten zu halten und mir ein paar Gedanken zu machen und nicht zu schnell faul zu werden und mit bequemen kurzen Aussagen mich aus der Affäre zu ziehen. Aber das ist das Unbedeutendste. Wichtiger ist mir selber, dass wir uns als Christen auch mit Dingen beschäftigen, die wir gern von uns schieben. Jesus ist schließlich auch nicht vor den unbequemen Dingen davongelaufen. Er hat sich, das ist ganz gut überliefert, auch mit Huren unterhalten und hat ihnen Men-schenwürde zukommen lassen. Wir könnten natürlich sagen: „Das ist ein Bääh-Thema, mit dem wollen wir uns nicht beschäftigen!“ Aber das ist, glaube ich, nicht im Sinne von Jesus. Prostitution hat es immer schon gegeben und wird es immer geben, in christlichen und muslimischen und jüdischen Gesellschaften, in Gesellschaften, denen Religion egal ist, in reichen und armen Ländern. Daran ändert auch eine moralische oder religiöse Verurteilung nichts. Oft genug bleibt das moralische Urteil an den Frauen hängen: „Das sind schlechte Frauen, die sowas tun, mit denen gibt man sich im Alltag nicht ab!“ So denkt man oft genug, leise oder laut. Ich glaube aber, dass es im Sinne Jesu eher andersherum eine Frage nach den Männern sein sollte, die Nöte von Frauen ausnutzen: die Not, ein Kind oder eine Familie durchbringen zu müssen und keinen anderen Weg zu sehen, die Not, sich Drogen beschaffen zu müssen oder die Not, verraten und verkauft zu werden und unter Vorspiegelung falscher Versprechungen ihrer Rechte und ihrer Würde beraubt zu werden. Und da sind wir auch bei Paulus und bei dem Abschnitt, den ich eben vorgelesen habe. Und bei meinem wichtigsten Grund, doch noch weiter zu predigen. Paulus hält sich nicht bei moralischen Urteilen über die Frauen, Huren, Prostituierte auf, sondern er redet eigentlich zu den Männern, die diese Dienste in Anspruch nehmen. Es macht was mit euch,
Predigten und Gedanken aus der Thomaskirche auf dem Richtsberg in Marburg
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Donnerstag, 26. Juli 2012
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